Schnelle Netze und Frequenzen Telekom muss Geld in die Hand nehmen

Tim Höttges ist in wenigen Wochen ein Jahr im Amt. Der Telekom-Chef hat den Konzern in ruhiges Fahrwasser gefahren. Doch große Herausforderungen stehen auf der Agenda.

So schön sieht WLAN aus
Zu Hause, im Büro und an öffentlichen Plätzen: WLAN ist überall. Aber wie sehen die Wifi-Strahlen eigentlich aus, haben sich der Tech-Blogger Nickolay Lamm und die Astrobiologin M. Browning Vogel Ph.D von der Nasa gefragt. Also griffen sie sich Bilder der Gegend um die Washingtoner National Mall und legten darüber Muster, wie das drahtlose Internet aussehen könnte. Wifi-Wellen haben eine gewisse Höhe und einen bestimmten Abstand zueinander. Er ist kürzer als bei Radiowellen und länger als bei Mikrowellen, sodass eine einzigartige Übertragung entsteht, die nicht durch andere Signale unterbrochen werden kann. Verschiedene Sub-Kanäle werden hier in verschiedenen Farben dargestellt. Quelle: gigaom.com
Die entstandenen Bilder zeigen eindrucksvoll, wie sich die unterschiedlichen Frequenzen der WLAN-Strahlen in der Öffentlichkeit verhalten. Hier werden die Impulse als bunte Kugeln visualisiert. Die Quelle ist rechts im Bild zu sehen. Jede Farbe steht für einen eigenen Ausschnitt aus dem elektromagnetischen Feld. Wifi-Felder sind meist sphärisch (wie hier) oder ellipsenförmig und erstrecken sich an öffentlichen Orten bis zu 300 Meter. Quelle: gigaom.com
Dieses Bild soll zeigen, dass die Impulse etwa sechs Zoll voneinander entfernt sind. Es wird auch deutlich, warum ein öffentlicher Platz nicht immer gleich gut mit Netz abgedeckt ist. Quelle: gigaom.com
Wifi-Antennen können an Bäumen, Laternenmasten oder auf Gebäuden befestigt werden. Mehrere Antennen können das komplette Gebiet um die National Mall abdecken. Das Internet legt sich hier wie eine Decke auf den Platz. Quelle: gigaom.com
Internetwellen sind überall - das machen uns die Bilder eindrucksvoll klar. Aber allen Berichten über schädliche Wirkungen zum Trotz: Sie sind einfach wunderschön. Quelle: gigaom.com

Netzausbau und schnelles Internet, ein scharfer Wettbewerb im Inland, Auktionen von Funkfrequenzen im Jahr 2015 und die Zukunft des US-Geschäfts: Auf Telekom-Chef Tim Höttges rollt in den kommenden Monaten eine Menge Arbeit zu. Seit Jahresanfang steht der 52-jährige Manager an der Spitze des Riesen, dessen Finanzen er zuvor mehrere Jahre lang zusammenhielt. Sein Ziel: „Wir wollen führender und wertvollster Telekommunikationsanbieter in Europa werden.“

Und dazu gehört vor allem die Infrastruktur. „Wir können Netz besser“, ätzte der Manager erst vor wenigen Tagen in der „Süddeutschen Zeitung“ gegen den Internetgiganten Google. An dem Unternehmen arbeitet sich Höttges ohnehin immer wieder gerne ab. Ihm missfällt, dass Telekom-Konzerne viel Geld in Netze investieren, andere aber mit ihren Diensten die Infrastruktur nutzen und den großen Reibach machen. Doch eine Alternative zum Netzausbau hat Höttges kaum. In Deutschland steht die Branche vor der Herausforderung, ihre Zusagen bei der flächendeckenden Versorgung der Haushalte mit einem schnellen Internetanschluss bis 2018 einzuhalten. Allein im kommenden Jahr sollen 8 Milliarden Euro in das schnelle Internet investiert werden. Davon will die Telekom allein die Hälfte tragen. Und dabei bleibt es nicht. Das Management muss auch dafür sorgen, dass Investitionsmittel für die Auslandstöchter der Telekom bereitstehen.

Das gilt vor allem für die Mobilfunktochter in den USA, die Höttges gern verkaufen würde, wenn der Preis stimmt. Doch auch nach mehreren Anläufen bleibt die Zukunft ungewiss. Der drittgrößte Anbieter des Landes Sprint ließ seine Ambitionen offenbar fallen, weil er erhebliche wettbewerbsrechtliche Probleme auf sich zukommen sah. Zuvor war schon AT&T mit dem Versuch gescheitert, T-Mobile US zu übernehmen. Die Aufsichtsbehörden stoppten den Deal. Zuletzt präsentierte die wenig bekannte französische Telefon- und Internetfirma Illiad eine Kaufofferte, blitzte damit aber bei der Telekom ab. Derzeit wird als ein Kaufinteressent nur noch der US-Satellitenbetreiber Dish gehandelt.

Dass die Telekom-Tochter mit einem rasanten Kundenwachstum seit einigen Monaten die Branche aufmischt, kommt Höttges nicht ungelegen. Denn das treibt den Kaufpreis hoch. Ohnehin sieht sich der Telekom-Chef in den USA nicht unter Verkaufsdruck und für eine Fusion oder Übernahme gut gerüstet. Allein im dritten Quartal verzeichnete T-Mobile USA 2,3 Millionen Neukunden. Einziger Wermutstropfen: Die aggressive Kundenakquise drückt die Ergebnisse ins Minus. Auch wenn Kundenzahlen und Umsätze stimmen, für Höttges ist der Fall USA keineswegs ein Zuckerschlecken: 2015 steht eine weitere Auktion von Funkspektren ins Haus, die dem Konzern teuer zu stehen kommen könnte. Bei einem rechtzeitigen Verkauf, würden dem Unternehmen die erwarteten milliardenschweren Ausgaben für den Erwerb von Spektren erspart bleiben.

In Arbeit
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Auch in Deutschland kommt es im Frühjahr zu einer weiteren Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen. Im zweiten Quartal sollen unter anderem die sogenannten GSM-Frequenzen für D-Netze und E-Netze in den Bändern 900 und 1800 Megahertz sowie möglichst auch das 700 Megahertz-Paket unter den Hammer kommen. Letzteres - auch digitale Dividende II genannt - ist ein wichtiger Baustein in der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Ob die Fernsehsender, die diese Bänder noch für DVB-T nutzen, rechtzeitig das 700er-Band räumen werden oder wollen, steht in den Sternen. Diese Frequenzen eignen sich besonders, um das schnelle Internet in entlegene Dörfer zu bringen. Für Höttges ist indes klar, dass Frequenzauktionen nicht dazu genutzt werden sollten, öffentliche Haushalte zu sanieren. „Je teurer die Auktion, umso später kommt die Infrastruktur, von der der Kunde auch etwas hat“, warnt der Telekom-Chef. Und sein Vorstandskollege Niek Jan van Damme forderte unlängst eine stärkere Subventionierung. Eine Überlegung dabei ist, Teile der Einnahmen aus den Auktionen wieder in den Breitbandausbau zu investieren.

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