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Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien Airbus-Mitarbeiter unter Schmiergeld-Verdacht

Die britische Antikorruptionsbehörde lädt wegen eines Schmiergeld-Verdachts vier Airbus-Mitarbeiter zum Verhör. Es geht um den Verkauf von Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien. Eine Millionenstrafe könnte drohen.

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Kampfjet Eurofighter von Airbus: Den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern holt eine alte Affäre ein. Quelle: REUTERS

Von Aktentaschen voller Geldscheine ist die Rede, von teurem Schmuck und noblen Karossen. Solche Geschenke soll der heutige Airbus-Konzern saudi-arabischen Funktionären über Mittelsmänner gemacht haben, um an einen Milliardenauftrag zu kommen. Es ist ein Verdacht, dem die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) seit längerem nachgeht – und der nun für mehrere Airbus-Mitarbeiter konkrete Folgen hat.

Wie Airbus am Mittwoch einräumte, habe die SFO vier frühere und derzeitige Mitarbeiter einer Airbus-Tochter zum Verhör geladen. Ein SFO-Sprecher sagte, es habe Festnahmen gegeben, ohne allerdings dabei den Namen Airbus zu nennen.

Den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern holt damit eine alte Affäre ein. Die SFO hatte vor fast zwei Jahren Ermittlungen aufgenommen wegen des Verdachts, die damalige Airbus-Mutter EADS habe Vertreter Saudi-Arabiens bestochen, um einen 3,3 Milliarden Dollar schweren Auftrag zu ergattern. Konkret soll es um die Airbus-Tochtergesellschaft GPT Special Project Management gehen. Nach Informationen der „Financial Times“ hat die SFO zwei Beschäftigte dieser Gesellschaft verhört. Die Sparte beliefert die saudische Nationalgarde mit Kommunikations- und Intranet-Diensten. Die beiden anderen Verhörten seien ehemalige Airbus-Angestellte.

