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Sehnsucht Lockdown-Ende Diese Grafiken verraten, wie die Deutschen Pfingst- und Sommerurlaub planen

Geht's im Sommer wieder in die Ferne? Quelle: dpa

Nachdem für Reisekonzerne wie Tui das Ostergeschäft wegen der Corona-Beschränkungen weitgehend ausfällt, brauchen sie dringend mehr Buchungen zu Pfingsten und im Sommer. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Die Hoffnung auf Besserung könnte trüben.

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Wenn ein Unternehmenschef unerschütterlich optimistisch ist, dann Tui-CEO Fritz Joussen. „Unsere Buchungen für den Sommer sind auf einem ermutigenden Niveau“, sagte der Manager jüngst auf der Hauptversammlung von Europas größtem Reisekonzern. Besonders freute ihn, dass seine Kunden derzeit im Schnitt fast ein Viertel mehr für ihren Urlaub ausgeben als vor der Krise. Und damit endlich mehr Leute buchen, versprach er seiner Kundschaft: „Reisen in Europa wird im Sommer 2021 möglich sein – sicher und verantwortungsvoll.“ Darum verbreitet Joussen notgedrungen Zuversicht: „Es zeigt sich auf allen Vertriebskanälen das zunehmende Interesse an Urlauben in der Sommersaison.“ 

Doch seine Hoffnung bleibt wackelig. Aktuelle Zahlen des Reiseportals HomeToGo zeigen: Die Kunden suchen im Internet seltener als früher nach Reisen im Sommer und zu Pfingsten. Sie glauben offenbar nicht so recht an die Sommerfrische im Ausland. „Wir sehen einen klaren Trend zu innerdeutschen Zielen“, sagt Jonas Upmann von HomeToGo.

Zwar beziehen sich die Daten von HomeToGo vorwiegend auf Ferienwohnungen und Häuser. Doch sie gelten vom Trend her auch für den gesamten Markt. „Diese Kunden fahren im Schnitt eher mehr ins Ausland als normale Urlauber, weil sie den Aufenthalt in gemieteten Immobilien für sicherer halten als den in Hotels und ihre Zielgebiete meist schon sehr genau kennen“, so ein Vorstand eines Reiseunternehmens.



Weniger Interesse an der Badewanne

Die Vorliebe deutscher Urlauber für ihre Heimat trifft die Veranstalter hart. Denn während die Kunden ihre Auszeit rund um das Mittelmeer weitgehend bei Tui, der Rewe-Tochter DER, Alltours oder Lufthansa buchen, wenden sich Urlauber für ihre Deutschlandferien in der Regel an den Reiseriesen vorbei direkt an Hoteliers oder die Vermieter von Ferienunterkünften. 

Dabei brauchen die hochverschuldete Tui und ihre finanziell kaum gesünderen Wettbewerber in diesem Jahr eigentlich eine rekordverdächtige Buchungswelle im Sommer – möglichst schon an den Pfingsttagen. Wegen der Corona-Beschränkungen ist bereits das Geschäft zu Neujahr ausgefallen. Und weil die Unternehmen die guten Buchungen zu Ostern fast alle wieder stornieren mussten, bleibt auch der sonst erste wichtige Umsatzbringer der Saison minimal. Darum fehlt den Reisekonzernen bereits jetzt mindestens ein Viertel der Jahreseinnahmen. „Auch wenn die im allergünstigsten Fall 50.000 Urlauber auf Mallorca gerade für Schnappatmung sorgen: Weil das nur ein Schatten des bisherigen Geschäfts ist, macht es für die Branche fast keinen Unterschied“, sagt ein Vorstand eines Reiseunternehmens. 



Der Schwenk zur veranstalterfreien Freizeit im eigenen Land ist in diesem Jahr gewaltig. Reisten vor der Krise bis zu zwei Drittel während der schönsten Wochen des Jahres ins Ausland, planen das laut HomeToGo im kommenden Sommer lediglich gut 40 und zu Pfingsten sogar nur 30 Prozent. Da ist es ein schwacher Trost, dass die Deutschen in diesem Jahr noch die treuesten Auslandsreisenden sind. In Italien und Spanien interessieren sich nur zehn Prozent für Ferien in der Fremde. Das ist nicht mal ein Drittel des Anteils vor der Krise. Mit 20 Prozent kaum besser sind die Anteile in Frankreich und sogar in Großbritannien – trotz der Impfungen.



Finnland statt Südafrika

Das geringere Interesse an Ferien in der Fremde verteilt sich dabei recht ungleich. So verzeichnen einige Länder sogar ein deutlich höheres Interesse. Nach einem Sommer in Dänemark suchen rund fünf Prozent mehr Menschen als im vorigen Jahr und bei Norwegen und Finnland lag das Interesse stellenweise sogar 20 Prozent über Vorjahr. Auf den Malediven, wo es wenig Coronafälle gibt und sich Urlauber nach einem Test und kurzer Quarantäne meist ohne Maske bewegen dürfen, sind es gut vier Prozent mehr. Dafür sorgt nicht zuletzt, dass einige prominente Manager wie der österreichische Verleger Christian Mucha die Inselgruppe zum Langzeit-Homeoffice nutzen.



Dagegen ist das Interesse an den USA um 64 Prozent und an Thailand sogar um 73 Prozent gefallen. Für Indonesien und das zuletzt vergleichsweise sichere Südafrika interessiert sich derzeit fast gar kein Urlauber. Auch innerhalb der Länder sind die Unterschiede relativ groß. Während in Italien die mit dem eigenen Auto gut erreichbaren Regionen im Norden um Comer See und Gardasee nur um 20 Prozent abgesackt sind, liegt der Rückgang bei den Inseln wie Sardinien bei mehr als zwei Dritteln. 



Ganz aufgeben sollten die Veranstalter die Hoffnung auf ein gutes Sommergeschäft jedoch noch nicht, beruhigt HomeToGo-Manager Upmann. „Wir rechnen damit, dass es kurzfristig viele weitere Buchungen geben wird, sobald es ein klares Konzept gibt, unter welchen Voraussetzungen gereist werden darf.“

Mehr zum Thema: Urlaube im Wohnmobil waren im vergangenen Sommer gefragt wie nie. Das beflügelt Start-ups, die den Trend frühzeitig erkannt haben. Trotz Coronasorgen gehen sie mit großem Selbstbewusstsein in die neue Saison.

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