Reiseveranstalter Wem die GTI-Pleite nützt und wem sie schadet

Tag vier nach der Pleite des Düsseldorfer Türkei-Reiseveranstalters GTI. Tausende Urlauber sind betroffen, nicht immer zahlt die Versicherung. Eine Zwischenbilanz.

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter GTI und das Unternehmen Buchmal Reisen haben am Montag ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 5000 GTI-Urlauber im Ausland - ganz überwiegend in der Türkei - unterwegs. Seitdem seien täglich rund 500 Gäste an ihrem geplanten Abreisetag nach Hause geflogen, erklärte das Unternehmen. Quelle: dpa

Anfang der Woche stellte der Düsseldorfer Reiseveranstalter GTI, ein Unternehmen des türkischen Reisekonzerns Kayi Group, seine Geschäftstätigkeit ein, auch die zur gleichen Gruppe gehörenden Veranstalter Buchmal und die Fluggesellschaft Sky Airlines machten ihren Laden dicht. Ganz unerwartet kam das nicht: In der Reisebranche galt das Unternehmen, das überwiegend Sonnenziele in der Türkei anbietet, schon seit einigen Monaten als unsicherer Kandidat, weil etliche Hotels keine GTI-Gäste mehr akzeptieren wollten.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´:
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen:
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies:

Auch bei vielen Reisebüros soll GTI wegen ausstehender Provisionszahlungen in der Kreide stehen. Einige Agenturen – rückschauend betrachtet die Cleveren – rieten ihren Kunden darum schon seit längerem ab, wenn die sich für eine Reise aus den roten GTI-Katalogen interessierten und empfahlen statt dessen andere Veranstalter. Andere Reisebüros machten weiter wie bisher.

Wie viele Urlauber derzeit mit GTI unterwegs sind und wie viele in den kommenden Wochen und Monaten noch einen schon gebuchten Urlaub antreten wollen, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Von insgesamt 72.000 geht die deutschsprachige „Türkei-Zeitung“ aus, Branchenvertreter halten die Zahl aber für übertrieben. Als realistisch gilt, dass rund 5000 deutsche GTI-Urlauber derzeit noch unterwegs sein, rund die Hälfte davon sollten mit Sky zurück in die Heimat geflogen werden.  

Soweit die Fakten.

Die Folgen für die GTI-Kunden wie für die Reisebranche lassen sich inzwischen einigermaßen verlässlich einschätzen. So dürften für die GTI-Kunden keine größeren Probleme entstehen. Als deutscher Reiseveranstalter ist GTI dem deutschen Reiserecht unterworfen, das Pauschaltouristen ein im internationalen Vergleich hohes Maß an Sicherheit verschafft. Alle Veranstalter sind nämlich verpflichtet, für ihre Reisenden Versicherungen abzuschließen, die im Insolvenzfall dafür sorgen, dass niemand einen Schaden hat.

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