Reisepionier Vural Öger "Migranten aus bildungsfernen Schichten verursachen oft Probleme"

Der Reiseunternehmer Vural Öger sieht die Ursachen für Konflikte um Zuwanderung bei den Migranten selbst – und preist sie zugleich als Vorbilder für unternehmerischen Mut.

Der Hamburger Reiseunternehmer Vural Öger glaubt an Erfolgsgeschichten von Migranten in Deutschland. Quelle: dpa/dpaweb

WirtschaftsWoche: Herr Öger, dieser Tage diskutiert Europa über den Umgang mit Flüchtlingen, Deutschland über Zuwanderer aus Südosteuropa. Dabei gibt es diese Migration seit einem halben Jahrhundert. Warum kommt es immer noch zu Konflikten?

Vural Öger: Zunächst ist es wichtig zu differenzieren. Was mit den Flüchtlingen, die versuchten Lampedusa zu erreichen geschah, ist furchtbar und Europa muss sich der Debatte über einen menschlichen Umgang mit diesen oft politischen Flüchtlingen sicherlich stellen. In Deutschland ist die Konfliktlage, besonders in Bezug auf die türkische Bevölkerung, eher eine andere: Obwohl sie in Deutschland aufgenommen wurden und eine neue Heimat fanden, verursachen Migranten aus bildungsfernen Schichten oft Probleme. Sie entstammen oft einem bäuerlichen Hintergrund und unterscheiden sich von der deutschen Mentalität. Auf der anderen Seite haben viele Migranten sich als Unternehmer ein erfolgreiches Geschäft aufbauen können.

Wo ein Unternehmer her kommt, ist unwichtig?

Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, ob ich ein ausländischer Unternehmer bin – Migrant oder nicht Migrant – Öger Tours war eine deutsche Firma, die in Deutschland gegründet wurde und dem deutschen Recht unterlag. Für die Behörden spielt es keine Rolle, woher man kommt. Hauptsache, man befolgt die Gesetze und zahlt Steuern.

Also alles gut?
Es wird immer Leute geben, die Menschen mit ausländischer Herkunft abwerten. Aber das ist auch heute schon die kleine Minderheit. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die meisten haben akzeptiert, dass viele Bürger einen nicht-deutschen Hintergrund haben. Und wenn sich auf der anderen Seite Ausländer an Gesetze halten, gibt es nichts zu bemängeln.

Werden ausländische Unternehmer besser behandelt als andere Ausländer?

Wenn jemand eine Wohnung bis 1000 Euro mieten möchte und sich am Telefon mit dem Namen Yilmaz meldet, hat er Probleme. Wenn die Wohnung 5000 Euro im Monat kostet, ist es völlig egal, wie jemand heißt. Im unteren sozialen Bereich haben es die Leute manchmal schwer, den Ressentiments zu entkommen. Das gilt sicher auch für kleinere Kioskhändler oder Dönerverkäufer.

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