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Ryanair trotzt Brexit-Votum Michael O'Leary hält an Gewinnplus fest

Der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair geht es zunächst einmal wie vielen Unternehmen: Sie sorgt sich um die Auswirkungen des Brexit-Votums. Trotzdem hält Firmenchef O'Leary an seiner Gewinnprognose fest.

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Die berühmten Sprüche des Ryanair-Chefs
"Jeder Idiot, der irgendwo rausgeschmissen wird, taucht wieder als Berater auf. Ich habe bislang noch jeden erschossen, der in mein Büro gekommen ist." Quelle: REUTERS
"Das Problem mit den Fluglinien-Managern ist doch, dass sie kein Rückgrat haben und sich an ihre Erzfeinde in der Umweltbewegung ranwanzen, statt sie Lügner zu nennen, wie sie es verdienen." Quelle: REUTERS
"Unsere Umsatzrendite von 25 Prozent ist nicht gut, sondern obszön in dieser Branche. Verglichen mit dem Rest sind wir keine Fluglinie, sondern Drogenhändler." Quelle: REUTERS
„Wenn ich abtrete wird sicher unser Marketing-Etat wachsen, weil wir ohne meine Sprüche weniger Aufmerksamkeit bekommen - aber das sparen wir dann an Gerichtskosten, weil uns dann weniger Leute wegen meiner Sprüche verklagen.“ Quelle: REUTERS
„Heute müssen Unternehmen-Chefs sagen, Unsere Beschäftigten sind unser wichtigstes Asset. Was ein Schwachsinn. Die Beschäftigten sind unser größter Kostenblock und viele sind so faul, dass wir sie ständig in den Hintern treten müssen. Das denkt eigentlich jeder Chef, aber keiner will es zugeben.“ Quelle: dpa
„40 Euro wenn wie eine Bordkarte neu ausdrucken, weil jemand sein vergessen oder verloren hat sind nicht zu viel. Eigentlich müssten wir für so viel Blödheit mindestens 60 Euro verlangen.“ Quelle: dpa
"Umweltschützer ärgern wir wo immer wir können. Eigentlich müsste man die erschießen, denn sie wollen fliegen so teuer machen, dass es wieder ein Privileg für die Reichen wird." Quelle: dpa

Ryanair hält trotz des Brexit-Votums und Anschlägen in Europa an seiner Gewinnprognose fest. Der Überschuss werde im bis Ende März 2017 laufenden Geschäftsjahr um etwa 13 Prozent auf 1,38 bis 1,43 Milliarden Euro zulegen, stellte die irische Billigfluggesellschaft am Montag in Aussicht.

Das wäre ein Rekordergebnis. "Ich denke, keine andere Airline in Europa wird solch einen Gewinnzuwachs erreichen und voraussagen", sagte Firmenchef Michael O'Leary.

Allerdings gebe es nach dem Votum in Großbritannien für einen EU-Austritt signifikante Risiken für die Vorhersage. Womöglich müsse die Prognose im weiteren Jahresverlauf kassiert werden, aktuell gebe es dafür aber noch keinen Anlass.