Qantas-A380 landet außerplanmäßig
Dezember 2014Der Ausfall der Bord-Klimaanlage hat einen A380-Piloten in Australien zu einer außerplanmäßigen Landung gezwungen. Die Maschine landete am Montag in Perth ohne Zwischenfälle, wie die Fluggesellschaft Qantas mitteilte. Die Passagiere seien wohlauf. Wie viele Menschen an Bord waren, war zunächst unklar. Der Airbus war den Angaben zufolge auf dem Weg von Dubai nach Sydney, als in 12.000 Metern Höhe die Klimaanlage ausfiel. Der Pilot brachte die Maschine auf 3000 Meter Höhe, ließ vor der Küste über dem Indischen Ozean Benzin ab und landete auf dem Flughafen Perth. Quelle: REUTERS
Juni 2014Airbus geht nach einem Druckabfall bei seinem Flaggschiff A380 Umbauten an den Türen des weltgrößten Passagierjets an. „Etwa zehn Prozent der Türen müssen modifiziert werden“, sagte ein Airbus-Sprecher. Einem Bericht des NDR zufolge sollen sich bereits mehrere Fluggesellschaften bei Airbus über das Problem mit den Türen beklagt haben. „Sie vibrieren, machen Geräusche“, zitiert das Magazin aus einem internen Bericht. Laut Airbus gibt es dabei allerdings kein Sicherheitsproblem. Bei dem Umbau gehe es um den Übergang zwischen Tür, Dichtung und Rahmen. Dadurch soll die Tür besser im Rahmen sitzen. Eine technische Lösung sei bereits entwickelt. Die Umbauten würden zusammen mit regulären Wartungsmaßnahmen umgesetzt, so dass die Maschinen nicht gesondert aus dem Betrieb gezogen werden müssten. Im Januar war ein A380 von Singapore Airlines nach einem Druckabfall in der Kabine mit fast 500 Menschen an Bord außerplanmäßig in Aserbaidschan gelandet. Es wurde niemand verletzt. Quelle: dpa
März 2014Airbus ordnet verstärkte Überprüfungen der Tragflächen des A380 an, weil bei Testflugzeugen eine überraschend frühe Altersschwäche des Materials entdeckt wurde. Die Überprüfungen müssen nun alle sechs statt alle zwölf Jahre durchgeführt werden. Quelle: REUTERS
November 2013Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat Airbus wegen seines A380 gerügt. An 70 der im vergangenen Jahr ausgelieferten Maschinen sind Risse am Rumpf aufgetaucht. Die EASA hat deshalb angeordnet, alle Großraumflugzeuge zu überprüfen. Allerdings müssen die Jets nicht sofort aus dem Verkehr gezogen werden, der Fehler sei nicht sicherheitsrelevant. Zudem gibt es bereits eine technische Lösung für das Problem. Quelle: AP
2012 hatte Airbus schon einmal Probleme mit Rissen am A380: feine Haarrisse an den Tragflächen zwangen den Hersteller dazu, die Produktion umzustellen. Zuvor mussten die Risse an den betroffenen Passagierfliegern für mehr als 100 Millionen Euro repariert werden. Darüber hinaus drohten Schadensersatzforderungen von den Fluggesellschaften für die Umsatzausfälle. Qatar Airways hatte wegen der Probleme die Abnahme der bestellten Maschinen verschoben. Quelle: dpa
Die EADS-Tochter Airbus will in diesem Jahr Bestellungen für 25 Exemplare der A380 hereinholen. Bis Ende September ist allerdings noch keine Bestellung für den A380 eingegangen, stattdessen gab es drei Stornierungen. Auch die Fluggesellschaft Air France-KLM zweifelt, ob sie die letzten zwei ihrer insgesamt zwölf bestellten Maschinen des Typs tatsächlich abnimmt. Möglicherweise werde sie die beiden Aufträge auf andere Modelle umschreiben lassen, sagte Air France-KLM-Chef Alexandre de Juniac. Quelle: REUTERS
Oktober 2013Anfang Oktober hat die Deutsche Lufthansa bekanntgegeben, ihre bestehenden Kaufoptionen auf drei A380 nicht zu ziehen. Allerdings hat Airbus seit Juni einen Vorvertrag mit dem Flugzeugfinanzierer Doric in petto, der in eine Bestellung von 20 Jets des Typs münden soll. Quelle: dpa

Die Bestechungsvorwürfe waren in einem Arbeitsgerichtsprozess eines ehemaligen GPT-Mitarbeiters gegen seinen Ex-Arbeitgeber aufgekommen. Der Mann, einst Oberstleutnant beim britischen Militär, hatte 2010 für die Airbus-Tochter in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gearbeitet und nach eigener Darstellung seinen Posten verloren, weil er Schmiergeldzahlungen seiner Firma infrage gestellt hatte. Das Geld, das an die saudi-arabischen Funktionäre floss, soll von Londoner Konten des Airbus-Konzerns, der damals noch EADS hieß, stammen.

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    Für Airbus und seinen deutschen Chef Thomas Enders sind die Vorwürfe äußerst heikel. Denn das Königreich ist mittlerweile einer der größten Exportkunden der Rüstungssparte. Wie gefährlich die Vorwürfe werden können, zeigt der Fall BAE Systems. Der britische Rüstungskonzern lieferte in den 1980er-Jahren Kampfflugzeuge und weitere Waffensysteme für insgesamt 46 Milliarden Euro an den Wüstenstaat. Den Auftrag hatte sich das Unternehmen angeblich mit Millionen an Schmiergeld erkauft.

    Außer der britischen Antikorruptionsbehörde SFO hatte sich auch das amerikanische Verteidigungsministerium eingeschaltet und eigene Ermittlungen aufgenommen. Nach jahrelangen Untersuchungen gab der Rüstungskonzern Anfang 2010 dann in diesen und anderen Fällen Unregelmäßigkeiten zu. Die Strafe fiel dennoch schmerzhaft aus: Die Bußgelder beliefen sich auf insgesamt 450 Millionen Dollar.

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