Ryanair-Skandale O'Learys Kampf gegen Spanien

Mit Angriff kennt sich Ryanair-Chef O'Leary aus, nun muss er lernen sich zu verteidigen. Nach drei Notlandungen in Spanien wehren sich die Iren gegen Sicherheitsbedenken der Behörden - und bekommen Rückendeckung.

Die wildesten Sprüche von Michael O'Leary
"Ich fände es gut, ein paar unserer attraktiven Stewardessen in mein Büro zu holen und auf den Job aktiv vorzubereiten." Über den Vorschlag eines Piloten, O'Leary durch eine Flugbegleiterin zu ersetzen. Der Manager hatte zuvor mit seiner Idee für Furore gesorgt, Co-Piloten abzuschaffen und diese im Notfall durch Stewardessen zu ersetzen. (2010)
"Am liebsten sind uns Passagiere, die nur mit Handgepäck reisen. Dazu wollen wir unsere Kunden erziehen." Über Kritik an den Gepäck-Gebühren. (2009)
"Nicht wenn sie sich gut festhalten." Zum Thema Stehplätze und ob Passagiere, die nicht angeschnallt sind, gefährdet sind. (2010)
"Wir wollen die Passagiere dazu ermuntern, vorher oder hinterher am Flughafen auf die Toilette zu gehen. Das verhindert an Bord lange Schlangen vor den WC-Türen und das ständige Aufstehen und Hinsetzen in der Kabine." Über die Idee, für die Toiletten-Nutzung an Bord Geld zu verlangen. (2009)
"Welcher Vorschlag von mir war je absurd?" (2010)
"Ihr Journalisten seid immer so negativ." (2008)
"Das ist Müll, wie die meisten Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen." Über Nacktscanner (2008)
"Wir wollen die Dinge ändern. Was mich nach gut 20 Jahren in der Flugbranche am meisten stört, sind die Denkverbote und dass immer irgendetwas nicht geht. Es gibt einen wahren Friedhof vermeintlich unverzichtbarer Dinge wie kostenloses Essen oder vorab zugeteilte Sitzplätze. Den haben wir gefüllt und werden damit nicht aufhören." (2010)
"Nein. Ich habe mich damit gründlich befasst und keinen Beleg gefunden. Es wird Zeit, dass eine Rezession und die steigende Arbeitslosigkeit das ganze Gedöns wegspülen und sich diese bescheuerten Umweltaktivisten einen Job suchen müssen." Auf die Frage, ob er an die globale Erwärmung glaubt. (2008)
"Das Problem ist, dass die europäischen Fluglinien von Idioten bei British Airways oder Easyjet vertreten werden, die den Emissionshandel befürworten." Über die geplante Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel in der EU. (2007)
"Ich trainiere hart, und meine täglichen 40 Zigaretten, 24 Bier und ausgedehnten Stunden auf der Couch vor dem Fernseher halten mich perfekt in Form, um Stelios zu schlagen". Über die Idee, sich mit Dauerkonkurrent und Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou ein Wettrennen um den Trafalgar Square in London zu liefern. (2010).
"Wir wollen abwarten, bis der irische Staat und die Gewerkschaften die Sanierung in den Sand setzen und uns dann zu Hilfe rufen." Über den angeschlagenen Konkurrenten Aer Lingus, den Ryanair gerne schlucken würde. (2010)
"Bald werden wir auch insgesamt die größte Linie in Europa sein und die von ihren Zukäufen fußkranke Lufthansa wegputzen."
"Jürgen Weber sagt, die Deutschen mögen keine Billigtarife. Wie zum Teufel weiß er das? Die Deutschen werden nackt über zerbrochenes Glas robben, um sie zu kriegen." Über den Ex-Chef und heutigen Chefaufseher der Lufthansa. (2006)
"Die Nummer ist doch der größte Straßenraub seit Jahren." Über den Börsengang von Air Berlin. (2006)
"Keine, um ehrlich zu sein. Das Geschäftsmodell funktioniert nicht." Antwort auf eine Frage über die Zukunft von Air Berlin. (2008)
"Diese Bastarde sollen endlich aufhören, unsere Preise aufzupumpen." Über Web-Reiseangebote. (2008)
"Die große Tragik von Berlin ist, dass Tempelhof geschlossen wird. Dafür müsste man euch erschießen. Das ist ein wunderschöner kleiner Flughafen. Und dann kommen einige idiotische Politiker und machen eine Art Museum daraus. Stattdessen gibt es bald diesen Riesenflughafen in der Pampa." Über die Berliner Flughäfen. (2008)
"Wir werden niemals von einem Flughafen wie München fliegen. Das ist ein lächerlich teurer Flughafen, von Politikern entworfen, um die Kunden auszunehmen." (2004)
"Bald sind wir stark genug, um eine Kampagne gegen diese fucking Steuern zu starten. Ganz Europa redet vom freien Reiseverkehr, und dann kommen die Regierungen und verlangen eine fucking Flughafensteuer." (2004)

