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Rhön-Klinikum Die Krawallbrüder der Klinikszene

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Ludwig Georg Braun: Der Scheinheilige

Foto von Ludwig Georg Braun, Chef des Medizintechnikherstellers B. Braun Quelle: dpa

Der Typ: Als Vorstandschef ließ Ludwig Georg Braun seinen mehr als 40 000 Mitarbeitern jeden Arbeitstag um 12 Uhr einen geistlichen Spruch mailen. Der gelernte Bankkaufmann und Vater von fünf Kindern leitete von 1977 bis 2011 den Medizintechnikhersteller B.Braun im nordhessischen Melsungen. Heute führt der 69-Jährige den Aufsichtsrat der Familienfirma. Häufig zeigte er eine klare Kante. Als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages von 2001 bis 2009 forderte er von den Arbeitnehmern Nullrunden und riet den Unternehmern, Teile der Produktion nach Osteuropa zu verlagern. Dass Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ihn „unpatriotisch“ zieh, störte ihn nicht. Braun ist ein zäher Kämpfer; er läuft noch immer Marathon (Bestzeit: 3:15 Stunden).

Sein Problem: Brauns Familienfirma und Münchs Wunschpartner Fresenius sind direkte Wettbewerber. Beide beliefern Krankenhäuser etwa mit Kanülen und Spritzen. Beide erwirtschafteten vor gut zwei Jahrzehnten noch einen ähnlichen Umsatz, umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Seither hat Braun zwar auf fünf Milliarden Euro zugelegt, Konkurrent Fresenius dagegen auf 20 Milliarden. Das dürfte L.G. gewaltig wurmen. Die zwei Buchstaben stehen übrigens für Ludwig Georg und nicht, wie manche Mitarbeiter schmunzelnd meinen, für „Lieber Gott“.

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Seine Finten: Braun agiert wie Broermann im Verborgenen. Auch er kaufte 2012 heimlich Rhön-Aktien auf, um die Übernahme durch Fresenius zu verhindern. Anwalt Markus Linnerz von der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg, der Braun auf der diesjährigen Rhön-Hauptversammlung vertrat, wies sich nicht offen als Braun-Bevollmächtigter aus, sondern operierte als verdeckter „Legitimationsaktionär“. Sowohl Braun als auch Broermann haben die Beschlüsse des Aktionärstreffens angefochten. Die beiden haben noch eine Rechnung mit Münch offen: 2005 boten Asklepios und Braun für das Universitätsklinikum Gießen-Marburg, den Zuschlag erhielt jedoch Rhön.

Warum er verliert: Mit seinem Feldzug gegen Fresenius und Rhön hat Braun den eigenen Vertriebsleuten einen Bärendienst erwiesen: Die Fresenius-Kliniktochter Helios hat bereits angekündigt, demnächst Braun-Produkte weitgehend auszulisten. Rhön-Gründer Münch hat im Interview mit der WirtschaftsWoche (Heft 26/2013) bereits durchblicken lassen, auf die Lieferungen von Braun auch verzichten zu können.

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