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Rhön-Klinikum Die Krawallbrüder der Klinikszene

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Bernard Grosse Broermann: Der Anschleicher

Foto von Bernhard Broermann, Chef der Asklepios Kliniken GmbH Quelle: dpa/dpaweb

Der Typ: Broermann, 69, wuchs auf einem Bauernhof in Süd-Oldenburg auf. „Auf den Höfen herrscht eine unternehmerische Einstellung“, erzählte er einmal, „man muss für sich selbst sorgen können.“ Broermann wurde zwar kein Bauer, aber selbstständiger Unternehmer: Nach dem Studium von Jura und Betriebswirtschaft, unter anderem an den Elitehochschulen in Fontainebleau (Frankreich) und Harvard (USA), gründete der Überflieger eine Immobilienfirma und dann einen Finanzvertrieb.

1984, zehn Jahre nach Münch, entschied Broermann, Rhön anzugreifen, und gründete die Krankenhauskette Asklepios. Heute betreibt er 100 Kliniken, fast doppelt so viel wie Münch, setzt mit 2,9 Milliarden Euro allerdings ähnlich viel um wie Rhön. Während Münch hemdsärmelig daherkommt, tritt Broermann vornehm und zurückhaltend auf. Dem Mann von Welt gehört das Luxushotel Kempinski Falkenstein im Taunus (62 Zimmer, 22 Suiten). Broermann liebt es, im Stillen und Geheimen zu arbeiten: Sein Lieblingsmusical ist „Das Phantom der Oper“.

Sein Problem: Broermann fühlt sich missverstanden. Weil er 2012 den Zusammenschluss von Fresenius und Rhön torpedierte, sieht er sich in der Öffentlichkeit als Verhinderer und Bremser gebrandmarkt. Dabei gehe es ihm doch um den Erhalt marktwirtschaftlicher Strukturen, lässt er verbreiten. In Wirklichkeit hat Broermann aber wohl vor allem sein eigenes Unternehmen im Auge. Denn durch eine Verbindung von Rhön mit Fresenius würde ein Krankenhauskonzern mit riesiger Einkaufs- und Preismacht entstehen – und Asklepios deutlich ins Hintertreffen geraten.

Seine Finten: Geschätzte 150 Millionen Euro mobilisierte Broermann im vergangenen Frühjahr, um heimlich Rhön-Aktien zu kaufen. Mit seinem Paket von mehr als fünf Prozent verhinderte er so in letzter Minute die Übernahme von Rhön durch Fresenius. Zudem wollte der Asklepios-Gründer seinen Anteil noch auf über zehn Prozent aufstocken, was das Kartellamt im März auch genehmigte. Damit hätte Broermann Rhön dauerhaft blockieren können. Er schien am Ziel zu sein.

Warum er verliert: Weil Broermann die Auflagen, den Verkauf zweier Kliniken, nicht erfüllte, untersagte das Kartellamt Ende Juli die Aufstockung wieder. Auch die Asklepios-Klage gegen den Rhön-Beschluss könnte scheitern. Der Widerspruch soll erst nach der Hauptversammlung eingereicht worden sein.

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