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Sanierungsplan Wie Stefan Pichler Air Berlin retten will

Die Zahlen von Air Berlin sind trostlos. Jetzt ist der neue Chef gefragt: Wie Stefan Pichler die angeschlagene deutsche Fluggesellschaft in drei Phasen sanieren will.

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Stefan Pichler, der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, hat eine schwierige Aufgabe übernommen. Quelle: dpa

Bei Air Berlin sind echte Optimisten derzeit noch seltener als bei den anderen Traditionslinien Europas anzutreffen. Die Gesellschaft mit Sitz in der Nähe des Flughafens Tegel hat in den vergangenen vier Jahren drei Chef-Wechsel gesehen und sonst nur wachsende Verluste und Entlassungen.

Wenn also der neue Chef Stefan Pichler im am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht – neben den erwartet trostlosen Zahlen - mal wieder ein neues Rettungskonzept zeichnet, ist zunächst Skepsis angesagt. Zumal Pichlers Ideen von heute doch wieder leicht anders ausfallen als die ersten Versionen von Anfang März.

Doch bei aller Vorsicht: Die heutigen Renovierungsvorgaben machen deutlich mehr Sinn als die bisherigen. Denn sie gehen über generelle Ankündigungen hinaus und bieten stattdessen vergleichsweise radikale Ideen, Details und einen klaren Zeitplan. Aus gutem Grund: Ohne die Strenge hätte Pichler sicher kein "Ok" von Hauptaktionär Etihad aus Abu Dhabi bekommen. Der kommt allmählich an die Grenzen seiner Geduld, heißt es in Aufsichtsratskreisen. „Sie zahlen zwar die Verluste ihres Berliner Engagements angesichts ihrer Staatshilfen aus der Portokasse, doch den Gesichtsverlust eines dauerhaften Pflegefalls verzeihen sie nicht.“

Der aktuelle Pichler-Plan hat drei Phasen, bei denen er die alte Logik umdreht: Statt weiter entschlossen zu sparen und später zu reformieren, widmet er sich erstmal bisher vernachlässigten Dingen. Er will Ordnung in der Verwaltung schaffen, dann mit neuem (und nicht unbedingt mehr) Service zu höheren Einnahmen kommen. Erst am Schluss folgt dann noch mal eine Kostenrunde.

Die Chronik von Air Berlin

Phase 1: Neues Management

Beginn: 1. April 2015, Ende: Herbst 2015

Nach drei Monaten im Amt hat Pichler die Konzernführung bereits stärker umgebaut als seine drei Vorgänger. Dabei hat er fast alle alten Führungskräfte mit Verbindungen zur früheren Spitze um den de-facto-Gründer Joachim Hunold ersetzt. Als erstes überließ er Mutter Etihad den Finanzchef Ulf Hüttmeyer. Der ist vor allem bekannt dafür, immer neuen Wege zu finden, mit dem Verkauf von Firmenvermögen die Lücken zu stopfen und Gründe für die ständigen Verfehlungen beim Finanzziel parat zu haben.

Bis zum Herbst soll nun mindestens ein Dutzend Neulinge zu der Fluggesellschaft kommen. Den Anfang macht Julio Rodriguez vom Nobel-Billigflieger Vueling aus Barcelona, der den Vertrieb, die richtige Preissetzung und das Digitalgeschäft kümmern soll. Abgerundet wird der Umbau durch einen neuen Leiter des Flugbetriebs, einen neuen Netzplaner sowie unter anderem einen neuen Chef bei der Wiener-Tochter Niki.

Die Neulinge sollen Air Berlin neu denken. Deshalb ordnet Pichler auch die bislang oft zersplitterten Zuständigkeiten neu. So will er die aus seiner Sicht überholten Praktiken im Konzern austreiben. Dazu zählt vor allem, dass endlich moderne Prognosesysteme die Frage klären, wie viele Tickets Air Berlin wann zu welchem Preis verkauft. Bislang erledigen das die Mitarbeiter mehr oder weniger händisch, wodurch die Linie fast immer zu billig anbietet.

Die nächsten Phasen des Pichler-Plans

Phase 2: Mehr Einnahmen

Beginn: 1. Mai 2015, Ende März 2016

Weil aus Sicht von Konzernchef Pichler nach den kaum erfolgreichen Sparprogrammen ein weiteres wenig bringt, setzt er auf im Schnitt höhere Preise. Das beginnt am 1. Mai mit einem neuen Tarifkonzept mit vier Gruppen von Branded Fares genannten Tarifen mit beruhigenden Namen wie "JustFly". Hinter dem in der Branche „Shut up and fly“ (Mundhalten und Fliegen) genannten Tarif steckt ein klassisches Billigflieger-Ticket ohne Extras wie Koffer oder Sitzplatzwahl. Damit, so Pichlers Hoffnung, bucht jeder der mit Gepäck reisen will einen teureren Tarif und packt weitere Extras dazu.

Es folgen gestaffelt weitere Klassen mit kostenloser Gepäckbeförderung, Umbuchbarkeit, mehr Meilen im Bonusprogramm, Loungezugang und bevorzugter Abfertigung – aber ohne die Extras der quasi-Business-Class bei Germanwings oder Vueling. Die bieten mehr Platz und Gratis-Essen.

Weltweit rastlos: Der Lebenslauf des Stefan Pichler

Mehr Einnahmen verspricht sich Pichler auch von einem besseren Flugplan. Dabei kürzt er selten beflogene Routen, besonders solche abseits seiner Hauptflughäfen Düsseldorf, Berlin oder München. Im verbleibenden Netz will er im Schnitt höhere Preise durchsetzen, indem er Tickets nicht mehr in großem Stil billiger als die Konkurrenz verkauft.

Phase 3: Sparen

Beginn: April 2016, Ende: Winter 2016/17 (und eigentlich nie)

Ohne Sparprogramme als Klassiker der Betriebswirtschaft kommt auch Pichler nicht aus. So verzichtet er symbolträchtig auf Bonuszahlungen für Führungskräfte. Darüberhinaus sollen wohl die Preise bei Lieferanten gedrückt und mehr Arbeit mit der gleichen Zahl an Beschäftigten erledigt werden - die klassischen Instrumente eben. Zudem geht es auch die Strukturen.

Im Geschäftsbericht sind die Details zur Kostenkürzung ein Jahr vor der heißen Phase des neuen Sparplans noch ein wenig blass, wie die Schrift auf dem Titelblatt des Reports.

Doch klar ist: Pichler will bislang in Berlin erledigte Arbeit an günstige Dienstleister vergeben, von denen künftig mehr in Niedriglohnländern in Osteuropa sitzen sollen. Eine Strategie, die die Billigkonkurrenten Norwegian und Vueling bereits länger nutzen.

Gleichzeitig will er durch eine moderne IT die heutigen Reibungsverluste in der Verwaltung abbauen und die verbliebene Belegschaft produktiver machen.

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