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Reportage Was Uber-Fahrer in Düsseldorf erleben

Wie es sich als Uber-Fahrer in Düsseldorf fährt

Der Fahrdienst Uber erschließt sich nach und nach die deutschen Städte, sehr zum Missfallen der Taxifahrer. Zwei Uber-Fahrer aus Düsseldorf erzählen, wie hart der Konkurrenzkampf auf der Straße ausgetragen wird.

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Er hat stets ein ungutes Gefühl, wenn er in den Flughafen einbiegt. „Nur Ärger gibt es mit diesen Taxifahrern. Sie hupen, blockieren den Weg und schreien provozierend, ob wir nicht Autofahren können.“ Aufgebracht erzählt Ertan, wie sehr ihn die Situation mit den Taxifahrern beschäftigt. Ertan ist Angestellter einer Mietwagenfirma, Mitte fünfzig und seit zwei Monaten Fahrer für Uber. Davor war er in Emmerich an der niederländischen Grenze Taxifahrer.

Ertan erzählt über die Einschüchterungen, die er immer häufiger von Taxifahrern erfährt. Für die Taxifahrer sind die ungeliebten Konkurrenten leicht zu erkennen, weil allen bekannt ist, dass die Uber-Fahrer von den Mietwagenfirmen ein bestimmtes Toyota-Modell erhalten.

Taxifahrer wehren sich weltweit gegen Uber

Rund um den Globus werden Fahrer des amerikanischen Unternehmens von Taxifahrern angefeindet. In Städten wie Istanbul wurden Uber-Fahrer auf der Straße angegriffen und in Hinterhalte geführt. Die Taxifahrer kritisierten, dass Uber-Fahrer die hohen Gebühren umgehen könnten. Seit Mitte letzten Jahres ist deswegen der US-Fahrdienst in der ganzen Türkei verboten.

So schlimm wie in Istanbul ist es in Düsseldorf nicht. Von tätlichen Angriffen weiß Xerdan nichts, er ist ebenfalls Uber-Fahrer in der Landeshauptstadt. Doch mit Beschimpfungen muss auch er immer wieder umgehen. Er habe erst gerade Freunde an den Bahnhof gefahren, nicht als Uber-Fahrer, sondern als Privatperson. Die Taxifahrer hätten sogleich Fotos gemacht und ihm zugerufen, dass er dort nicht parken dürfe. Wieso man ihn erkannt hat? Auch er fährt einen Toyota. Ein anderes Mal hätte er jemanden von der Düsseldorfer Messe abgeholt, ein Taxifahrer wäre fast in ihn reingefahren. Xerdan zeigt auf den Kratzer im Fenster. Dass sei ihm letzte Woche passiert und garantiert kein Zufall. Autos von Freunden, welche ebenfalls Uber-Fahrer sind, seien regelmäßig zerkratzt. Fast schon belustigt meint er: „Privatleute mit Toyotas müssen sich in Acht nehmen, sonst werden ihre Autos auch noch zerkratzt.“

In Deutschland könnte der Fahrdienstmarkt liberalisiert werden

Letzte Woche gab es in ganz Deutschland Demonstrationen von Taxifahrern gegen die Liberalisierung des Fahrdienstmarktes. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant, dass wesentliche Auflagen für neue Mobilitätsdienstleister gestrichen werden sollten. Das würde bedeuten, dass die Auflagen für Mietwagenfirmen wegfallen und Fahrer von Fahrtvermittlern wie Uber nicht mehr zu ihrer Zentrale zurückkehren müssen. Damit dürften sie – wie früher nur Taxifahrer – an den Straßen auf ihre Kunden warten. Taxifahrer fürchten bereits heute um ihre Jobs, da Uber mit günstigeren Preisen den Markt untergräbt. Gegen weitere Vorteile für konkurrierende Anbieter wie Uber wehren sich die klassischen Taxidienste daher vehement.

Für die Uber-Fahrer wäre die Auflösung der Rückfahrregelung durchaus positiv. Xerdan erzählt, wie oft Kunden die Fahrt stornieren, wenn die Uber-Fahrer im Stau stehen und etwas länger zum Abholort brauchen. Dann müssten sie wieder ohne Einnahmen zur Zentrale zurückkehren. Unangenehm wird es, wenn Taxi-Fahrer sie verfolgen und kontrollieren, ob sie tatsächlich wieder zu ihrer Zentrale fahren. „Wer gibt ihnen das Recht uns zu verfolgen? Dafür gibt es Kontrollen in Deutschland“, fragt Xerdan aufgebracht.

Nach den Demonstrationen vergangene Woche und wegen des Widerstands aus der Union will Verkehrsminister Scheuer zuerst eine Bund-Länder-Kommission einrichten und nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Die Frage nach der Marktliberalisierung des Fahrdienstmarktes ist damit vertagt.

