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RTL International Direkter Draht zum Zuschauer gesucht

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Zuschauergebühren als Erlösquelle

Nicht ausgeschlossen, dass darin denn auch der tiefere Sinn der für die TV-Gruppe vergleichsweise preiswerten Übung steckt, die sich mit einer Investition im einstelligen Millionenbereich wohl nach spätestens drei Jahren rechnen soll: Zum einen kann RTL so seine Inhalte eine weiteres Mal verwerten. Zum anderen versucht der TV-Konzern damit – ähnlich wie er es mit seinen digitalen Spartenablegern RTL Crime und RTL Passion bereits macht – neben den nach wie vor dominanten Werbeerlösen Zuschauergebühren als weitere Erlösquelle anzuzapfen.

Denn auch für TV-Sender gilt es, angesichts sinkender Zuschauerzahlen tunlichst nach neuen Einnahmemöglichkeiten zu fahnden. Tatsächlich sackte RTL im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit Menschengedenken wieder unter einen Marktanteil von zehn Prozent bei allen Zuschauern. Noch spielt die werbungtreibende Wirtschaft weiter tapfer mit und steckt Milliarden in die TV-Werbung. Doch wie lange noch? Längst sind es nicht mehr nur die viel beschworenen Early Adopter, die sich ihr TV-Programm aus dem Angebot von Netflix oder ähnlichen Anbietern selber zusammenstellen.

RTL reagiert auf diesen sich abzeichnenden Wandel der Nutzungsgewohnheiten und investiert etwa in YouTube-Aggregatoren. Kennen in dem Fall jedoch nur YouTube und sein Mutterkonzern Alphabet die Nutzerdaten, dürfte es auch für die etablierten Sender ein Ziel sein, einen möglichst direkten Draht zum Endverbraucher herzustellen – einen wie den, über den der Konkurrent Netflix längst schon verfügt, bis hin zur Kontoverbindung. Empfängt der künftige RTL International-Kunde das Programm via App oder über die Webseite, beschert das RTL nun ebenfalls einen direkten Kontakt zum Verbraucher. Ansonsten kassiert RTL abhängig von der Nutzung des Angebots oder dem Vertrag mit dem Verbreiter einen Anteil an den Pay-TV-Gebühren des Anbieters.

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Ob dabei mehr reinkommt als Kleingeld, wird sich indes noch zeigen müssen. Zum Vergleich: Wer heute in Deutschland bei RTL via Satellit die Programme in HD-Qualität empfangen will, wird mit 60 Euro im Jahr zur Kasse gebeten. Und geht es nach RTL, soll die sich verändernde Technik dem Konzern weitere neue Einnahmequellen erschließen: Schon bald soll schließlich hierzulande der neue Standard DVB-T2 das bisherige digitale Antennenfernsehen DVB-T ersetzen. Im Mai 2016 startet die Pilotphase; Ende März 2017 soll es in den Ballungsräumen losgehen. Für Zuschauer von RTL und ProSieben, die nach der Umstellung weiter die Privatsender via Antenne verfolgen wollen, kommt dann eine Gebühr zu. Wie hoch die ausfallen soll, ist noch offen. Klar ist aber bereits: Wer nicht zahlen will, schaut bei den Privaten dann in die Röhre.

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