Die Abteilung Attacke ist bei der irischen Billigairline Ryanair Chefsache: Mit seinen markigen Sprüchen greift Ryanair-Chef Michael O'Leary regelmäßig Politiker wie Konkurrenten an. Jetzt muss er lernen, sich zu verteidigen. Seit drei Flugzeuge der irischen Billigairline in Spanien notlanden mussten, befindet sich Ryanair im Kreuzfeuer der Kritik. Spanische Medien machten in den letzten Wochen immer wieder neue Sicherheitsprobleme der Airline öffentlich. Unter anderem wurde kritisiert, dass die die Ryanair-Maschinen zu wenig Treibstoff an Bord hätten.

Am Dienstag fragte sogar die Bild-Zeitung: „Kann ich mit Ryanair noch sicher fliegen?“ Unter anderem waren bei einem Flug von Weeze am Niederrhein nach Mallorca drei Passagiere bei Turbulenzen verletzt worden.

Die Iren fühlen sich ungerecht behandelt. In zwei Briefen an die spanische Verkehrsministerin Ana Pastor Julián macht der Ryanair-Chef seinem Ärger Luft. Darin wirft O'Leary den Spaniern vor, eine "inakzeptable Kampagne" gegen Ryanair zu führen. Die Airline sei eine der sichersten Europas und halte sich an die gesetzlichen Vorgaben.

Pikante Sicherheitsdiskussion

Führende Beamte des Ministeriums und der Flugsicherheitsbehörde AESA hätten Informationen über Ryanair gefälscht und den Medien zugespielt. Spanische Zeitungen hatten unter Berufung auf die spanischen Behörden gemeldet, dass es bei Ryanair allein im ersten Halbjahr 2012 genau 1.201 sicherheitsrelevante Vorfälle gegeben hätte. In seinem zweiten Brief vom 17. September verlangt O'Leary, die Vorwürfe zu konkretisieren - und fordert die Entlassung oder Freistellung von Isabel Maestre, der Direktorin der spanischen Flugsicherheitsbehörde AESA.

Für Ryanair ist die Sicherheitsdiskussion pikant, denn in keinem europäischen Land fliegt die Airline mehr Ziele an. Mit 30 Millionen Passagieren im Jahr 2011 ist Ryanair die größte Airline in Spanien. Trotzdem stößt O'Leary mit seiner Kritik bisher auf taube Ohren. Eine offizielle Reaktion des Ministeriums gibt es bisher noch nicht. Hinter den Kulissen hatten einige spanische Beamte sogar gefordert, Ryanair die Lizenz zu entziehen - und dafür Kritik der Europäischen Kommission einstecken müssen. Fluglizenzen können nur von dem Land entzogen werden, das die Lizenz erteilt hat.

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Doch es gibt auch erste Anzeichen der Entspannung: Nach Beschwerden der Spanier habe die irische und spanische Flugsicherheit vereinbart, neue Vorfälle vom 16. September am Flughafen Madrid gemeinsam zu untersuchen. Zudem sollen die Spanier künftig detailliertere Einblicke in den Flugbetrieb von Ryanair bekommen. Selbst Ryanair-Chef O'Leary gab sich zuletzt versöhnlich und begrüßte eine genauere Untersuchung der Vorfälle. Rückendeckung bekommt er von den irischen Flugsicherheit IAA: die größte Airline des Landes sei, was die Sicherheitsvorgaben betrifft, auf einer Stufe mit den sichersten Airlines Europas.

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