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Ryanair-Chef Michael O’Leary „Wir packen einfach unsere Flieger voll“

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"Wir reichen Beschwerden ein bei der EU und dem Kartellamt"

Warum freuen sie sich nicht über den Schrumpfkurs von Air Berlin? Immerhin gibt Ihnen das reichlich Platz, endlich auch in Deutschland zu expandieren.
Moment, wir sind bereits die Nummer zwei in Deutschland. Aber es stimmt, weil Air Berlin verschwindet, kommen zu uns ja auch immer mehr deutsche Flughäfen, die sich lange zu fein für uns waren. Sie sehen, dass sie sonst bald eine Art Lufthansa-Monopol an der Nase herumführt. Aber würden die Kartellbehörden den Wolf beim Namen nennen und stoppen, hätten wir mehr Platz und alle Deutschen niedrige Preise. Wir sind… 

... entrüstet? Jammern Sie eigentlich nur oder wehren Sie sich auch?
Wir jammern nicht. Wir reichen Beschwerden ein bei der EU und dem Kartellamt. Aber die deutschen Behörden tun nichts. Und die EU geht gegen die Deutschen und ihre Behörden vor? Ha, guter Witz. Nein, kein guter. 

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Heißt dass, Sie haben in Deutschland zu wenig Platz zu wachsen?
Nein. Wir bekommen auch künftig jedes Jahr 50 neue Jets, und ich wäre überrascht, wenn wir nicht  zehn davon in Deutschland stationierten.

Dafür haben Sie aber in Frankfurt recht bescheiden begonnen mit nur vier Strecken.
Das war damals. Denn Fraport  hat uns im Herbst mit seinem günstigen Angebot überrascht und wir hatten so spontan nur nicht mehr freie Flugzeuge. Aber im Winter werden es 24 Strecken und bald wie gesagt noch wesentlich mehr. 

Geht es etwas genauer?
Nein. Wir machen keine wissenschaftliche Analyse und haben keine Napoleon-mäßige Strategie der Art „zuerst erobern wir Polen, dann Russland und dann Paderborn“. Wir schauen bei jedem neuen Flieger, welcher Flughafen uns gerade die niedrigsten Kosten bietet. Angesichts der beginnenden Krise laufen uns gerade alle die Bude ein. Amsterdam hat die Preise um 7,5 Prozent gesenkt, die Spanier sogar um elf.

Kommen Sie auch nach München?
Würden wir gerne. Aber die wollen uns nicht. Ich glaube, die haben Angst. Carsten hat ihnen wohl klar gemacht, dass er dann bei ihnen rausgeht.

In Düsseldorf waren aber Sie zu anspruchsvoll. Sie hatten Landerechte und haben sie Norwegian überlassen.
Wir konnten uns mit dem Flughafen nicht über die Kosten einigen. Die Düsseldorfer als Air-Berlin-Heimat wollten wohl ein Theater wie in Frankfurt vermeiden. Da haben fast alle Airlines inklusive Lufthansa behauptet, dass der Flughafen uns zu weit entgegengekommen ist.

Werden Sie mitbieten, wenn die Bundesregierung den Beamtenshuttle zwischen Köln und Berlin neu ausschreibt?
Da beteiligen wir uns sofort an der Ausschreibung, sobald Air Berlin verschwunden ist. Und wenn Euer Finanzminister Geld sparen will, nimmt er uns.

Was bedeutet der angekündigte Austritt Großbritanniens aus der EU für Sie?
Nichts. Ich glaube, der wird nicht kommen. Sicher, das britische Parlament hat erst mal Verhandlungen zugestimmt. Aber sobald wird klar, dass es anders als angekündigt doch viele dramatische Änderungen geben wird und Großbritannien zudem von der EU nur einen unsagbar miesen Deal bekommt, wird sich ändern. Selbst die britischen Flugpreise dürften steigen.

Und dann?
Kommt eine neue Brexit-Abstimmung und alles bleibt am Ende doch beim Alten. Schließlich war die Mehrheit für den Brexit ja ohnehin denkbar knapp. Am Ende hat nicht mal ein Drittel der Bevölkerung dafür gestimmt, nicht gerade eine überragende Mehrheit. Das müsste den Politikern in London eigentlich klar sein. Doch sie kündigen lieber tolle Wunschlisten an. Das ist wie mit meinen Briefen an den Weihnachtsmann, wo ich mir immer eine jüngere Frau und wohlerzogene Kinder wünsche – doch ich kriege das auch nicht.

Wegen des Brexits wollen Sie weniger in Großbritannien und mehr in Europa fliegen. Nun bieten Sie sich den großen Fluglinien als Helfer an. Auch der Lufthansa?
Ja. Carsten braucht uns doch. Seine Eurowings hat trotz seiner groß verkündeten Sparerfolge höhere Kosten als Wettbewerber wie Easyjet und Norwegian und schon die verdienen derzeit nicht gerade viel Geld. Und ich sehe nicht, wie Carsten seinen Gewerkschaften die nötigen Zugeständnisse für wettbewerbsfähige Kosten abringt.

Aber ihr Landsmann Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter IAG, hat das bei Iberia doch auch geschafft.
Aber nur weil Willie glaubhaft drohen konnte die Linie zu schließen und alles der Billigtochter Vueling zu übertragen.

Das tut Spohr doch auch.
Aber doch eher zahm. Mit uns als Partner liefe es besser.

Europas größte Billigflieger
Platz 10: Jet 2Jet 2 ging aus der 1978 gegründeten Channel Express hervor und nahm im Jahr 2013 ihren Flugbetrieb auf. Sie fliegt vor allem Urlaubsdestinationen am Mittelmeer sowie europäische Hauptstädte an. Der britische Billigflieger mit Sitz in Leeds startete im Juli 1846 Mal, verfügte über 345.414 Sitze und flog 516 Strecken. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Ranking auf Grundlage der Starts im Juli 2017
Transavia Quelle: REUTERS
 Aer Lingus Quelle: AP
Wizz Air Quelle: AP
Norwegian Air Shuttle Quelle: REUTERS
Flybe Quelle: REUTERS
Eurowings/Germanwings Quelle: dpa

Klingt als würden sie sich als Franchisepartner beim Lufthansa-Billigableger Eurowings bewerben?
Um Himmels willen! Lufthansa kann es sich nie leisten, uns zu mieten. Doch wir halten auf unseren Flügen gern ein paar Plätze für sie frei. Carsten kann die auch gerne bei sich mit Aufpreis für seinen Extrakram mit Bonusmeilen oder Lounges verkaufen und das wäre dann immer noch billiger, als wenn Eurowings fliegt. Und wenn er die Strecken wieder selbst fliegen will, verziehen wir uns.

Woher die Großzügigkeit? Kriegen Sie Ihre vielen neuen Flugzeuge sonst nicht beschäftigt?
Ach was. Wir können noch ewig wachsen. Wir in der Branche müssen uns doch gegenseitig helfen. Warum glaubt mir bloß nie einer, dass ich ein netter Mensch bin?

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