Sicherheitspersonal Warnstreiks an deutschen Flughäfen

Warnstreiks an deutschen Flughäfen: Mehrere hundert Mitarbeiter des Sicherheitspersonals haben am Montagmorgen vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt. Das Resultat: Verspätungen und lange Schlangen.

Die größten Airport-Pannen
Berlin Quelle: dpa
Athen
Bangkok Quelle: dpa
Denver Quelle: AP
Hongkong Quelle: AP
Kuala Lumpur Quelle: REUTERS
Paris Quelle: AP
London Quelle: AP

Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals haben am Montagmorgen an mehreren deutschen Flughäfen für Verspätungen gesorgt. Die Gewerkschaft Verdi hatte in der Nacht überraschend zu den Aktionen aufgerufen. Mehrere hundert Mitarbeiter legten vorübergehend ihre Arbeit nieder. Den Anfang machten etwa 250 Mitarbeiter in Köln-Bonn, Düsseldorf und Stuttgart, wie Verdi-Verhandlungsführer Andreas Sander berichtete. Hintergrund der Aktion sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.

Insgesamt erwarteten die Gewerkschafter etwa 1000 streikende Mitarbeiter in Deutschland. Zum Sicherheitspersonal zählen unter anderem die Mitarbeiter bei den Gepäck- und Personenkontrollen.

Am größten deutschen Airport in Frankfurt sorgte der Warnstreik zunächst nicht für Behinderungen. „Wir haben definitiv keine Streikauswirkungen“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Morgen. Verdi hatte hier etwa 80 Mitarbeiter von 6 Uhr bis 10 Uhr zum Warnstreik aufgerufen.

