Schlechte Netzqualität O2 erbt einen Haufen Probleme

Mit dem geplanten Zusammenschluss von O2 und E-Plus muss sich die Telefónica-Tochter auch der Netzprobleme von E-Plus annehmen.

O2 und E-Plus wollen fusionieren. Mit dem Zusammenschluss erbt O2 auch die Netzprobleme von E-Plus. Quelle: dpa

Telefónica Deutschland - besser bekannt unter der Marke O2 - will die deutsche E-Plus Gruppe übernehmen. E-Plus gehört zur niederländischen KPN, Telefónica Deutschland zum gleichnamigen spanischen Konzern. Die Spanier bieten den Niederländern fünf Milliarden Euro für E-Plus und 17,6 Prozent ihrer eigenen Aktien an. Der Zusammenschluss von O2 und E-Plus würde die Gesellschaften auf einen Schlag zum größten Mobilfunkanbieter in Deutschland machen. Mit 43 Millionen Kunden lägen sie vor der Telekom (37 Millionen) und Vodafone (32 Millionen). Noch steht die Zustimmung der Kartellbehörden aus, erst Mitte 2014 soll das Geschäft unter Dach und Fach sein.

Der Deal soll ohne die Zustimmung des größten Einzelaktionärs der niederländischen KPN vereinbart worden sein. Carlos Slim - einer der reichsten Männer der Welt - soll gegen die Übernahme gestimmt haben. Das berichtet die Financial Times und beruft sich dabei auf Insider. Vielleicht ahnt der Mexikaner, dass der Zusammenschluss für beide Seiten mehr Risiken birgt als bisher angenommen.

Ein kleiner Pluspunkt

Auf der ersten Blick ergänzen sich die Telefónica-Marke O2 und die Produktpalette der E-Plus-Gruppe gut. E-Plus gibt spielt bisher den Part des Aggressors, der mit immer neuen Tiefpreisen den deutschen Markt aufmischt. Als Mobilfunk-Discounter hat E-Plus mit Simyo, Yourfone, Blau.de und Ay yildiz ein funktionierendes Markenportfolio aufgebaut. Die Zielgruppe ist jung, möchte wenige bezahlen, aber dafür immer und über alle mit den Smartphone online sein. Vor allem mit yourfone spricht E-Plus die junge social-media-affine Zielgruppe an. Mit Erfolg, wie Klemens Skibicki, Marketingprofessor an der Cologne Business School und Experte für soziale Medien, bescheinigt. "Die Produkte der Telekommunikationsanbieter gleichen sich, eine Differenzierung über das Produkt ist daher kaum möglich. Yourfone hat das verstanden, daher ist es richtig, voll auf Social Media zu setzen und sich damit abzuheben."

Studie Mobilfunkanbieter 2012

Skibicki geht noch weiter. Nicht nur die Marke, auch das gesamte Unternehmen sei "vom Kern her" auf Social Media gepolt. Ein Pluspunkt im Umgang mit allen nachkommenden Generationen, glaubt der Marketingprofessor. Und ein Vorteil gegenüber dem ehemaligen Staatskonzern Telekom, der unter starken Hierarchien und einem schwerfälligen Apparat von fast 69.000 Mitarbeitern leidet. Gegen diesen Dampfer ist E-Plus mit nur 4.500 Mitarbeitern ein kleines wendiges Segelboot. Nah am Kunden und direkt in der internen Umsetzung. Das könnten die zukünftigen Trümpfe eines neu entstandenen E-Plus-O2-Konzerns sein. Damit hat es sich dann aber auch.

Große Baustellen

E-Plus hat handfeste Probleme. Nummer eins: Das Netz. Es gilt als schwach und störanfällig. 2011 beschwerten sich die Kunden zu Tausenden. Der Konzern hat nachgebessert, doch noch immer schneidet der Anbieter bei Test wie dem von connect oder chip schlecht ab. Branchenprimus in punkto Netzqualität bleibt die Telekom. Besser geworden ist E-Plus in Städten. Dort gibt es aktuell weniger Probleme wie Störgeräusche und Gesprächsabbrüche.

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Im Land und beim Download größerer Datenmengen mit dem Smartphone oder Notebook kann E-Plus nach wie vor nicht überzeugen. Insgesamt reicht es nur für ein "befriedigend". O2 erreicht im connect-Test 2012 ein "gut", bleibt aber auch deutlich hinter der Telekom und Vodafone zurück. Die schlechte Performance ist wohl einer der Hauptgründe für die zweite große Baustelle des Unternehmens: Das Image. Anfang des Jahres ergab sich im Markenmonitor BrandIndex des Meinungsforschungsinstitut YouGov folgendes Bild: Vodafone (27 Punkte) vor O2 (24), der Telekom (13), E-Plus Base (4), 1&1 (0) und dem Schlusslicht E-Plus Yourfone mit minus 12 Punkten. Dabei fällt auf, dass die Telekom an Ansehen gewinnt, während Base als Billigmarke auf niedrigem Niveau stagniert.

Übernimmt O2 die KPN-Tochter, muss sie das Netzproblem angehen, um langfristig das Imageproblem zu lösen. Einen Trumpf hat sie bereits in der Hand. Die Telefónica-Tochter setzt auf die neue LTE-Technik. Im Long Termin Evolution-Mobilfunknetz lassen sich Daten mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde herunterladen und damit in etwa so schnell wie im heimischen DSL-Netz. In München und Berlin hat O2 das LTE bereit eingeführt. Jetzt folgen Hamburg, Düsseldorf, Duisburg und Essen. In Köln, Dresden, Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg wird das LTE-Netz weiter ausgebaut. Zeitgleich schaffte O2-Deutschland-Chef René Schuster die Kosten für SMS und Telefonate ab. Abgerechnet wird nur noch der Datentransfer.

Für E-Plus bringt der geplante Zusammenschluss zweifellos Vorteile: O2 ist technisch voraus und bei den Kunden beliebter. Das kann der Marke nur Vorteile bringen. Im Umkehrschluss birgt die Übernahme für O2 ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Sie wird viel investieren müssen, um die Netzproblem zu lösen und das Image der E-Plus-Marken zu verbessern. Auf der anderen Seite stehen potenzielle Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Ob die Rechnung am Ende aufgeht? Carlos Slim zumindest scheint nicht überzeugt.

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