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Silvester Das europäische Chaos beim Raketen-Verkauf

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Gemeinsames Siegel, getrennte Handhabe

Das Riesenrad am Prater in Wien in der Silvesternacht. Quelle: dpa

Das ist auch eines der Anliegen, die Heinz Swart aus dem Hause Comet verfolgt. Der gelernte Schiffs- und studierte Maschinenbauer sitzt immer wieder mit anderen Fachleuten als Berater für die Europäische Kommission zusammen. „Dabei geht es vor allem um die Sicherheit der Kunden.“ Und so streitet er sich mit seinen europäischen Kollegen nicht nur über Schallgrenzen, Altersbegrenzungen und Klassifizierungen. Er diskutiert auch Vorschläge, wie die Pyrotechnik sicherer konstruiert werden kann. „Bei den Batterie- und Verbundfeuerwerken haben wir eine Art Notfallzündschnur eingeführt, die so genannte Ersatzanzündschnur“, sagt er. Versagt eine Batterie, kann die Ersatzanzündschnur gezündet werden und der Feuerwerkskörper brennt seine Effekte komplett ab.

Heinz Swart fährt selbst immer wieder in das Werk in China, wo er mit 50 Mitarbeitern dafür sorgt, dass die Qualität in den Fabriken stimmt. Dort werden fast ausschließlich in Handarbeit die Feuerwerkskörper hergestellt. Über 2000 Qualitätsprüfungen hat er im Jahr 2012 koordiniert, damit die Ware aus Fernost auch ohne Fehler im Frühsommer in Bremerhaven ankommt. "Ich bin so oft in China, da sind die wenigen europäischen Treffen zeitlich gesehen Peanuts", sagt er lachend.

Inzwischen haben sich EU-Länder immerhin auf ein gemeinsames Gütesiegel geeinigt. Alle Knaller, Raketen und Co. werden seit Juli 2010 überprüft und erhalten die Markierung "CE". In Deutschland gibt es noch ein weiteres Qualitätssiegel, die Identifikationsnummer der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung ("BAM"). Für Feuerwerksfreunde in Deutschland gilt es, darauf zu achten, dass beide Zeichen auf der Packung zu finden sind. Zudem gibt es noch das sogenannte VPI-Zeichen vom Verband der Pyrotechnischen Industrie.

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Die europäischen Richtlinien und die regionale Handhabe dieser haben immer wieder Auswirkungen auf die Produktionsweisen der Anbieter. Zum Teil auch positive für Unternehmen wie Kunden: So wurde zum Beispiel 2005 erstmals zugelassen, Feuerwerkskörper miteinander zu verbinden. Das machte die Produktion erster Verbundfeuerwerke möglich, die heute von den Kunden besonders gerne gekauft werden. Bei Comet stellen die Feuerwerksbatterien und -kombinationen 35 Prozent des verkauften Sortiments dar. Raketen- und Familiensortimente liegen bei 25 Prozent, Knaller- und Kindersortimente bei 15 Prozent.

Dennoch würden viele Unternehmen sich wünschen, es gäbe klare Regelungen, die für ganz Europa einheitlich gelten. "Wir würden im Ausland gute Geschäfte machen, zum Teil warten die Kunden da schon auf uns", ist Heinz Swart überzeugt. Eine Trendwende ist hier in naher Zukunft jedoch nicht zu erwarten. Wenn es um die Sicherheit der Menschen geht, gilt weiterhin das regionale Wort. "Warum auch nicht", sagt Ulrike Rockland von der BAM. "Damit fahren wir seit 40 Jahren gut."

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