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Sanierung Jetzt geht's bei Air Berlin ans Eingemachte

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Marketingbudget soll gekürzt werden

Ein Flugzeug von Air Berlin startet in Berlin vor dem Tower des Flughafens Tegel Quelle: dapd

Kräftige Schnitte plant Mehdorn zudem im mehrere Millionen dicken Marketingbudget. „Noch bekannter müssen wir nicht werden“, soll der neue Air-Berlin-Chef gespottet haben. Neben fragwürdigen Dingen wie Gratistickets für Prominente und die Förderung des Sangestrios Appassionante, an dem Hunold persönlich viel lag, trifft es auch die Fußballbundesliga. Hier werden in der kommenden Saison wohl bestenfalls ein oder zwei statt wie bisher gut ein halbes Dutzend Vereine in den Genuss von Stadionwerbung und Freiflügen kommen.

Nicht ganz so wichtig wie für seinen Vorgänger Hunold ist für Mehdorn offenbar, was Air Berlin der für das kommende Frühjahr geplante Beitritt zur Oneworld-Allianz um British Airways, American Airlines und Cathay Pacific aus Hongkong bringt. Hunold erwartete hier noch einen jährlichen Gewinnbeitrag von bis zu 50 Millionen Euro, weil ihm die Partner mehr gut zahlende Geschäftsreisende bringen sollten. Mehdorn will da keine Zahl nennen, doch 20 bis 30 Millionen bringt der Verbund aus Sicht von Fachleuten mindestens.

Tabu sind für Mehdorn bislang die Personalkosten. Die sind im Vergleich zu anderen ohnehin am unteren Ende der Branche. Doch ob das so bleibt, ist unsicher. „Wenn die Lage schlechter wird und ein paar Millionen fehlen, weil Wettbewerber wie die Lufthansa dank tariffreier Leiharbeiter wie in Berlin und an den Flughäfen günstigere Preise bieten, könnte da noch was kommen“, fürchtet Gewerkschafter Büddicker.

Trotzdem dürfte es für Mehdorn schwer werden, auf Dauer ohne einen zweiten solventen Großaktionär auszukommen. Zurzeit ist Ali Sabanci, der Inhaber der türkischen Pegasus Airlines, mit 16,48 Prozent der größte Anteilseigner. Mehdorns Dilemma: Jeder Retter, ob Etihad oder ein One-world-Mitglied, würde Teile von Air Berlin zum Schnäppchenpreis kaufen. „Wenn wir den im Moment reinnehmen, müssten wir uns unter Wert verkaufen“, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

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    Nicht die Seele aufgeben

    Angesichts des aktuellen Börsenkurses von weniger als drei Euro bekäme Mehdorn nach Schätzung von Branchenkennern bestenfalls 200 Millionen Euro für die gut 40 Prozent Anteil. Mehr kann er an ausländische Investoren aber nicht verkaufen. Nur dann gilt Air Berlin weiterhin als deutsches Unternehmen und darf in Länder wie Russland und Ägypten fliegen.

    Das will Mehdorn nicht zulassen. Denn auch wenn er schwört, beim Umbau kein Pardon zu kennen, hat er doch ein letztes Tabu: „Wir dürfen nicht unsere Seele aufgeben“, ließ Mehdorn in vertraulicher Runde fallen. „Sonst ist alles vorbei.“

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