Roland Koch Straßenbau-Investor kritisiert Bilfinger-Chef: „Wenig professionell"

Mit der Mitteilung, Bilfinger verkaufe die Straßenbau-Sparte, überraschte Bilfinger-Chef Roland Koch vergangene Woche nicht nur die Öffentlichkeit - sondern auch die Investoren. Die Altrisiken der Sparte bleiben bei Bilfinger.

Die größten Baukonzerne Europas
Bauarbeiter arbeiten auf einem Gerüst Quelle: AP
Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle des Konzerns Strabag Quelle: dpa
Platz 8: COLAS SADer französische Konzern hat sich auf Straßen- und Schienenbau spezialisiert. Der Name des Konzerns, für den 73.600 Menschen arbeiten, setzt sich aus den englischen Wörtern "cold" und "asphalt" zusammen. Umsatz 2012: 13 Milliarden Euro Quelle: dpa
Baukräne unter grauem Himmel Quelle: AP
Ein Bauarbeiter erhitzt auf einer Baustelle Rohre Quelle: APN
Bauarbeiter in einem neu gebauten U-Bahn-Schacht Quelle: dpa/dpaweb
Ein Arbeiter des Bauunternehmens Hochtief weist einen Container ein Quelle: dpa

Beim Verkauf der Bilfinger-Straßenbau-Sparte knirscht es gewaltig zwischen den Vertragspartnern. Roland Müller, einer der drei Investoren, rüffelt im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online die Kommunikation durch Bilfinger-Vorstandschef Roland Koch, der die Neuigkeit bei der Bekanntgabe der Bilfinger-Quartalszahlen in der vergangenen Woche öffentlich machte: „Wir wussten nicht, dass Bilfinger den Verkauf in diesem Rahmen bekannt gibt.“ Durch diese „wenig professionelle Äußerung“ Kochs sei die eigentlich beabsichtigte gemeinsame Presseerklärung des Unternehmens und der Investoren nun sinnlos.

Die Vorgeschichte: Koch hatte bei der Telefon-Pressekonferenz am 12. November zwar den Verkauf an die Betam GmbH in Frankfurt/Main verkündet, aber nicht erklären können, welche Investoren hinter dem völlig unbekannten Unternehmen Betam stecken, das Bilfinger als Käufer der defizitären 240-Mann-Sparte nannte. Koch wusste nur: „Die haben Know-how, und sie haben das Geld.“

Aber auch die Investoren selber klären das Dunkel um ihren Hintergrund nur teilweise auf. Hinter der Ende Oktober gegründeten Betam stecken neben dem Rheinland-Pfälzer Müller, 56, der Schweizer Firmensammler Hans-Dieter Fuchs und der frühere Haniel-Manager Werner Wilhelm. Keiner der drei hat Erfahrung im Straßenbau-Geschäft. Nun aber schmiedet das Investoren-Trio einen neuen Mittelständler ausgerechnet in der margenschwachen Straßenbau- Branche. Zu Betam gehört neben der Bochumer Bilfinger-Sparte die 170 Mann starke Eurovia-Niederlassung im sachsen-anhaltinischen Oebisfelde. Die hat Betam im Oktober von Eurovia, einer Tochter des französischen Vinci-Konzerns, übernommen.

Eine dritte Übernahme durch das Investoren-Trio gelang allerdings nicht. Von der niederländischen Heijmans-Gruppe wollten Fuchs, Müller und Wilhelm – ebenfalls in diesem Jahr - das Münsteraner das Straßenbauunternehmen Oevermann kaufen. Das Geschäft scheiterte aber laut Müller kurz vor Vertragsschluss. Die Investoren hatten eigens für diese Übernahme schon ein Unternehmen gegründet und „OEVMAC“ getauft. Weil der Oevermann-Deal platzte, benennen sie es nun in „Betam“ um. Betam steht laut Müller für „Beton,- Asphalt- und Makadambau“.

Haupt-Geldgeber in dem Trio ist angeblich der Schweizer Fuchs, laut Müller Anfang 60, der sein Vermögen bisher unter anderem in Medien und Internetplattformen investiert habe. Wilhelm, laut Müller Ende 60, war bis Mitte 1998 Geschäftsführer der Haniel Textile Service GmbH und managte in dieser Funktion das Berufskleidungsgeschäft des Familienkonzerns.

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Beim Verkauf der Straßenbausparte, die laut Bilfinger in diesem Jahr 15 Millionen Euro Verlust einfährt, agieren die Branchen-Neulinge in einem Punkt aber schon professionell: Betam hat laufende Baustellen wie den Bau der Fahrbahn im Eisenbahntunnel Cochem vom Kauf ausgeschlossen und lässt Bilfinger auf den Risiken sitzen. Müller: „Die angefangenen Baustellen von Bilfinger haben wir uns angeguckt und gesagt: Die wollen wir nicht. Wir wollten da keine Gewährleistungsarbeiten durchführen und haben kein Krebsgeschwür gekauft.“ Betam stelle im Bilfinger-Auftrag die Baustellen allerdings fertig. Bilfinger stellt dazu fest, im diesjährigen operativen Verlust der Straßenbau-Sparte seien „alle erkennbaren Risiken erfasst“.

Das Betam-Geschäftsmodell wird sich laut Müller von dem des Bilfinger-Konzerns „deutlich unterscheiden“. Zu den Fehlern, die zu den hohen Verlusten führten, zählt Müller Auslandsaufträge etwa in Skandinavien, Großbritannien und Osteuropa. An Bahn-Aufträgen ist Müller nicht interessiert, „weil die Bahn ihre Auftragnehmer unglaublich schlecht und zögerlich bezahlt“. Betam, so Müller, „wird sich auf Straßenbau und Flughäfen konzentrieren“. Als eine der ersten Eigen-Akquisitionen nennt Müller einen Auftrag der Bundeswehr auf dem Militärflughafen Nordholz in Niedersachsen.

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