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Ryanair, Norwegian & Co. Die goldene Zeit der Billigflieger ist vorbei

Nicht nur bei Norwegian, auch bei Ryanair könnte es besser laufen. Quelle: dpa

Der jahrelange Aufschwung der Low-Cost-Airlines gerät ins Stocken. Zu ehrgeizige Wachstumspläne, steigende Ölpreise und eine schwächelnde Wirtschaft zwingen selbst die Marktführer Ryanair und Norwegian zu Streckenstreichungen. Die Auswirkungen auf den Flugplan sind gravierend.

Es müssen wahrlich freudlose Zeiten sein, wenn Michael O’Leary mal die Klappe hält. Der sonst nie um eine spitze Bemerkung verlegene Ryanair-Chef, ließ zuletzt sogar die Chance verstreichen, dem Konkurrent Norwegian so richtig die Leviten zu lesen.

Eigentlich wäre Bjørn Kjos, Gründer und Chef des skandinavischen Billigfliegers, ein perfektes Ziel für Häme. Immerhin hatte der 72-Jährige noch kürzlich laut geprahlt, andere Fluglinie wären etwas neidisch auf sein Unternehmen, „weil wir Dinge können, die andere nicht schaffen“. Nun musste die Linie aus Oslo nicht nur für das erste Geschäftshalbjahr 2018 einen operativen Verlust in Höhe von zehn Prozent seines Umsatzes melden. Vorige Woche gestand sein Finanzchef Geir Karlsen, dass die Linie bis zu 140 Flugzeuge verkaufen will, um die wachsende Schuldenlast zu bändigen.

Doch trotz der peinlichen Ankündigungen schwieg O’Leary.

Kein Wunder. Zum Aufschneiden hat der Ryanair-Chef zurzeit wenig Anlass. In den ersten Monaten des Geschäftsjahres fiel der Gewinn seiner Billigairline spürbar und der Zoff mit den eigenen, sich unter Wert bezahlt führenden Piloten, spitzt sich in Deutschland immer mehr zu. Für Mittwoch ist der nächste große Streik angekündigt, 150 Flüge sollen ausfallen. Die Lage ist so angespannt, dass Ryanair wenig verhohlen mit dem Abzug von Flugzeugen und Jobs droht.

Es ist also kein Trost, dass auch die meisten anderen Airlines wenig Grund zum Jubeln haben – und die Aussichten nicht besser werden. „Bei allen Fluglinien steigt derzeit der Druck“, sagt Daniel Roeska, Analyst beim New Yorker Vermögensverwalter Bernstein. Das zeigt sich nicht nur an den Pleiten. Allein in den vergangenen zwei Wochen stellten mit Skyworks aus der Schweiz und VLM aus Belgien gleich zwei Fluglinien den Betrieb gleich komplett ein.

Dazu passten viele Airlines kräftig ihre Flugpläne an. Sie mussten in diesem Jahr nicht nur reichlich einzelne Flüge streichen, weil ihnen Maschinen oder Personal fehlten. Neben bislang mehr als 20.000 abgesagten Starts haben laut einer Übersicht des auf die Branche spezialisierten Statistik-Portals Anna.aero fast alle Fluglinien Strecken komplett aufgegeben.

Easyjet etwa stoppte Linienflüge zwischen 32 Städte-Paare und kürzte an 25 Orten – zum Beispiel in Hamburg – die Zahl der Flüge stark. Ryanair kappte unter anderem ihre einzige innerdeutsche Route zwischen Köln und Berlin. Statt bis zu fünf Flügen pro Tag werden ab November ein oder zwei pro Tag durchgeführt. Und in der einstigen Billig-Hochburg Hahn im Hunsrück kürzt neben den Iren auch der Ultra-Billigflieger Wizzair sein Angebot.

Fragt man bei den Airlines nach den Gründen für die Probleme, klingen die Antworten meist ähnlich: Externe Faktoren seien schuld. „Wir leiden unter einem Dreifachschlag“, klagte Emirates-Chef Tim Clark am vergangenen Wochenende auf einer Konferenz in London. Da ist aus Sicht des Managers vor allem eine nachlassende Konjunktur, die für sinkende Einnahmen sorgt. Dazu hebt der steigende Dollarkurs ebenso wie das teurere Flugbenzin die Kosten.

Die Kombination lasse der Linie keine Wahl als Kürzungen, heißt es auch bei Ryanair. „Wir überprüfen die Performance aller unserer Strecken“, lässt das Unternehmen verlauten – mit der Andeutung, dass unprofitable Routen schneller als früher wegfallen werden.

Tatsächlich treffen diese Begründungen zu. Stärker wirkt jedoch ein altes Laster der europäischen Branche: die selbstgeschaffenen Überkapazitäten. Angetrieben durch den niedrigen Ölpreis haben die Fluggesellschaften in den vergangenen zehn Jahren ihr Angebot in Summe fast verdoppelt. Vor allem die etablierten Linien wie Lufthansa wollten verlorenen Boden gut zu machen. Der Marktanteil sollte gegenüber den Billigangreifern wieder steigen. Die Gesellschaften behielten nicht nur viele alte abgeschriebene Flugzeuge, sie schafften auch neue an. Deren Auslieferung steht häufig noch bevor.

„Da kommt eine wahre Flut von Flugzeugen“, erklärt Analyst Roeska „und eine wachsende Überkapazität“.

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