Reiseportale im Check Tarifchaos und hohe Zusatzgebühren

Wer Online eine Reise bucht, muss immer stärker auf die Bedingungen achten, sonst wird es teuer. Vor allem, wenn sich Pläne ändern oder plötzlich Koffer mitgenommen werden müssen.

Reisekosten-Falle bei Online-Buchung Quelle: Getty Images

Der Koffer stammt aus der alten Reisewelt. In der neuen kommen oft nur noch Handgepäck-Trolleys kostenlos in den Flieger. Pech für eine vierköpfige Familie, die mit zwei großen Koffern am Frankfurter Flughafen anrollte. Ihre Freude auf die London-Reise war am British Airways-Schalter schnell verflogen. 144 Euro musste sie für die zwei Koffer bezahlen, die sie einchecken wollte – obwohl die allgemeinen Gepäckgrenzen von 20 Kilo je Koffer eingehalten wurden.

Für den Rückflug wäre dieser Betrag erneut fällig, wie ihnen die Stewardess am Check-In-Schalter süffisant mitteilte. „Ob man denn nicht wisse, dass schon seit zwei Jahren bei einer Buchung über Expedia.de Koffer extra berechnet würden – jeweils mit 72 Euro?“ Dies werde doch bei der Onlinebuchung in einer Tabelle deutlich dargestellt.

Die Abzock-Tricks der Airlines
Gepäck für Kleinkinder: Kleinkinder unter zwei Jahren benötigen kein eigenes Ticket, da sie auf dem Schoß der Eltern mitfliegen. Bei einigen Fluggesellschaften haben Kleinkinder dennoch ein Freigepäck von zehn Kilogramm. Bei anderen Airlines müssen die Eltern ein zweites Gepäckstück aufgeben - z. B. für 70 Euro pro Strecke bei Air France. Quelle: dpa
Gepäckaufgabe am Flughafen: Während ein im Voraus gebuchtes Gepäckstück in der Regel zwischen sechs und 35 Euro kostet, schlagen die Airlines bei erst am Flughafen eingechecktem Gepäck richtig zu. Das erste Gepäckstück am Flughafen kostet z. B. bei Air Berlin im Billigtarif "JustFly" 70 Euro pro Strecke und damit fast das Fünffache mehr als bei Onlinebuchung (15 Euro pro Strecke). Quelle: obs
Handgepäckmaße: Im Zuge der Gepäckgebühren haben einige Fluggesellschaften wie z. B. KLM oder Air France ihre zulässigen Handgepäcksgrößen verkleinert. Kunden, die sich nicht vorher informieren, zahlen im schlechtesten Fall 60 Euro nach und müssen das Handgepäck aufgeben. Auch Air Berlin hat die Handgepäckregeln verschärft: Jedes Handgepäckstück muss beim Check-in-Schalter gewogen und mit einem JustFly-Handgepäcklabel versehen werden. Wer es vergisst, riskiert, nicht mitgenommen zu werden. Quelle: dpa
Extragebühren bei Umsteigeverbindungen: Die Billigairline Vueling verlangt von ihren Kunden nicht nur pro Strecke Gepäckgebühren, sondern sogar pro Teilstrecke bei Umsteigeverbindungen. Für die Hin- und Rückflug Berlin-Barcelona zahlt ein Kunde 26 Euro (13 Euro pro Flug) für sein Gepäck. Bei gleicher Strecke mit Umstieg in Madrid zahlt er 56 Euro (14 Euro pro Teilstrecke). Quelle: dapd
Wie Flugtickets teurer werdenNot macht erfinderisch. Das beweisen insbesondere die Fluglinien. Hohe Treibstoffkosten, der harte Konkurrenzkampf sowie immer weiter steigende Gebühren für Flughäfen und Flugsicherheit schmälern das Geschäft. Um den Profit zu steigern, langen viele Fluglinien versteckt hin. Sie erheben Zusatzgebühren oder bieten bisherige Gratis-Leistungen gegen Bares an. Im vergangenen Jahr nahmen allein die US-Fluggesellschaften dank Zusatzgebühren rund 2,4 Milliarden Euro ein. Das sind 26 Prozent mehr als noch 2009. Mit diesen Tricks zocken Airlines in Deutschland ihre Passagiere ab. Quelle: dpa/dpaweb
SitzplatzreservierungLufthansa-Passagiere mit einem Billigticket für die Economy-Class können sich künftig gegen Bezahlung einen Sitzplatz im Voraus sichern. „Wir führen eine Sitzplatzreservierung gegen Entgelt für die Economy-Tarife ein, die heute nicht dazu berechtigt sind“, sagte der Vertriebsvorstand der Lufthansa Passage, Jens Bischof. Wie tief Kunden der niedrigsten Tarifgruppen, die sich vor der offiziellen Check-in-Zeit einen bestimmten Sitzplatz sichern wollen, dafür in die Tasche greifen müssen, steht noch nicht fest. Bischof kündigte Preise „im Marktumfeld“ an. Die bewegen sich dem Magazin zufolge auf Europa-Strecken um die zehn Euro, für Langstreckenflüge könnten es auch schon mal 40 Euro sein. Das Angebot soll noch in diesem Jahr eingeführt werden. Die Sitzplatzreservierung soll zunächst nur via Reisebüro und im zweiten Schritt auch online buchbar werden. Quelle: dpa
Gebühren für Gepäckstücke Quelle: REUTERS

Die Buchung lag Monate zurück. Da die Familie keinen Billigflieger gebucht hatte, wähnte sie sich in Sicherheit. Bei Fluggesellschaften wie British Airways rechnen die wenigsten mit einer derart hohen Koffergebühr. Solche Extra-Kosten sind eigentlich von sogenannten Billigfliegern wie Ryanair oder Norwegian bekannt. Umso mehr zeigt das Beispiel, dass Fluggäste bei der Buchung einer Reise extrem aufmerksam sein müssen, um nicht in eine Kostenfalle zu tappen.

Prominente Werbung

Das gilt insbesondere bei der Buchung über Online-Portale wie Expedia, Nix-wie-weg.de oder fluege.de. Diese locken zwar mit günstigen Preisen und prominenten Werbepartnern (Reiner Calmund, Michael Ballack), sind aber oft nicht so transparent wie nötig.

Rechtlich scheint die Situation nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für einen Billigflieger geklärt zu sein. Reiseanbieter und Fluggesellschaften müssen allerdings transparent auf die Zusatzkosten hinweisen. Passiert das? Die Familie hat daran ihre Zweifel.

Vor der Reise gab es zwar viele Mails von Expedia.de und auch den Hinweis, man möge die Gepäckrichtlinien der Fluggesellschaft ansehen. „Die Fluglinie kann für Aufgabegepäck oder andere optionale Leistungen Zusatzgebühren erheben“, heißt es dort.

Für die Kundin war die unspezifische Mitteilung keine Hilfe, sie hätte sich einen konkreteren Hinweis gewünscht. Sie wurde auch nicht stutzig, als British Airways auf üppige Handgepäck-Freigrenzen hinwies. 23 Kilo könnten die Fluggäste dort in einen für Handgepäck zugelassenen Trolley packen und über den Köpfen anderer Fluggäste in den Handgepäckablagen verstauen. Da werde ja wohl ein normaler Koffer kein Problem sein? Das Gewicht des Koffers der Familie lag sogar unter dem zugelassenen Handgepäcksmaß, er sollte aber eben aufgegeben werden.

Nur zufällig erfuhr die Familie, dass sie die Koffer zumindest bei der Rückreise auch Online einchecken könnten und dann nur jeweils 22 Euro zahlen müssen, statt 72 Euro.

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