So sicher sind deutsche Flughäfen
Berlin-Schönefeld (0 Mängelpunkte)Der Hauptstadtflughafen sorgt diesmal nicht für Negativschlagzeilen. Alles sicher, die Prüfer der Vereinigung Cockpit hatten nichts zu beanstanden. Damit landen die Berliner im Sicherheitsranking der Pilotenvereinigung Cockpit auf einem Spitzenplatz. Der Berufsverband setzt sich dafür ein, dass auch weiterführende Sicherheitsempfehlungen eingehalten werden, um das Unfallrisiko zu minimieren. Die International Civil Aviation Organization (ICAO), die Luftfahrtabteilung der Vereinten Nationen, enthält 14 Vorschriften zum Bau und zur Ausrüstung eines Flughafens. An diese Vorschriften halten sich die meisten Flughäfen. Die darin enthaltenen weiterführenden, sicherheitsrelevanten Empfehlungen werden jedoch oft vernachlässigt. Quelle: dpa
Leipzig/Halle (0 Mängelpunkte)Viele Berliner wünschen sich den Flughafen im Osten als Ausweichflughafen. Beim Thema Sicherheit spielen die Flughäfen in der gleichen Liga: Auch hier hatten die Prüfer keine Mängel feststellen können. Quelle: dpa
München (0 Mängelpunkte)In der bayrischen Landeshauptstadt kochte zuletzt der Streit über Fluglärm hoch. Der Bau einer dritten Landebahn wurde abgesagt. Bei Sicherheit gibt es nichts zu meckern: Auch der Flughafen in der bayerischen Hauptstadt hat den diesjährigen Test der Vereinigung Cockpit ohne Mängel überstanden. Quelle: dpa
Stuttgart (0 Mängelpunkte)Mit schwäbischen Sorgfältigkeit wurde auch das Sicherheitskonzept der baden-württembergischen Landeshauptstadt umgesetzt. Auch der Schwaben-Airport gehört zu den vier deutschen Flughäfen, bei denen es sicherheitstechnisch nichts zu beanstanden gibt. Quelle: dpa
Düsseldorf (2 Mängelpunkte)Anders sieht es am größten Flughafen Nordrhein-Westfalens aus. Ein fehlendes Dockingsystem hat die Rheinmetropole den ersten Platz gekostet. Ansonsten werden auch die weitergehenden Sicherheitsempfehlungen alle befolgt. Quelle: dpa
Frankfurt am Main (2 Mängelpunkte)Auch hier das gleiche Problem wie in Düsseldorf: An Deutschlands größten Flughafen fehlt ein redundantes Dockingsystem, deswegen gibt es zwei Punkte Abzug. Im Sicherheitsranking ist der Flughafen damit immer noch weit vorne. Quelle: dapd
Erfurt (3 Mängelpunkte)Der Erfurter Flughafen verfügt über keine bzw. nur teilweise über sogenannte Runway Guard Lights (Beleuchtung links und rechts der Start- und Landebahn). Deswegen gab es drei Negativpunkte. Positiv bewerten die Prüfer, dass seit dem letzten Test an beiden Bahnköpfen Windsäcke aufgestellt wurden. Quelle: ZB
Frankfurt/Hahn (3 Mängelpunkte)Aus dem Hunsrück begann Ryanair seine Expansion in Deutschland. Im Sicherheitstest fanden die Piloten einige Mängel. Hier fehlen auf der Piste die Aufsetzzonenlichter, weswegen drei Punkte abgezogen wurden. Ansonsten ist der Flughafen Frankfurt/Hahn in tadellosem Zustand. Quelle: dpa
Karlsruhe/Baden-Baden (3 Mängelpunkte)Auch in der Südbasis von Ryanair gibt es ähnliche Probleme. Auch hier fehlen die Aufsetzzonenlichter (TDZ-Lights), deswegen der Punktabzug. Sonst hatte die Vereinigung Cockpit nichts zu beanstanden. Quelle: dpa
Nürnberg (3 Mängelpunkte)In Franken halten sich die Probleme ebenfalls in Grenzen: Hier vermissten die Prüfer die Aufsetzzonenlichter und die Mittellinienbeleuchtung. Ansonsten war alles ok. Quelle: dpa
Bremen (5 Mängelpunkte)Mit hanseatischer Gelassenheit in Bremen ist es vorbei. Die Prüfer fanden gleich mehrere Mängel: Runway Guard Lights (Beleuchtung entlang der Startbahn) waren an diesem Flughafen nicht beziehungsweise nur teilweise angebracht (3 Punkte Abzug) und beleuchtete Windsäcke an jedem Bahnkopf waren ebenfalls nicht vorhanden (2 Punkte Abzug). Quelle: ap
Dresden (6 Mängelpunkte)Der zweite sächsische Großflughafen weist ebenfalls Mängel auf: Auch hier vermisste die Vereinigung Cockpit die Runway Guard Lights, was drei Punkte Abzug bedeutete. Zudem fehlte die Aufsetzzonenbeleuchtung (3 Minuspunkte). Quelle: ap
Dortmund (9 Mängelpunkte)Diese Punkte hätte man sich in der Fußballhauptstadt Dortmund lieber gespart: Auf dem Flughafen fehlte eine vollständige RESA (Runway End Safety Area) von 240 Metern (120 Meter bei Landebahnlänge unter 1.200 Meter, Code 2) und doppelter Landebahnbreite, (bzw. alternativ ein EMAS, Engineered Material Arresting System). Das gab vier Punkte Abzug. Runway Guard Lights gab es auch hier nicht, genauso wenig wie ein redundantes Dockingsystem. Quelle: dpa
Hamburg (9 Mängelpunkte)Ein wichtiges Sicherheitskriterium für die Vereinigung Cockpit die Wahl einer aus Pilotensicht günstigsten Bahn. In Hamburg wurde der Landeanflug aus aus umweltpolitischen- bzw. Lärmschutzgründen umgelegt. Zudem fehlten Aufsetzzonenlichter sowie ein ein redundantes Dockingsystem. Quelle: dpa
Hannover (9 Mängelpunkte)Die Niedersachsen klagen über ähnliche Mängel. An diesem Flughafen fehlen eine vollständige RESA (Runway End Safety Area), die Randmarkierung (Edge) der Start- und Landebahn sowie ein beleuchteter Windsack an jedem Bahnkopf. Quelle: dapd
Köln/Bonn (9 Mängelpunkte)Auch in der Rheinmetropole darf der Pilot nicht die günstigste Bahn wählen, wenn dies aus umweltpolitischen oder Lärmschutzgründen nicht erwünscht ist. Außerdem fehlen die Aufsetzzonenbeleuchtung sowie die unverkürzte Anflugbefeuerung von 900 Metern (ALS). Immerhin ist das Dockingsystem nun redundant. Auch die wenig genutzte Südbahn wurde aufgerüstet. Quelle: dpa
Münster/Osnabrück (9 Mängelpunkte)Hier fehlen eine vollständige RESA (Runway End Safety Area) von 240 Metern, eine Aufsetzpunkt- sowie Aufsetzzonenmarkierung der Start- und Landebahn und die unverkürzte Anflugbefeuerung von 900 Metern (ALS). Quelle: dpa
Saarbrücken (9 Mängelpunkte)Im kleinsten deutschen Bundesland ist Flughafen ebenfalls nicht fehlerfrei. Hier fehlen eine vollständige RESA (Runway End Safety Area) von 240 Metern, die Aufsetzzonenlichter sowie die unverkürzte Anflugbefeuerung von 900 Metern (ALS). Quelle: dpa
Sylt (9 Mängelpunkte)Wo die Schönen und Reichen landen, ist nicht nur heile Welt: Stopbars sind am Sylter Flughafen nicht oder nur teilweise vorhanden (3 Punkte Abzug), die Aufsetzzonen- und Mittellinienlichter fehlen genauso wie die Mittellinienbefeuerung (Taxiway-Centreline-Lights). Quelle: picture-alliance/ dpa
Weeze (9 Mängelpunkte)Einst starteten hier die britischen Kampfjets. Mittlerweile Militärflughafen fehlt aus Sicht der Vereinigung Cockpit eine vollständige RESA (Runway End Safety Area) von 240 Metern, Runway Guard Lights und die unverkürzte Anflugbefeuerung von 900 Metern (ALS). Quelle: ap

Auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld führte der Warnstreik zu Flugausfällen und Verspätungen. Es beteiligten sich jeweils etwa 100 Mitarbeiter an dem Ausstand, sagte Verdi-Sprecher Jürgen Stahl. In Tegel fielen der elektronischen Fluginformation zufolge 14 Flüge aus. Wie viele davon jedoch auf die Witterung zurückzuführen waren, war zunächst unklar. In Schönefeld gab es bei der Abfertigung Verspätungen von bis zu einer Stunde.

In Hamburg gab es lange Schlangen, die Terminals waren voll. Zunächst waren nur zwei von 16 Kontrollstellen geöffnet, wie eine Sprecherin des Flughafens sagte. Flugzeuge hoben mit leichten Verzögerungen ab.

Auch an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen mussten Passagiere längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Wie ein Sprecher des Flughafens Köln/Bonn am Morgen berichtete, konnte während des Streiks bis 7.00 Uhr nur eine Kontrollstelle geöffnet werden. Es waren jedoch nur wenige Flüge betroffen. In Düsseldorf gab es ebenfalls eingeschränkte Fluggastkontrollen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Bundesweit vertritt Verdi im Sicherheitsbereich 15 000 Beschäftigte. In den Verhandlungen macht sich die Gewerkschaft unter anderem für geregelte Dienstpläne, unbefristete Arbeitsplätze und gerechte Löhne stark. „Die Kolleginnen und Kollegen haben ein Anrecht auf Planbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit - das ist jedoch ohne geregelte Dienstpläne und Schichtsysteme nicht möglich“, kritisierte Verdi-Verhandlungsführer Andreas Sander in einer Mitteilung.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%