Rhön-Klinik-Übernahme Der Coup seines Lebens – Rhön-Gründer Münch düpiert Widersacher

Anfechtungsklagen, Strafanzeigen, Drohungen, Vorwürfe – monatelang lieferte sich Rhön-Klinik-Gründer Eugen Münch mit zwei prominenten Aktionären einen Kampf um die Macht. Jetzt hat sich der knorrige Patriarch mit einem überraschenden Manöver durchgesetzt.

Foto von Eugen Münch, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön-Klinikumg-AG.

Alle drei haben sie Großes geleistet. Eugen Münch baute in den Siebzigerjahren die erste private deutsche Krankenhaus-Kette Rhön-Klinikum auf. Jahre später schuf der Selfmade-Unternehmer Bernard grosse Broermann die Asklepios-Kliniken. Und der Familienunternehmer Ludwig Georg Braun hat den Medizintechnikkonzern B. Braun zu einem Weltkonzern ausgebaut. Nur die Interessen der drei Erfolgsunternehmer, alle Ende 60, waren diametral entgegengesetzt:  Münch wollte die Rhön-Kliniken an Helios, die Klinikkette des Dax-Konzerns Fresenius verkaufen, damit er sein Lebenswerk in guten Händen weiß.

Broermann und Braun, die beide Anteile an Rhön halten, wollten genau das verhindern, weil sie gewichtige Nachteile für ihre Unternehmen befürchten Gemeinsam hatten beide im vergangenen Jahr die Rhön-Übernahme durch Fresenius verhindert. Daraufhin hatten sich die drei Krawallbrüder in den vergangenen Monaten mit nahezu allen juristischen Mitteln bekriegt.

In dem Kampf gibt es nun einen klaren Sieger – Rhön-Gründer Münch. Mit einem überraschenden Manöver zeigte der hartnäckige Fighter den Konkurrenten, was eine Harke ist. Heute nacht,  um 0.52 Uhr, gab Fresenius bekannt, dass es einen Großteil der Rhön-Kliniken übernimmt, insgesamt 43 Kliniken und 15 Medizinische Versorgungszentren. Fresenius/Helios steigt damit mit einem Umsatz von 5,5 Milliarden Euro ganz klar zum größten deutschen Klinikkonzern auf. Da es sich nicht um eine Komplettübernahme handelt, müssen die Rhön-Aktionäre – eben auch Broermann und Braun -  nicht mehr gefragt werden. Rhön-Vorstandschef Martin Siebert erklärte heute Vormittag, die Transaktion sei rechtssicher und von den Anwälten mehrfach geprüft worden. Broermann und Braun nannte er „kontraproduktive Ankeraktionäre“. Rhön-Gründer Münch, der gleichzeitig den Aufsichtsrat führt, hat seine Widersacher düpiert. Chapeau, kann man da nur sagen.

Insgesamt zahlt Fresenius für den Deal drei Milliarden Euro an Rhön. Davon sollen, wie Siebert erklärte, 1,9 Milliarden Euro den Aktionären zugute kommen und zur nächsten Hauptversammlung ausgeschüttet werden. Das entspricht dann 13,80 Euro pro Aktie – auch die Aktionäre Braun und Broermann würden davon profitieren. An der Börse kam der Deal gut an: Sowohl die Aktien von Rhön als auch von Fresenius zogen deutlich an.

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