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Siemens Quartalszahlen Für Kaeser wird die Zeit knapp

Um das Margenziel für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen, braucht Siemens bis Ende September einen kräftigen Schlussspurt.

Die Baustellen im Siemens-Konzern
Seit 1. August 2013 steht der ehemalige Finanzvorstand an der Siemens-Spitze. Sein Vorgänger Peter Löscher hinterließ ihm einen Berg von Problemen. Der Konzern hat sich zu weit von seinen Kunden entfernt, ist unübersichtlich und bürokratisch geworden. Siemens blockiert sich selbst. Kaeser will Siemens wieder schlanker und schlagkräftiger machen. Der Umbau soll Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro bringen. Quelle: dpa
Helme mit der Aufschrift "Siemens" Quelle: dapd
Kaeser will sich von der Einteilung des Geschäfts in vier Sektoren mit insgesamt 16 Divisionen verabschieden und stattdessen die Aktivitäten des Konzerns in acht oder neun Divisionen bündeln. Bisher gab es vier Vorstände für vier Sektoren: Siegfried Russwurm (Industrie), Hermann Requardt (Medizintechnik), Roland Busch (Infrastruktur) und Michael Süß (Energie). Energievorstand Michael Süß verlässt das Unternehmen. Auf ihn folgt Shell-Managerin Lisa Davis. Quelle: dpa
Süß wird vor allem vorgeworfen, dass er zu lange nur auf große Gaskraftwerke setzte. Siemens muss nun teuer zukaufen, um die Lücken im Produktportfolio zum Beispiel bei kleineren Gasturbinen zu füllen. Doch das ist nicht das einzige Problem. Quelle: dpa
Im Geschäft mit großen Windkraftanlagen für die Offshore-Parks auf See ist Siemens zwar Weltmarktführer, doch die Anbindung der Parks ans Stromnetz auf dem Land hat in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt. Für schlechte Presse beim Thema Windkraft sorgte zudem im Sommer 2013 ein Unfall in den USA. Im Siemens-Windpark Ocotillo in Kalifornien löste sich ein mehr als 50 Meter langes und elf Tonnen schweres Rotorblatt und fiel auf die Straße. Im April ereignete sich ein ähnlicher Unfall an einem Windrad im US-Staat Iowa. Siemens musste deshalb eine ganze Modell-Charge nacharbeiten, was den Konzern laut Insidern etwa 100 Millionen Euro gekostet haben soll. Der Imageschäden dürfte ungleich größer sein. Doch es zeigt bereits der berühmte Silberstreif am Horizont: Siemens wird 101 Turbinen für einen Meereswindpark in den Staaten liefern sowie deren Wartung übernehmen. Hinzu kommen 448 Anlagen an Land. Auftragsvolumen: rund 2,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Wenn Siemens-Chef Joe Kaeser gen Osten blickt, sieht er vor allem eins: großen Nachholbedarf. Von den Boomstaaten in Asien profitiert Siemens bisher nicht so stark wie andere Technologiekonzerne. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Siemens in Europa, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Diese Regionen stehen für 54 Prozent des Konzernumsatzes - allein acht Prozentpunkte davon erwirtschaften die Münchener in Deutschland. Auf dem amerikanischen Kontinent entstehen 27 Prozent des Umsatzes, davon 14 Prozentpunkte in den USA. Nur 19 Prozent des Umsatzes macht Kaeser in Asien und Australien. Quelle: REUTERS
Im Zuggeschäft reiht sich eine Panne an die nächste. Die Auslieferung der von Siemens produzierten ICEs verzögert sich nun schon über zwei Jahre. Die ersten von 16 ICE sind mittlerweile zugelassen, aber bisher nur für Fahrten auf dem deutschen Schienennetz freigegeben. Eigentlich sollten sie schon 2011 einsatzbereit sein. Dann tauchten Probleme mit dem Steuerungsprogramm der Züge auf. Einige Züge wurden geliefert, jedoch nicht in der bestellten Menge. Ein endgültiger Liefertermin für die restlichen Züge steht noch nicht fest. Quelle: dapd

In den zurückliegenden zwei Jahren seit seinem Antritt als Siemens-Chef hat Joe Kaeser dem Konzern einen beispiellosen Umbau verordnet. Wichtige Sparten wie die Hörgeräte und die Hausgeräte hat er verkauft. Für mehr als sieben Milliarden Dollar hat er Dresser-Rand, einen amerikanischen Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie gekauft. Hierarchieebenen hat Kaeser gestrichen, die Aufteilung des Unternehmens in vier Sektoren hat er aufgehoben, obendrein gut 13.000 Arbeitsplätze abgebaut. Kaeser werkelt überall, und doch tritt der Konzern auf der Stelle. Der Umsatz stagnierte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres, der Auftragseingang ist rückläufig.

Das Jahr der Konsolidierung sei das Jahr 2015, hat Kaeser gesagt, doch allmählich werden die Investoren ungeduldig. Der Kurs der Siemens-Aktie stagnierte in den vergangenen zwölf Monaten, während der Dax um 15 Prozent zulegen konnte. Im industriellen Geschäft werde Siemens im Ende September endenden Geschäftjahr eine Marge zwischen zehn und elf Prozent erwirtschaften, hat Kaeser versprochen. In den neun Monaten bis Ende Juni lag sie allerdings nur bei 9,6 Prozent. Da ist in den kommenden acht Wochen noch ein kräftiger Spurt nötig, um die Zielmarke zu erreichen. Schon werden böse Erinnerungen an den Sommer 2013 wach, als Kaesers Vorgänger Peter Löscher nach einer Gewinnwarnung seinen Posten räumen musste.

Die Siemens-Sparten im Vergleich

Siemens ist nach wie vor zu sehr mit sich selbst beschäftigt, arbeitet an Strukturen, statt sich aufs Geschäft zu konzentrieren. Sicher, der Konzern hat in der jüngsten Vergangenheit einige Großaufträge wie zuletzt den Milliardenauftrag über mehrere Turbinen in Ägypten hereingeholt. Auch hat Siemens in den vergangenen Monaten in einem insgesamt schwierigen Umfeld eine Reihe von Gastrubinen in den USA und Mexiko verkauft. Das Gefährliche allerdings: Seit Frühjahr 2012  hat der mächtige Konkurrent GE sich in Europa und insbesondere in Deutschland komplett neu sortiert und bläst zum Sturm auf den Platzhirsch.

Als wäre diese Gemengelage nicht schwierig genug, kommen für Kaeser nun noch negative Einflüsse dazu, die er nicht beeinflussen kann. So dümpelt der Ölpreis bei rund 50 Dollar pro Fass, mit der Folge, dass wichtige Ölförderer in großem Stil Investitionen auf Eis legen. Das schlägt auf das Siemens-Geschäft mit Ausrüstungen und Anlagen zur Förderung durch.

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Dazu kommt die schwächelnde Konjunktur in China, wo Siemens zuletzt fast neun Prozent seines Umsatzes erwirtschaftete. Zwischen Oktober 2014 und Juni des laufenden Jahres schrumpfte der Auftragseingang aus China  währungsbereinigt um 17 Prozent, der Umsatz um ein Prozent. „Die Dynamik des Wachstums in China hat deutlich abgenommen“, sagt Kaeser, „und die Reformbemühungen sind ins Stocken geraten.“ Das einstige Boomland sieht der Siemens-Chef inzwischen kritisch. Viel Geld sei in die Infrastruktur geflossen. „Doch ist das alles nachhaltig?“, fragt sich Kaeser.

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