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Roland Berger Der riskante Neustart der Beratungs-Ikone

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Bouée räumt bei Roland Berger auf

Der Gründer ist auch heute noch aktiv, er hat ein Büro in München, nutzt Dienstwagen und andere Annehmlichkeiten, aber seit 2010 ist er nur noch Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Seitdem hält er sich im Tagesgeschäft zurück und kümmert sich mehr um die von ihm ins Leben gerufene Stiftung. Im kommenden Jahr wird er 80, dann soll es eine große Feier zu seinen Ehren geben.

Seine Nachfolger profitieren von seinen Kontakten, sind aber um Distanz bemüht. Der Senior gehöre einer anderen Generation an. „Wir ehren ihn, wollen aber nicht in seinem Schatten stehen“, sagt Bouée und zitiert eine chinesische Redensart, die besagt, dass große Bäume nicht unter großen Bäumen heranwachsen können. „Wir pflegen sein unternehmerisches Vermächtnis am besten, wenn wir die Saat für die nächste Generation großer Bäume bereiten.“

Bouée über Roland Berger Quelle: REUTERS

Bouée selbst ist unter Berger ziemlich gut gediehen. „Er ist ein guter Verkäufer, er ähnelt Roland Berger sehr, der ihn schätzt und gewähren lässt“, sagt einer, der ihn seit den Anfangstagen kennt. Der Franzose, der auch an der US-Eliteuniversität Harvard studiert hat, kam vor 15 Jahren zur Beratung und profilierte sich vor allem über Auf- und Ausbau des Geschäfts in China, wo Roland Berger heute zu den größten Anbietern zählt.

Als Chef musste Bouée sich statt mit Wachstum und Welterklärung jedoch erst mal mit der Restrukturierung des Unternehmens befassen. Die Beratung hat ein Sparprogramm durchgezogen, Büros geschlossen, teure Standorte aufgegeben und sich von Hunderten Mitarbeitern getrennt. In den besten Zeiten hatte Berger weltweit rund 300 Partner, aktuell sind es 220. Und die werden knappgehalten: Boni sind in den vergangenen Jahren spärlich geflossen, mehr als eine halbe Million Euro Fixgehalt im Jahr bekommen auch die Besten kaum. Das ist ordentlich, aber Topberater bei den großen Konkurrenten kassieren ein Mehrfaches.

Immerhin haben sich die finanziellen Verhältnisse wieder stabilisiert. Der Gründer und einige Partner hatten 2010 mit einer Finanzspritze ausgeholfen, die sie sich mit Zinsen von acht Prozent pro Jahr fürstlich entlohnen ließen. Die Zinslast haben sie reduziert. Mit früheren Partnern, die ihren alten Arbeitgeber wegen ausstehender Ansprüche sogar verklagt hatten, herrscht Frieden.

Welche Rolle(n) Berater heute spielen

Die Krise hat die Beratung für Optimierung in eigener Sache genutzt. „Wir haben interne Grenzen abgebaut und die Abläufe vereinfacht“, sagt Deutschlandchef Schaible. Vor allem Mitarbeiter im Ausland hatten beklagt, dass sie von der Zentrale vor wichtigen Entscheidungen nicht eingebunden wurden. Das soll nun anders sein.

Um den Neustart ins rechte Licht zu rücken, hat sich die Beratung einen neuen Markenauftritt verpasst. Ein großes, silbriges „B“ prangt nun auf Visitenkarten und Präsentationen, es soll Solidität symbolisieren. Auch den Zusatz „Strategy Consultants“ hat das Unternehmen entfernt. Schlicht Roland Berger heißt die Firma, Bouée will zeigen, dass er mehr drauf hat als ausschließlich Strategieberatung.

Tatsächlich wagt sich Roland Berger in neue Geschäftsfelder vor, ist in die Kommunikationsberatung ebenso eingestiegen wie in die Standortsuche für Unternehmen. Der Erfolg ist durchaus fraglich, die Geschäftsfelder sind mit Spezialisten schließlich schon reichlich besetzt. Manche sehen hinter dem Aktionismus eine gewisse Ziellosigkeit. „Bouée wirft eine Handvoll Spaghetti an die Wand und schaut, welche kleben bleiben“, sagt ein früherer Topmann der Beratung.

Tatsächlich ist der Franzose eine schnell drehende Ideenmaschine, die überall Inspirationen aufsaugen und nutzbar machen will. Sein Buch über „Light Footprint Management“ basiert auch auf Strategien des US-Militärs, als Quelle für Ideen nennt er auch Science-Fiction-Filme, schließlich sei schon im ersten „Krieg der Sterne“-Film von 1977 eine Art iPad zu sehen gewesen.

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