Schleichwerbung ZDF verschärft die Regeln

Nach dem Schleichwerbung-Skandal bei "Wetten, dass..?" zieht das ZDF die Konsequenzen und verschärft seine Regeln für Gewinnspiele. Zugleich wies Intendant Bellut Berichte über einen neuen Schleichwerbe-Vorwurf zurück.

Thomas Bellut Quelle: dpa

Das ZDF zieht Konsequenzen nach Vorwürfen der Schleichwerbung beim Show-Zugpferd "Wetten, dass..?“. Autos seien ab diesen Sommer tabu bei Gewinnspielen, kündigten Intendant Thomas Bellut und ZDF-Fernsehratschef Ruprecht Polenz am Freitag in Mainz an. Es gehe um größtmögliche Klarheit, erklärte Bellut.

Für die Akquisition von Gewinnspielen werde keine Agentur zwischengeschaltet - dies ermögliche bessere Kontrolle durch den Sender. Die Maßstäbe zur Präsentation in der Sendung würden geprüft. Zum Sommer werde die Zusammenarbeit mit der Firma Dolce Media eingestellt. Sie gehört dem Bruder von Ex-Moderator Thomas Gottschalk, Christoph Gottschalk, was zu Jahresbeginn für Schlagzeilen sorgte.

Der Sender werde zudem von "programmprägenden Moderatoren" jährlich eine Erklärung über die Einhaltung der Regeln zu Werbung, Sponsoring, Gewinnspielen und Produktionshilfen einholen, erklärte Bellut weiter.

Die finsteren Kanäle von ARD und ZDF
Am Dienstag haben ARD, ZDF und Deutschlandradio einen erhöhten Finanzbedarf für die Beitragsperiode 2013 bis 2016 angemeldet. Den öffentlichen Anstalten fehlen 83 Millionen Euro pro Jahr. Die Summe entspricht einem Prozent des Gesamtbudgets aller Sender, erklärten die öffentlich-rechtlichen Anstalten in einer gemeinsamen Mitteilung, ohne das Gesamtvolumen exakt zu benennen. Das sei die niedrigste Bedarfsanmeldung der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dabei hat die ARD schon Sparmaßnahmen durchgeführt. Trotzdem sind die Mehrausgaben im Programm- und Personalbereich um 1,1 Prozent und entsprechend 2,3 Prozent gestiegen. Für die Beitragszahler bedeutet das: Bis Ende 2014 wird der Beitragssatz bei 17,98 Euro pro Wohnung bleiben. Was danach passiert, ist offen. Spätestens im Frühjahr werden sie wissen, ob sie 2015 mehr Geld zahlen müssen - oder nicht. Quelle: dpa
Geld für SportJürgen Emig, der Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks, kassierte für angebliche Produktionskostenzuschüsse von Sportveranstaltern wie beim Radklassiker „Rund um den Henninger Turm“. 2008 wurde er wegen Bestechlichkeit und Untreue zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt und muss 1,1 Millionen Euro zurückzahlen. Quelle: dpa
„Wetten, dass..?“Christoph Gottschalk, Bruder des TV-Moderators Thomas, soll ohne Wissen des ZDF Millionen verdient haben, indem seine Firma Dolce Media Werbung für Unternehmen wie Daimler in der TV-Show unterbrachte. Thomas Gottschalk selbst wies Schleichwerbungs-Vorwürfe zurück. Quelle: dpa
Dicke Freunde„Fernsehgarten“-Moderatorin Andrea Kiewel muss 2007 beim ZDF gehen, weil sie PR-Verträge mit einer Diätproduktefirma hatte und deren Produkte vor der Kamera lobte. Inzwischen moderiert sie wieder. Quelle: AP
VetternwirtschaftUnter Pseudonym verkaufte Doris Heinze Drehbücher („Die Freundin der Tochter“) an den NDR. Der Haken: Zugleich war sie dort Fernsehspielchefin war. 2009 musste sie gehen. Quelle: dpa
Viel StoffAnfang 2012 geht Hans-Wolfgang Jurgan als Chef der ARD-Filmeinkaufsfirma Degeto, weil er das komplette Budget bis 2014 verplante, ohne dass Kontrollinstanzen einschritten. Die ARD muss bei der Degeto 24 Millionen Euro nachschießen. Quelle: dpa
KinderkanalEin im Sommer 2012 zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilter Ex-Herstellungsleiter des Kinderkanals zweigte jahrelang über Scheinrechnungen Millionen Euro ab. Der Fall ist jedoch noch nicht komplett aufgearbeitet. Die Erfurter Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen vier Beschuldigte, darunter auch gegen den bereits Verurteilten. Quelle: dpa

Zugleich wies das ZDF einen neuen Schleichwerbe-Vorwurf gegen „Wetten, dass..?“ zurück. Das "Handelsblatt“ und der "Spiegel“ hatten am Freitag berichtet, ZDF-Intendant Thomas Bellut habe die Öffentlichkeit über den Umgang mit Sponsoring-Verträgen zu Gewinnspielen in der Show 2009 und 2010 falsch informiert. Vorgaben zu Anmoderationen in Verträgen zwischen dem Stromanbieter Teldafax und Dolce Media seien in Teilen exakt umgesetzt worden - dies sei eine mögliche Plattform für Schleichwerbung gewesen.

Das ZDF betont dagegen: "Der Spot mit der Präsentation des Gewinnspielpreises von Teldafax wurde vom ZDF juristisch geprüft und abgenommen. Er entsprach den Richtlinien für die Präsentation von Gewinnspielpreisen.“ Die Umsetzung in der Sendung habe nur teilweise den Passagen entsprochen, die das "Handelsblatt“ zitiere und die das ZDF nicht kenne.


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