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Schicksalsjahre für Tui Milliarden-Fusion mit Rückenwind und neuen Aufgaben

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Die Mängel der Fusionspläne

Was Analysten und Anleger freut, gefällt nicht jedem uneingeschränkt. “Die Fusion ist bislang vor allem darauf ausgerichtet, Kosten zu sparen”, sagt Edgar Kreilkamp, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Tourismusmanagement an der Leuphana-Universität Lüneburg. “Was fehlt, ist eine Forcierung der Qualitätsstrategie.”

Für den Branchenkenner ist abseits der Spar- und Synergieversprechen vom Tui-Chef zu wenig zu hören. Tui müsse für die eigenen Angebote mehr Alleinstellungsmerkmale schaffen, die auch höhere Preise rechtfertigen. Die starke Konzentration auf das Mainstreamgeschäft setzt Tui weiter einem starken Preiswettbewerb aus.

Die größten Reiseportal-Betreiber
HLX - Start am 7. Dezember 2012 Quelle: Screenshot
Platz 10: Travelocity Europe Quelle: Screenshot
Platz 9: Travix (BCD) Quelle: Screenshot
Platz 8: RTK-Gruppe Quelle: Screenshot
Platz 7: Comvel - Weg.de Quelle: Screenshot
Platz 6: TUI Deutschland Quelle: dpa
Platz 5: Holidaycheck

Auch auf der Bilanzpressekonferenz gibt sich Joussen in Bezug auf den Wandel wortkarg. Vor dem Closing sei es unüblich, über die neue Strategie zu sprechen, sagt er. Den ganz großen Umbruch wird es aber nicht geben. „Es wir bei uns nicht passieren, dass nach dem Merger alles anders und keiner mehr arbeitsfähig ist“, verspricht Joussen. Immerhin so viel erklärt der Tui-Chef: Einen „Kahlschlag“ bei den Arbeitsplätzen, die durch die Aufhebung der Doppelstrukturen von Tui und Travel-Tochter überflüssig sind, werde es nicht geben.

Vision von Friedrich Joussen

Abseits von den Ersparnissen und Steuervorteilen ist zumindest das grundsätzliche Ziel des Mergers klar: Joussens Vision ist ein integrierter Tourismuskonzern. Von der Beratung und Buchung im Reisebüro über die Anreise bis zum Aufenthalt im Hotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff soll Tui an jeder Facette des Urlaubs mitverdienen.

Durch eine engere Verknüpfung zwischen den einzelnen Bereichen soll unter anderem die Hotelauslastung gesteigert werden. Tuis beindruckende Rechnung: Schon ein Prozent höhere Auslastung bringt Millionen mehr Umsatz.

Dazu baut Tui sein Geschäft sogar aus: Im November gründete der Konzern seinen eigenen Mobilfunk-Ableger. Tui Connect soll Urlaubern mobile Kommunikation auch im Ausland ermöglichen - ohne Roaming-Gebühren.

Insgesamt kein schlechter Plan, glaubt Kreilkamp. Doch mit ein paar neuen Hotels und zwei Schiffen, deren Bau Joussen bereits angekündigt hat, sei es nicht getan. Es fehlten wichtige Bestandteile zum Beispiel bei der Hotelvermittlung: „Tui hat es bislang nicht geschafft, im Online-Handel eine bedeutende Position aufzubauen“, sagt Kreilkamp. „Doch da ist das Wachstum.“ Im Konkurrenzkampf mit großen Onlineplattformen wie TripAdvisor und booking.com nützt Tuis Stärke im Reisebürogeschäft wenig.

Kreilkamp befürchtet jedoch, dass der Blick auf die Zufriedenheit der Anleger einer mutigen Wachstumsstrategie in diesem Bereich im Wege steht. „Investitionen in neue Geschäftsbereiche widersprechen der Kurspflege”, glaubt Kreilkamp. Zurzeit geht es eher darum, die finanziellen Ziele zu erreichen. „Daher konzentrieren sich die Investitionen lediglich auf den Bau neuer Hotels und Kreuzfahrtschiffe.“

Unternehmenskultur muss sich "einschleifen"

Nicht nur die verpassten Chancen der Vergangenheit werden Tui in Zukunft Probleme bereiten. Die Fusion an sich wird vermutlich zäher, als von Joussen nach außen getragen. „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört”, rief Joussen im Oktober aus und betonte die Gemeinsamkeiten von Tui und der britischen Travel-Tochter. Und: „Bei diesem Zusammenschluss stimmen die Rahmenbedingungen auch kulturell.“

Reiserückblick


Schöne Managerworte um die Fusion schmackhaft zu machen, keine Frage. Und zumindest für die Chefetage scheinen sie zuzutreffen, der Übergang verläuft bislang friedlich. Einen Machtkampf mit Tui-Travel-Chef Peter Long konnte Joussen vermeiden. Schon nach einem Jahr Doppelspitze geht Long in den Aufsichtsrat, Joussen übernimmt allein die Spitze und Long wird damit formal zu Joussens Chef.

Doch in den Konzern müssen die Veränderungen und gemeinsamen Strategien erst getragen werden. Bislang kocht jeder sein eigenes Süppchen. Das trifft nicht nur auf das Mainstream-Geschäft, sondern vor allem die Spezialsegmente von Yacht-Verleih bis Studienreiseanbieter zu.

Dienstleister




„Die Tui hat durch die vielen Zukäufe in der Vergangenheit zu viele Marken im Portfolio“, warnte der Tourismus-Experte und Marketing-Professor Peter Schütz zuletzt in der WirtschaftsWoche. Zwischen denen gibt es zudem zu wenige Berührungspunkte und zu wenig Ideenaustausch – auch über Landesgrenzen hinweg. “Tui besteht aus mehreren Gesellschaften mit einer großen Holding darüber”, urteilt Kreilkamp. “Das ist noch kein einheitlicher Konzern.”

Die Arbeit im operativen Geschäft werde sich in den kommenden Jahren „einschleifen“ müssen, sagt Joussen. Wohlwissend, dass ein zentraler Einkauf noch lange keine gemeinsame Unternehmenskultur schafft. Auch nicht bei der Tui.

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