Wie der Brexit den Luftverkehr durcheinander wirbelt
Was bedeutet der Brexit für die einzelnen Beteiligten?Britische Touristen spüren schon in diesem Sommer die Folgen des vorerst nur angekündigten EU-Austritts: Mit ihrem abgewerteten Pfund erhalten sie in Europas Feriengebieten weniger fürs Geld – und die Flugreisen werden wegen des ungünstigen Verhältnisses zur Ölwährung Dollar auch gleich teurer. Die längerfristigen Folgen eines Brexit für die Luftfahrtbranche und damit auch für Passagiere in ganz Europa sind hingegen noch schwer absehbar. Billigfliegern dürfte der Preiskampf künftig schwerer fallen. Quelle: AP
Die BrancheGroßbritannien steht nach Einschätzung des Weltairline-Verbandes IATA vor einem wirtschaftlichen Abschwung, der zusammen mit der Pfund-Abwertung die Zahl der Fluggäste von der und auf die Insel jährlich um 3 bis 5 Prozent schmälern wird. Im Vergleich zum US-Dollar werten Pfund und Euro in der Folge des Brexit eher ab, was zu höheren Belastungen durch die Kerosinrechnung führt. Quelle: REUTERS
Die PassagiereDie wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien verringern grundsätzlich den Spielraum der großen Billigflieger für weitere Kampfpreise. Ihr Wachstumskurs wie auch der wettbewerbsbedingte Preisverfall bei den Tickets dürften daher gebremst werden. Doch auch das ist nicht sicher: Ryanair und Co. müssen bei einer schwächeren Nachfrage auf der Insel notgedrungen Flugzeuge auf den Kontinent verlegen, was auch an abgelegenen Zielen für mehr Konkurrenz und sinkende Preise sorgen würde. Die Lufthansa würde mit ihrem Billigableger Eurowings gegenhalten. Deutschland ist aktuell der wichtigste Expansionsmarkt, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary betont. 2017 sei es sehr unwahrscheinlich, dass auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte der Airline-Chef dem „Wall Street Journal“. „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“ Quelle: AP
Die JuristenAuch im Luftverkehr müssen die rechtlichen Beziehungen neu geordnet werden. Experten stellen in Frage, ob das innerhalb von zwei Jahren erreichbar ist. Das Vereinigte Königreich ist bislang Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten Luftverkehrsmarkt Europa. Ob britische Gesellschaften auch nach einem Brexit überall in Europa starten und landen dürfen, ist zumindest fraglich. Weltweit üblicher sind Abkommen auf Gegenseitigkeit, die zwischen den EU-Staaten und Großbritannien neu ausgehandelt werden müssten. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für die Briten nicht mehr gelten würden und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssten. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der „Open-Skies“-Vertrag mit den USA. Quelle: REUTERS
Die BilligfliegerKräftige Kursabschläge und die Easyjet-Gewinnwarnung machen klar: Zu den großen Verlierern des Brexit gehören von der ersten Minute an die beiden großen Billigflieger Ryanair und Easyjet, die nach Zahlen des Airline-Verbandes IATA 36 beziehungsweise 49 Prozent ihrer Kapazitäten im Großbritannien-Verkehr einsetzen. Ihre sehr preissensiblen Privatkunden dürften künftig weniger Geld für Flugtickets übrig haben als bislang. Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, bezweifelt jedoch, dass sich die Briten ihre „sehr ausgeprägte Reiselust“ so schnell nehmen lassen. Quelle: DPA
Die BilligfliegerDie Billigflieger haben bislang wie niemand sonst vom einheitlichen europäischen Luftverkehrsmarkt profitiert, in dem sie ohne Einschränkungen in der EU Direktverbindungen etwa von Deutschland nach Spanien angeboten haben. Das wird sich für die irische Ryanair nicht ändern, die britische Easyjet könnte hingegen massive Probleme wegen fehlender Luftverkehrsrechte bekommen. Easyjet müsste sich in Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken, statt wie bislang von vielen Städten auf dem Kontinent aus zu Zielen in ganz Europa zu starten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall prüft laut Berichten daher die Einrichtung eigener Flugbetriebe (AOC) in anderen EU-Staaten außerhalb Großbritanniens. Quelle: REUTERS
Die FlughäfenBei einem Ausscheiden Großbritanniens drohen nicht nur britischen Airports einschneidende Veränderungen. Während in Deutschland die Drehkreuze Frankfurt und München auf leicht positive Verlagerungseffekte aus London hoffen dürfen, sind beispielsweise Hamburg, Köln oder Berlin auf Ryanair und Easyjet als Kundschaft angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, forderte die britischen Airlines im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bereits auf, „möglichst schnell eine Lösung zu finden“, sofern sie Flughäfen in Deutschland anfliegen. Quelle: DPA

An der Börse in Dublin verteuerten sich Ryanair-Aktien um 5,5 Prozent. Damit liegen sie nur noch 16 Prozent unter ihrem Niveau vor dem Brexit-Votum Ende Juni. Im Januar hatten Ryanair-Papiere noch ein Allzeithoch erreicht.

Europas größte Airline nach Passagierzahlen hat ihren wichtigsten Standort in Stansted im Umland von London. Auf den jüngsten Pfund-Verfall werde Ryanair ab dem Winterhalbjahr reagieren und Kapazitäten aus Großbritannien abziehen. Verbindungen sollen aber nicht gestrichen werden.

Der britische Rivale Easyjet wollte zuletzt wegen des Anti-EU-Referendums keine Prognose mehr abgeben und verwies auch auf den Anschlag in Nizza und den Putschversuch in der Türkei. Die Lufthansa sah sich sogar zu einer Gewinnwarnung gezwungen. "Was uns derzeit fehlt, sind langfristige Buchungen von Interkontinentalflügen, beispielsweise von Reisegruppen aus Asien", sagte ein Lufthansa-Sprecher vergangene Woche. Der Dax-Konzern verabschiedete sich von dem Ziel, den Vorjahres-Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Euro in diesem Jahr zu übertreffen.

Ryanair macht rund ein Viertel des Umsatzes in Großbritannien, Easyjet dagegen die Hälfte. Die Iren erklärten zudem, der durchschnittliche Ticketpreis sei im Quartal bis Ende Juni - ähnlich wie bei Easyjet - um rund acht Prozent gefallen. Für das laufende Quartal bis Ende September seien bereits etwa drei Viertel aller Sitzplätze verkauft.

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