Schwere Flugzeugunglücke Mehr Tote im Luftverkehr 2014

Gleich zwei Katastrophen trafen die Malaysia Airlines, kurz vor Jahresende lieferte AirAsia eine weitere Schreckensmeldung. Die Liste der sichersten Fluggesellschaften ist im Jahr 2014 kräftig durcheinandergeraten.

Wrackteile der in der Ukraine abgeschossenen MH17. Quelle: REUTERS

Eine Reihe schwerer Flugzeugunglücke hat 2014 die Zahl der Toten im kommerziellen Luftverkehr nach oben schnellen lassen. Flugunfallforschern zufolge kamen weltweit 970 Menschen ums Leben.

„Dies ist der zweithöchste Wert im Zehnjahresvergleich“, betont Jan-Arwed Richter, Mitbegründer des Hamburger Flugunfallbüros „Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre“ (JACDEC). Die Zahl liege nahezu viermal so hoch wie im Vorjahr, als 251 Menschen bei Flugunfällen ums Leben gekommen seien. Dies schreibt Richter in einem vorab veröffentlichten Beitrag für das Luftfahrtmagazin „Aero International“. Obwohl Fliegen weiter extrem sicher sei, bremse die Negativbilanz eine Serie von Jahren mit fallenden Opferzahlen.

Ein Land steht still für 40 Leichenwagen
Als die Flugzeuge landen, läuten die Kirchenglocken. Dann steht von Groningen bis Maastricht das Leben still. Züge und Busse stoppen, Radio und Fernsehen verstummen, in den Supermärkten wird nicht kassiert. Die Bürger bleiben auf den Straßen und an den Grachten stehen. Und über den Niederlanden fliegen in dieser Zeit keine Flugzeuge. Quelle: AP
Gleich neben den schweren Militär-Maschinen sitzen die Trauergäste: Das niederländische Königspaar (2.v.l.), Ministerpräsident Mark Rutte (r.), Minister, Abgeordnete und auch Vertreter aus den übrigen Herkunftsländern der 298 Opfer der Katastrophe. Quelle: dpa
Ein Trompeter bläst einen letzten Gruß. Dann herrscht Stille. Ein ganzes Land schweigt – eine Minute lang. Quelle: dpa
Der niederländische Außenminister Frans Timmermans (r.) tröstet Angehörige der umgekommenen Passagiere. Vor dem UN-Sicherheitsrat hatte er den schleppenden Verlauf der Bergungsaktion kritisiert: „Bis an mein Lebensende werde ich nicht verstehen, warum es so lange gedauert hat, bis den Rettern erlaubt wurde, ihre schwierige Arbeit zu machen und dass die Leichen von Menschen für ein politisches Spiel missbraucht wurden.“ Quelle: REUTERS
Die Ankunft der Opfer in den Niederlanden ist die erste Etappe auf einem langen Weg. Die Suche nach den Ursachen geht weiter, und dann wollen die Niederlande auch die Schuldigen vor Gericht bringen. Quelle: REUTERS
Für die Angehörigen ist nun ein Ende gekommen nach langen quälenden Tagen des politischen Geschachers um ihre Liebsten. Das ganze Land will ihnen zeigen, dass sie nicht alleine stehen. Tausende säumen die Straßen, über die die 40 Leichenwagen fahren. Quelle: dpa
Am vergangenen Donnerstag war Flug MH17 der Malaysia Airlines aus Amsterdam abgeflogen mit dem Ziel Kuala Lumpur. 15 Besatzungsmitglieder und 283 Passagiere an Bord - die meisten wollten in den Urlaub fahren. Wenige Stunden später stürzte die Maschine über der Ostukraine ab. Vermutlich von einer Rakete getroffen. Quelle: dpa
Eine Fahrt ins Ungewisse: Zunächst müssen die Opfer identifiziert werden. „Das kann manchmal schnell gehen, aber kann auch Wochen, vielleicht Monate dauern“, sagte Ministerpräsident Rutte. Erst dann können die Familien ihre Toten begraben. Und erst dann ganz privat, fern von den Kameras und der Weltpolitik trauern. Quelle: dpa

Die Unfälle wirbelten auch die JACDEC-Sicherheitsliste der 60 größten Fluggesellschaften durcheinander. So fiel die von zwei schweren Unglücken betroffene Malaysia Airlines von Platz 34 auf Rang 57. Während die Lufthansa unverändert ihren 12. Platz behauptete, rückte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin vom 26. auf den 20. Platz vor.

Als weltweit sicherste Airline gilt nach dieser neuen Liste Cathay Pacific aus Hongkong, vor den arabischen Emirates, der EVA Air aus Taiwan sowie Air Canada. Als sicherste europäische Fluggesellschaft folgt demnach nun die niederländische KLM auf Rang fünf - vor Air New Zealand und Australiens Qantas auf den Plätzen sechs und sieben.

Gleich zwei Katastrophen trafen die Fluggesellschaft Malaysia Airlines. Flug MH370 verschwand im März 2014 mit 239 Menschen an Bord - die Maschine ist bis heute verschollen. Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab, an Bord waren 298 Menschen. Kurz vor Jahresende traf es ein weiteres Flugzeug aus Asien: In Indonesien stürzte eine AirAsia-Maschine mit 162 Menschen in die Javasee.

„Von den betrachteten 60 größten Airlines mussten mehr als ein halbes Dutzend (Flugzeug-)Totalverluste hinnehmen“, heißt es in dem Beitrag für „Aero International“. Die JACDEC-Unfallforscher rechnen bei ihrer Wertung die Verkehrsleistung der Airlines gegen die Zahl der Zwischenfälle und Totalverluste der vergangenen 30 Jahre. Im deutschsprachigen Raum blieben die großen Fluglinien laut dem Bericht von ernsteren Vorfällen verschont.

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Von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hieß es, die hohe Zahl der Toten zeige, dass vor allem die weitere Verbesserung der Aus- und Weiterbildung enorm wichtig sei. „Gerade bei der weltweit steigenden Anzahl an Flügen appellieren wir an die Airlines, noch mehr Energie in das Crewtraining und die Sicherheit zu stecken“, sagte Martin Locher, Vorstandsmitglied der VC, der Deutschen Presse-Agentur. Die Sicherheitskultur aller großen deutschen Airlines lobte Locher ausdrücklich: „Hier haben Sicherheit und Pilotentraining oberste Priorität und man braucht sich überhaupt keine Sorgen zu machen.“

Bei der Zahl der Unfallopfer ragen Nordamerika und die Region Eurasia (inklusive Russland) positiv heraus: Dort gab es 2014 keine Flugunfall-Toten, die in der Statistik erfasst wurden. Für Lateinamerika kamen die Analytiker auf zehn Tote bei verunglückten Regionalflügen mit älteren Maschinen, für die Region Mittlerer Osten und Vorderasien auf 57.

Afrika blieb mit 18 Flugzeug-Totalverlusten und 134 Unfalltoten zwar ein Schwerpunkt, wurde aber von Europa abgehängt. Inklusive der über der Ukraine abgestürzten malaysischen Boeing 777 belegt die Region mit insgesamt 300 Unfalltoten nun den vorletzten Platz - vor dem asiatisch-pazifischen Raum, in dem sich im vergangenen Jahr zwei der vier schwersten Unglücke ereigneten.

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