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Siemens-Umbau Die Führung wichtiger Unternehmensbereiche zieht ins Ausland

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Konzernumbau soll das Umsatzwachstum beschleunigen und die Rendite steigern

Als Kandidat auf Kaesers Nachfolge gilt nun der bisherige Technologie-Vorstand Roland Busch. Der 53-Jährige übernimmt zum 1. Oktober als Chief Operating Officer (COO) die Verantwortung für das komplette Tagesgeschäft. Diese Position gab es bei Siemens bisher nicht. Daneben bleibt Busch für die Zug-Sparte Siemens Mobility zuständig, die mit dem französischen Rivalen Alstom fusioniert werden soll.

Der Ende Juli 2019 auslaufende Vorstandsvertrag der Chefin des Energie- und Gas-Geschäfts, Lisa Davis, soll verlängert werden, wie der Aufsichtsrat beschloss. Die 54-Jährige galt als Wackelkandidat im Vorstand. Nun behält sie die Verantwortung für die vergrößerte Sparte "Gas and Power". Formal soll die Verlängerung im Spätherbst beschlossen werden. Damit bleibt der achtköpfige Vorstand komplett im Amt. "Dieses erfahrene Team wird es uns ermöglichen, das Siemens der nächsten Generation zu formen", erklärte der neue Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

Mit dem weiteren Umbau des Konzerns will Vorstandschef Joe Kaeser das Umsatzwachstum beschleunigen und die Rendite steigern. Mittelfristig wird eine operative Marge von 13 bis 14 Prozent angestrebt, wie Siemens am Mittwoch mitgeteilt hatte. Der Umsatz soll dann um vier bis fünf Prozent pro Jahr wachsen. Mit der "Vision 2020+", mit der mehr Verantwortung auf die drei vergrößerten Industriesparten verlagert wird, bereitet Kaeser den Konzern auf die Zeit nach dem Auslaufen seines Vertrages Anfang 2021 vor.

Die Pläne für einen Konzernumbau werden von den Händlern als positiv gewertet. Anleger hatten Siemens am Donnerstag trotz des Gewinnanstiegs im vergangenen Quartal den Rücken gekehrt.

Die Aktien des Industriekonzerns rutschten um bis zu vier Prozent auf 115,00 Euro ab und waren größter Verlierer im Dax, der gut ein Prozent im Minus lag. Es war der größte Kursrutsch bei Siemens seit sechs Monaten. Auf den ersten Blick sähen die Quartalszahlen und die Auftragseingänge gut aus, sagte ein Händler. Allerdings hätten einige Marktteilnehmer auf eine Anhebung der Prognose für das Ergebnis je Aktie gesetzt. Siemens rechnet bei dieser Kennzahl weiterhin mit 7,70 bis 8,00 Euro. Nach neun Monaten liegt der Konzern mit 6,43 Euro um zehn Prozent über dem Vorjahr.

Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research fügte hinzu, der Umsatz von Siemens liege leicht unterhalb der Erwartungen, beim Nachsteuerergebnis habe der Konzern die Analystenprognosen aber übertroffen. "Auch der Auftragseingang ist gut. Das ist für die künftige Entwicklung wichtig. Interessanterweise hat sich hier die Energiesparte, die vor den größten Einschnitten steht, am besten entwickelt."

Für Beunruhigung an den Börsen sorgten auch Aussagen von Finanzvorstand Ralf Thomas, dass sich die Investitionsdynamik wegen der weltweiten Handelsstreitigkeiten eintrüben könnten. Siemens ist stark vom Export abhängig, die USA sind der größte Markt für das Technologie-Unternehmen. Verlässliche Rahmenbedingungen für den Welthandel seien unerlässlich für das Vertrauen der Kunden und das Wirtschaftswachstum, sagte Thomas. US-Präsident Donald Trump droht vor allem Europa und China mit Zöllen, Gegenmaßnahmen könnten einen weltweiten Handelskrieg auslösen.

Siemens sieht sich derweil trotz Gegenwinds durch den starken Euro auf Kurs. Mit einem Ergebnis aus dem Industriegeschäft von 2,2 Milliarden Euro übertraf der Münchner Industriekonzern im dritten Quartal nicht nur den Vorjahreswert um zwei Prozent, sondern auch die Erwartungen der Analysten. Währungseffekte knabberten am Umsatz und am Auftragseingang, wie Siemens am Donnerstag mitteilte. Die neuen Orders lagen zwischen April und Juni mit 22,8 Milliarden Euro um 16 Prozent über Vorjahr, ohne den schwachen Dollar wären es 21 Prozent mehr gewesen. Der Umsatz ging wegen der ungünstigen Wechselkurse um vier Prozent auf 20,5 Milliarden Euro zurück.

Besonders gut lief es in der "Digitalen Fabrik", die ihr operatives Ergebnis um 54 Prozent steigerte und mit 681 Millionen Euro den größten Beitrag aller Sparten ablieferte. Unter Druck blieb dagegen das Geschäft mit der konventionellen Energie- und Gas-Industrie: In der vor einem Stellenabbau stehenden Sparte brach das Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 164 Millionen Euro ein, der Umsatz ging um ein Fünftel zurück. Einige Großaufträge schoben den Auftragseingang um 42 Prozent an.

Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. Das Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war unter anderem auf eine stark gestiegene Steuerquote zurückzuführen. Für das Gesamtjahr 2017/18 (per Ende September) erwartet Siemens weiterhin ein Ergebnis je Aktie von 7,70 bis 8,00 Euro. Nach neun Monaten liegt der Konzern mit 6,43 Euro um zehn Prozent über dem Vorjahr. Der Umsatz soll - Währungseffekte ausgenommen - leicht steigen. Die operative Umsatzrendite im Industriegeschäft wird zwischen elf und zwölf Prozent erwartet. Nach neun Monaten lag sie mit 10,9 (Vorjahr: 11,7) Prozent knapp unter der Zielmarke.

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