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Rennstrecke Robertino Wild will mit dem Nürburgring durchstarten

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Wunschkandidat der Landesregierung

Die größten Investitionsruinen Deutschlands
Flughafen ZweibrückenNach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren, das er im vergangenen Jahr nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro drückte. Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Maschine der Lufthansa überquert die Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle Quelle: Uwe Schoßig
Freizeitpark am Nürburgring Quelle: dpa
Ein Transrapid TR 09 steht auf der Teststrecke im Emsland Quelle: dpa
Menschen verspeisen Kaffee und Kuchen im Reaktorhauptgebaeude des Kernkraftwerkes Kalkar Quelle: AP
Aussenansicht der Halle des Tropical Islands Resorts Quelle: dpa/dpaweb
Passanten vor dem Dortmunder U-Turm Quelle: PR

Derweil versucht Wild, die Sympathie der Bewohner rund um den Nürburgring zu gewinnen. „Die Menschen in der Eifel haben mich noch nie enttäuscht. Ich habe nicht nur Verantwortung für die unmittelbaren Mitarbeiter der Nürburgring GmbH, sondern auch für die Menschen, die am und vom Nürburgring leben“, sagt der Unternehmer. Er will einen Beirat einrichten, in dem sich Vertreter der Kommunen und der regionalen Wirtschaft einbringen. Außerdem will er auf einer Betriebsversammlung am Montag am Ring ankündigen, nur ganz wenige Mitarbeiter freizustellen: „Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir auch die Leute dafür.“

Wohl auch wegen solcher Sätze ist Wild zum Wunschkandidaten der Landesregierung für den Nürburgring geworden – auch wenn das niemand in Mainz offen ausspricht. Offiziell betont die Staatskanzlei stets, sich aus dem Verkaufsverfahren herausgehalten zu haben. Allerdings hatte sie kein Problem damit, dass ihre Beihilferechtsanwältin Martina Maier von der Kanzlei McDermott, Will & Emery die Seiten wechselte und Capricorn bei seinem Angebot beihilferechtlich beriet.

Wenn der Zuschlag vor der EU-Kommission hält, hat Wild hochfliegende Pläne. Die Achterbahn „Ring Racer“ will er an einen Freizeitpark an der Mosel verschenken, das Partydorf „Grüne Hölle“ mit einem Hotel, Restaurants und Disco abreißen. An dieser Stelle soll ein neues Gewerbegebiet ähnlich wie in Meuspath entstehen, wo die Rennteams großer Autohersteller wie Audi und Aston Martin Stützpunkte haben und der Platz allmählich knapp wird. „Rennstrecken ziehen Autos an, und sie ziehen diejenigen an, die Autos bauen“, sagt Wild, der auf die Ansiedlung weiterer Autohersteller und -zulieferer hofft.

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    Auch wissenschaftliche Einrichtungen will er an den Ring holen, im Gespräch ist er unter anderem mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und dem Fraunhofer-Institut. Die Formel 1 will Wild am liebsten behalten, aber nicht um jeden Preis: „Das machen wir nur, wenn es sich auch rechnet.“ Dazu will er, so sein Versprechen, in den nächsten fünf Jahren andere Unternehmen motivieren, wenigstens 25 Millionen Euro in den Technologiecluster am Ring zu investieren.

    Und wenn er scheitert? Seine Mamma zumindest macht sich keine großen Sorgen. Obwohl 72 Jahre alt, steht Graziella Wild immer noch sieben Tage die Woche im Lido am Kaiserswerther Marktplatz und verkauft Eis für einen Euro die Kugel. „Ja, ja“, sagt sie, dass ihr Robertino eine Rennstrecke gekauft habe, sei schon eine verrückte Sache. „Aber der Junge schafft das schon. Wenn er es sich nicht zutrauen würde, hätte er es nicht gemacht.“

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