Investition in die Zukunft des Fahrdienstes

Uber hat am 1. Oktober 2018 seinen Dienst in Düsseldorf gestartet. Nach Berlin und München war es der dritte Standort – seit Ende Dezember ist Uber auch in Frankfurt am Main und vergangene Woche startete Uber seine Dienste in Köln und Bonn. Da es in Deutschland verboten ist, dass Privatleute ohne Personenförderungsschein als Fahrer eingesetzt werden, arbeitet Uber mit Mietwagenunternehmen zusammen. Die Fahrgäste werden somit nicht von Uber selbst, sondern von einem Mietwagen mit Fahrer befördert. Daher positioniert sich Uber nur als Fahrtenvermittler.

Die Preise bei Uber seien so günstig, da die Auslastung bei Uber-Fahrzeugen viel höher sei als bei Taxifahrern, sagte der deutsche Uber-Chef Christoph Weigler dem Nachrichtensender n-tv. Attraktiv für Kunden ist außerdem, dass das Unternehmen mit Festtarifen arbeitet. Der Preis ist bereits vor der Abfahrt fix, egal wie lange die Fahrt durch Staus oder Umwege letztlich dauert. Zu beachten ist: Je nach Nachfrage können die Preise von Uber-Fahrten variieren.

Für seinen Chef, Besitzer eines Mietwagenunternehmens, zahle es sich momentan überhaupt nicht aus, meint Ertan. Er selbst habe an diesem Tag elf Fahrten gemacht, aber kaum 100 Euro eingenommen. Wenn ein Kunde ein Uber möchte, sei es auch für nur einen Kilometer, garantiert Uber diese Fahrt. Die Fahrer können einen Kunden zwar weitergeben, aber ein Fahrer ist in der Regel immer verfügbar, um den Fahrgast an das gewünschte Ziel zu bringen.

Und so muss sein Chef ihm mit den geringen Einnahmen einen fixen Stundenlohn bezahlen und 25 Prozent als Servicegebühr an Uber abgeben. Ertan glaubt, sein Chef sehe dies als Investitionen in die Zukunft. Er habe von anderen Städten, in Indien und Südafrika gehört, wo Uber große Marktanteile besitzt. Tatsächlich teilen sich in Indien mit Ola Cabs und Uber zwei Fahrdienstleister den Markt auf. In südafrikanischen Städten kämpft Uber gegen das estnische Unternehmen Bolt (früher Taxify) um die Marktherrschaft.

In Deutschland ist der Marktanteil momentan noch ziemlich überschaubar. Viele Kunden von Ertan buchen Uber zum ersten Mal und sind bis dahin kritisch eingestellt. Sie seien unsicher, ob mit dem Zahlungsvorgehen über Paypal alles richtig abläuft. Doch Xerdan ist der Meinung, immer mehr Kunde würden auf Uber umsteigen, da eine hohe Sicherheit gewährleistet sei. Durch den Dienst von Uber sind der Name des Fahrers und seine bisherigen Bewertungen bekannt. Zudem kann, wenn etwas bei einer Fahrt vergessen wurde, mit Uber und dem Fahrer in Kontakt getreten werden.

Besser Demonstrationen als Gewalt gegen Uber

Und was hält Ertan von der Demonstration der Taxifahrer letzten Mittwoch? Eigentlich habe er es nicht einmal mitgekriegt, sein Sohn hätte es ihm erzählt. Gegen Demonstration habe er nichts einzuwenden: „Uber und andere Plattformen werden in den nächsten Jahren nur noch günstiger. In zehn Jahren werden Roboter die Kunden fahren und in noch einmal zehn Jahren gibt es gar keine Taxifahrer mehr. Da muss man sich immer wieder anpassen. Viele meiner Uber-Freunde waren ursprünglich auch einmal Taxifahrer.“

Auch Xerdan hat kein Problem mit den Demonstrationen – lieber sollten sie auf die Straße gehen, als Uber-Fahrer zu bedrohen. Vor seiner Zeit in Düsseldorf habe er zwei Jahre lang in Großbritannien gearbeitet. Dort sei es nie zu Konflikten zwischen Taxi- und Uber-Fahrern gekommen, sondern das Gericht sei gegen Uber vorgegangen. Wenn die Taxifahrer demonstrieren möchten, sollen sie das seiner Meinung nach tun und so auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Komme die deutsche Regierung danach zu dem Schluss, dass sie Uber sanktionieren müsse, wäre das für Xerdan nachvollziehbar. Doch durch Einschüchterungen und Provokationen sollte dieser Konflikt nicht gelöst werden.

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