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Saatguthersteller KWS "Wir bleiben hier"

Philip von dem Bussche, Chef des Saatgut-Hersteller KWS, lässt weiter in Deutschland forschen – und bringt kein Verständnis für die Gegner der grünen Gentechnik auf.

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Philip von dem Bussche Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr von dem Bussche, BASF hat sich gerade aus der grünen Gentechnik in Deutschland weitgehend zurückgezogen. Hegen Sie ähnliche Pläne?

Von dem Bussche: Nein, Deutschland ist für KWS ein nach wie vor guter Forschungsstandort. Wir bleiben mit unserer Biotechnologie-Forschung, unter anderem an gentechnisch veränderten Pflanzen, in Deutschland. Und wir bauen auch keine Arbeitsplätze ab. Im Gegenteil: Wir haben in den vergangenen beiden Jahren fast 70 neue Stellen in der Forschung und Züchtung geschaffen.

Und wir erweitern gerade unser Biotechnikum um eine weitere Etage. Denn wir wollen, dass unsere Molekularbiologen eng mit unseren Pflanzenzüchtern zusammenarbeiten, damit wir weltweit immer besseres Saatgut für die Landwirte anbieten können. Dafür ist unsere Zentrale in Einbeck bestens geeignet.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die grüne Gentechnik ab. Und auch die EU ist sehr zögerlich bei der Zulassung von Gentech-Pflanzen. Frustriert Sie das?

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    Nein. Als Unternehmensvorstand nehme ich Dinge zur Kenntnis, bewerte sie und entwickle Strategien, damit umzugehen. Die europäischen Landwirte wollen derzeit mehrheitlich kein gentechnisch verändertes Saatgut. Das haben wir zu akzeptieren. Deshalb bieten wir ihnen nur konventionell gezüchtetes Saatgut und auch solches für den Ökolandbau an.

    In den USA, Asien und Südamerika haben wir entsprechend der Nachfrage unserer Kunden überwiegend gentechnisch veränderte Sorten auf dem Markt. Dort sind unsere Wachstumsmärkte. Die europäische Landwirtschaft muss ihren eigenen Weg finden.

    Warum forschen Sie dann überhaupt in Europa weiter an Gentech-Pflanzen?

    Weil wir hier nicht nur für Europa, sondern für den Weltmarkt forschen. Wir arbeiten von Einbeck aus in einem weltweiten Forschungsnetz mit starken Partnern zusammen.

    "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen"

    Gentechnik Quelle: dpa/dpaweb

    Die Gegner fürchten, dass die neu in die Pflanzen eingebrachten Gene dem Menschen und der Natur schaden.

    Dafür gibt es keinen einzigen Beleg. Die EU hat gerade in einer Meta-Analyse 500 Studien zur grünen Gentechnik ausgewertet und festgestellt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nicht risikoreicher sind als konventionell gezüchtete. Dennoch erschwert die EU laufend die Vermarktung von gentechnisch veränderten Produkten. Das widerspricht sich. Theoretische Risiken – und von solchen sprechen wir bei der grünen Gentechnik – lassen sich nie und in keinem Bereich ausschließen. Sie wissen ja auch nicht, welche Langzeitfolgen die Nutzung Ihres Handys für Sie hat.

    Warum ist die Kritik in Europa so stark?

    Europa ist eine wohlhabende, alternde und schrumpfende Gesellschaft. Hier sind quasi alle Bedürfnisse befriedigt, kaum jemand hungert, Lebensmittel sind billig wie nie. Wenn wir hier also eine Art Museumslandwirtschaft erhalten und uns vom Rest der Welt abkoppeln wollen – dann ist das eine gesellschaftliche Entscheidung.

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      Kein Verständnis für die Kritiker?

      Ich habe zur Kenntnis zu nehmen, dass Menschen sich vor neuen Technologien fürchten. Auf dem Stand unseres heutigen Wissens kann ich es aber nicht nachvollziehen. Tatsache ist doch: Schon heute tragen Verbraucher in Deutschland Hemden aus gentechnisch veränderter Baumwolle und verzehren eine Vielzahl von gentechnisch veränderten Produkten, zum Beispiel in Form von Milch, Fleisch und Eiern. Das hat die EU so genehmigt.

      Warum ist das Image der grünen Gentechnik derzeit so schlecht?

      Ich denke, dass die grüne Gentechnik anfangs zu positiv dargestellt wurde. Da müssen wir uns als Branche auch an die eigene Nase fassen. Es wurden Erwartungen geweckt, die sich nicht kurzfristig erfüllen ließen. So hat sich die Kritik immer mehr verfestigt.

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      Vielleicht ließen sich die Verbraucher überzeugen, wenn Sie gesundheitsfördernde Gentech-Nahrungsmittel anbieten würden, etwa gegen Herzinfarkte.

      Ich fürchte, darauf werden sie noch sehr lange warten. Denn die genetische Veränderung von solch komplexen Merkmalen ist alles andere als trivial. Vermutlich kommen Chemiker da schneller ans Ziel.

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