WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Reisetrends Geschäftsreisen ja, aber bitte günstig

Die Zahl der Geschäftsreisen steigt, 2011 haben die Ausgaben dafür fast das Niveau des Rekordjahrs 2008 erreicht. Der Trend dürfte sich auch 2012 fortsetzen: Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass mehr gereist wird und die Ausgaben steigen.

Europas Reise-Riesen im Rausch
Nach schwierigen Jahren hat die Touristik-Branche nicht zuletzt in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig zugelegt. Die Deutschen sind und bleiben nun mal Reiseweltmeister. Die 64 größten Veranstalter verkauften hierzulande über 30 Millionen Reisen. Das sind fünf Prozent mehr als im Krisenjahr, weil Veranstalter und Hoteliers die zuvor erlahmte Reiselust mit Drehungen an der Preisschraube stimulierten. Quelle: ap
Steffi und Lisa am Strand von Ahlbeck auf der Insel Usedom: Deutschland ist und bleibt Reiseland Nummer eins. Dann folgt Spanien, der größte Gewinner war 2010 die Türkei mit einem Plus von neun Prozent. Es folgen die größten Reiseveranstalter Europas … Quelle: dpa
Tui TravelEuropas größter Reiseveranstalter Tui musste wegen der Auseinandersetzungen in Ägypten und Tunesien einen Verlust von 80 Millionen Euro einbüßen. Trotzdem hat Tui im abgelaufenen Jahr in seiner Touristiksparte profitiert. Insgesamt stieg der Umsatz im September beendeten Geschäftsjahr 2010/11 um 7 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Tui TravelAber bei den Beschäftigten der Tui geht seit spätestens Anfang Februar die Angst um: Denn hier kündigte der Reisekonzern an, seine Gewinne im Touristik-Geschäft in Deutschland mit einem Wachstums- und Sparprogramm steigern zu wollen. Ansonsten will Tui – ähnlich wie Konkurrent Thomas Cook – vor allem bei Pauschalreisen nicht mehr (nur) über den Preis Kunden gewinnen, sondern durch die Exklusivität der Hotels. Quelle: gms
Thomas CookÄhnlich sieht es auch Thomas Cook, Europas Nummer zwei der Reiseveranstalter. „Einfach nur noch Flug und ein x-beliebieges Hotel zusammenzupacken, das funktioniert nicht mehr“, sagt Michael Tenzer, Geschäftsführer Touristik bei Thomas Cook dem Handelsblatt. Gerade die anspruchsvollen, reiseerfahrenen Gäste haben einen klaren Hang zur Marke. Quelle: dpa
Thomas CookThomas Cook hat 2010 in Deutschland 6,6 Millionen Menschen auf die Reise geschickt. Der Umsatz lag hierzulande bei 2,85 Milliarden Euro. Das bedeutet für den deutschen Markt nur Rang drei hinter Rewe Touristik. In Europa ist Thomas Cook aber mit einem Umsatz von 10,2 Milliarden Euro deutlich größer als Rewe. Quelle: dpa
ReweIn Europa die Nummer drei – aber in Deutschland konnte Rewe Touristik den Konkurrenten Thomas Cook erstmals überholen - ganz zur Freude von Rewe-Chef Alain Caparros. Der Marktanteil liegt bei 14 Prozent, der von Thomas Cook beträgt 13,4 Prozent. Das gelang Rewe nicht zuletzt wegen ihrer erfolgreichen "Baustein"-Tochter Dertour, die individuelle Reisen statt der Pauschalpakete für den klassischen Urlauber vermarktet. 6,6 Millionen Menschen hat die Gruppe 2010 in Deutschland befördert bei einem Umsatz von 3,0 Milliarden Euro. Quelle: ap

Die Bemerkung fiel eher beiläufig: „Die Unternehmensberater in Deutschland müssen sich mehr und mehr auf technologieinduzierte Veränderungen im Klientenverhalten und in der Klientenkommunikation einstellen“, ergab die neue Studie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Was das heißt, erklärte BDU-Vize-Präsident Jörg Lennardt: „Viele Termine laufen nicht mehr Face-to-Face sondern über den Computer, vor allem, um Zeit und Reisekosten zu sparen.“

Videokonferenzen statt Dienstreisen

Was der Geschäftsführende Gesellschafter der ExperConsult-Gruppe in Dortmund für seine traditionell besonders reisefreudigen Berufskollegen feststellte, ist einer von zwei nur auf den ersten Blick widersprüchlichen Trends:

  • Zum einen verfügen immer mehr Unternehmen über die notwendige Infrastruktur für Video- und Telefonkonferenzen, so dass ein Teil der Termine, die früher mit einer Dienstreise verbunden waren, heute virtuell abgearbeitet wird.

  • Und dennoch – und das ist der Gegentrend – sind die Mitarbeiter deutscher Unternehmen per saldo wieder deutlich öfter unterwegs als in der Krise.

Der scheinbare Widerspruch klärt sich bei näherem Hinschauen: Während Routine-Termine und Reisen zwischen den einzelnen Niederlassungen der Unternehmen immer öfter durch Video-Konferenzen ersetzt werden, überwiegt bei Kundenbeziehungen nach wie vor der persönliche Kontakt.

Dienstreisen

Zahlreiche Ein-Tages-Reisen

Längst vergessen sind mittlerweile die Monate Ende 2008 und das Jahr 2009, als große Unternehmen wie SAP von heute auf morgen ein totales Reiseverbot verfügten und die Flugzeuge auch morgens und abends zu den Hauptverkehrszeiten halb leer blieben. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Dienstreisen erstmals wieder leicht über der von 2008, dem letzten Boomjahr vor der der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Für 2008 kam die jährlich durchgeführte Geschäftsreiseanalyse des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) auf gut 163 Millionen Geschäftsreisen und ein Ausgabenvolumen von 46,6 Milliarden Euro.

Die genauen Zahlen für das vergangene Jahr liegen zwar erst im Frühsommer vor, wenn die VDR-Geschäftsreiseanalyse 2012 vorgelegt wird, erste Highlights sind aber schon bekannt. So hat sich der Trend zu kürzeren Reisen fortgesetzt: Über die Hälfte der Dienstreisen waren 2011 Ein-Tages-Reisen – mit 53 Prozent war der Wert seit Beginn der VDR-Erhebung 2003 noch nie so hoch.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%