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Sicherheitstechnik Mit Alarmanlagen und DNA-Paste gegen Einbrecher

Etwa alle vier Minuten brechen Diebe in Deutschland eine Wohnung auf. Noch bevor Innenminister Friedrich die neueste Kriminalitätsstatistik vorlegt, dringen Opferschützer auf mehr Vorbeugung.

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In Deutschland wird immer öfter in Wohnungen eingebrochen. Der Schaden pro Einbruch liegt bei rund 3000 Euro. Quelle: dpa

Opferschützer haben Politik und Wirtschaft zu mehr Vorbeugung gegen Kriminalität aufgerufen. Die Organisation Weißer Ring reagierte mit dieser Forderung auf vorab bekanntgewordene Zahlen zu Wohnungseinbrüchen in Deutschland. Die Zeitung „Welt am Sonntag“ hatte unter Berufung auf die neueste Kriminalitätsstatistik der Polizei berichtet, die Zahl der Einbrüche sei 2012 verglichen mit dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf 144.117 gestiegen. Das entspräche einem solchen Delikt alle dreieinhalb Minuten.

„Die psychischen Folgen von Wohnungseinbrüchen werden total unterschätzt“, sagte Weißer-Ring-Sprecher Veit Schiemann der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in Mainz. „Viele Bestohlene verlieren das Vertrauen in ihre Wohnung. Oft haben sie auch Angst, dass der Einbrecher wieder kommt oder jemanden schickt. Die Folgen können von Schlafstörungen bis zu schweren Traumata reichen.“

Wertgegenstände auflisten und fotografieren

Schiemann forderte Politik und Wirtschaft auf, mehr für Vorbeugung zu tun: „In Deutschland wird nicht mal ein Euro pro Bürger und Jahr für die Prävention vor Kriminalität ausgegeben.“ Anbieter von Sicherheitstechnik könnten über günstigere Angebote nachdenken. „Die Wohnungen in Deutschland sind nicht gut gesichert“, sagte der Sprecher. Dabei sei die polizeiliche Beratung dafür kostenlos.

Schiemann riet Wohnungsinhabern, ihre Wertgegenstände für den Fall der Fälle zu fotografieren und schriftlich aufzulisten. Empfehlenswert sei auch, eine unsichtbare Sicherheitspaste aufzutragen. „Die hat eine DNA zum Identifizieren der Gegenstände“, erklärte der Sprecher des Weißen Rings.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will die neuen Zahlen der Polizei am Mittwoch vorstellen. Sein Ministerium wollte sich am Samstag nicht zu den Zahlen äußern. Laut „Welt am Sonntag“ (WamS) waren im vergangenen Jahr mehr als 61.000 Einbrecher tagsüber gekommen (plus 9,5 Prozent). Die Zahl der Raubüberfälle in Wohnungen habe mit 3025 Fällen um 3,9 Prozent zugenommen. Zugleich würden nur wenige Einbrüche aufgeklärt - bundesweit nur 15,7 Prozent.

"Eldorado für Einbrecher"

Die Täter bleiben meist unerkannt. Quelle: dpa

Besonders stark ist die Zahl der Wohnungseinbrüche den Angaben zufolge in Niedersachsen gestiegen: plus 24 Prozent binnen Jahresfrist. Deutlich über dem Bundesschnitt liege auch Brandenburg mit 17 Prozent mehr Einbrüchen sowie Hamburg (plus 9,4 Prozent) und Berlin (plus 11,7 Prozent). In der Hauptstadt trifft es laut „WamS“ immer öfter die Bewohner von Villen und Einfamilienhäusern - dort habe der Zuwachs 2012 bei 32 Prozent gelegen.

Unterhaltungselektronik ist besonders beliebt

„Die neuesten Zahlen sind alarmierend. Die Kosten für Einbruchschäden haben mit rund 470 Millionen Euro einen neuen Rekord erreicht“, sagte der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg von Fürstenwerth, dem Blatt. Das seien 50 Millionen Euro oder zwölf Prozent mehr als 2011. Die Schadenssumme sei hoch, weil sich „in immer mehr Haushalten teure elektronische Geräte wie Laptops, Tablet-PCs und Smartphones befinden“. Im Schnitt liege die Schadenssumme bei 3300 Euro pro Einbruch (Vorjahr 3050 Euro).

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Die Täter bleiben dem Bericht zufolge meist unerkannt. Während die Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität 54,4 Prozent (minus 0,3 Prozent) betrage, liege sie beim Wohnungseinbruch nur bei 15,7 Prozent (minus 0,5 Prozent). Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bezeichnet Deutschland als „Eldorado für Einbrecher“. „Die Täter gehen weiterhin glücklichen Zeiten entgegen“, sagte der Vorsitzende André Schulz der „WamS“. Ein Grund dafür seien Personaleinsparungen.

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