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Sir Martin Sorrell "Digitale Medien haben Sexy-Phase hinter sich"

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Google ist nicht nur ein Technologiekonzern

Werbung, die Ärger macht
Der Bref Duo Stick von Henkel: In der Ukraine erregte ein Werbespot die Gemüter, da die Farben des WC-Duftspülers der Landesflagge ähneln. Henkel stoppte die Kampagne. Quelle: rtr
Die Deutsche Umweltstiftung klagt gegen die Werbung des Daimler-Konzerns für dessen Flagschiff-Modells „S-Klasse“. In Anzeigen würden die Schadstoffklassen der Varianten mit Spitzenmotorisierung nicht genannt. Maximal würden die Fahrzeuge 213 bzw. 225 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Die Umweltstiftung sagt, das Modell „S 63 AMG 4Matic lang“ komme auf 242 g/km und erreiche nur die schlechte Effizienzklasse „F“. Laut Mercedes hätten zum Zeitpunkt der Freigabe der Werbung die Emissions- und Verbrauchswerte noch nicht festgestanden. Quelle: dpa
Nach der Entlassung von Gustl Mollath aus der Psychatrie nach einem langjährigen Streit um die Frage, ob er an Wahnvorstellungen leide oder Opfer einer Jusitzpanne sei, warb der Autovermieter Sixt mit einem Mollath zugeschriebenen Zitat. Die Anzeige brachte dem Unternehmen heftige Kritik ein, es folgte eine Entschuldigung und Sixt bot Mollath nachträglich ein Honorar an. Quelle: dpa
Eine Tierschutzorganisation deckte im Juli 2013 auf, dass ein Tierfutterhersteller in der Ukraine illegale Kämpfe zwischen Hunden und gefesselten Bären unterstützte. Das Unternehmen Royal Canin (gehört zu Mars) entschuldigte sich und versprach, nichts von dem Werbeabkommen der ukrainischen Tochter gewusst zu haben.
Ein wohl nur ein einziges Mal in Bayern aufgehängtes Plakat der Deutschen Familienversicherung führte im August 2013 zu heftiger Kritik in sozialen Netzwerk. Der Grund: Pflegekräfte fühlten sich durch den Werbespruch „Soll Ihre Tochter Altenpflegerin werden oder freie Berufswahl haben?“ verunglimpft. Foto: Caritas-Berufsfachschule Bamberg
Der Fußball-Verein Werder Bremen hat immer mal wieder Probleme, einen zahlungskräftigen Trikot-Sponsor zu finden. Als im August 2012 der neue Vertrag mit dem Fleischproduzent Wiesenhof verkündet wurde, kritisierten vor allem Tierschützer danach das Werbeabkommen. Die Massentierhaltung, vor allem von Hühnern, ist heftig umstritten. Quelle: dpa
Fußballspielerin und Waschmaschine: Der Spot des ZDF zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen im Jahr 2013 brachte eine Empörungswelle mit sich. Es werde ein Klischee bedient, so der Vorwurf. Das ZDF blieb standhaft. Quelle: dpa

Hat Google News Corp bereits überholt?

Google und News Corp sind auf alle Fälle unsere wichtigsten Partner.

Ist Google wirklich Ihr Partner oder nicht zunehmend ein Gegner, der um Werbe-Dollar konkurriert?

Das kann passieren. Aber wirklich erschüttern wird uns das nicht. Schließlich konkurrieren wir auf vielen Ebenen mit vielen Wettbewerbern: Bei der Marktforschung etwa mit GfK aus Nürnberg, Nielsen und Ipsos. Im Digitalen mit Google, Facebook oder WhatsApp, die Werbekunden direkt ansprechen. In der Beratung sind Deloitte Interactive, Accenture, Sapient und Cognis Wettbewerber. Die „Frienemies“, diese Mischung aus Freund und Feind, finden Sie längst in der gesamten Wirtschaftswelt.

Aber keiner von denen hat so viel Spielgeld wie Google. Die könnten locker damit beginnen, Werbeagenturen aufzukaufen.

Ich wundere mich, warum sie es nicht längst getan haben. Tatsächlich sagen sie, dass sei nun einmal nicht ihr Business. Viele halten Google, Twitter und Co. ja für Technologieunternehmen. Das ist falsch – in Wahrheit sind das Medienkonzerne mit ihrer eigenen Agenda: Google verkauft Google, Facebook verkauft Facebook.

Und WPP?

Wir stehen dazwischen und betrachten uns als unabhängig von Medien und Industrie. Wir betreiben etwa unsere eigenen Datenbanken für die Planung und den Einkauf von Medialeistung – also grob gesagt von Werbezeiten und Anzeigen –, die unabhängig sind von Google und Co.

In Arbeit
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Die Medien- und Werbewelt hat sich gewaltig verändert, seit Sie 1985 begannen, WPP zum Werberiesen auszubauen. Inzwischen sind Sie gut fünf Mal länger im Amt als der durchschnittliche Vorstandschef. Was ist Ihr Geheimnis?

Nennen Sie es Gründerkrankheit: Wir haben praktisch bei null angefangen. Gründer fühlen eine andere Verantwortung gegenüber ihrem Geschöpf als angestellte Manager. Das fühlt sich fast so an, als hätte man ein Kind zur Welt gebracht.

Sie sind jetzt 69 Jahre alt, ist es an der Zeit das Kind loszulassen?

Wer immer meinen Job in Zukunft macht, wird es anders machen als ich. Wahrscheinlich besser, auf jeden Fall anders, denn er wird WPP nicht mehr so emotional verbunden sein. Für mich dagegen gilt in Abwandlung, was Bill Shankley, der frühere Trainer des FC Liverpool, einmal über Fußball gesagt hat: WPP ist keine Frage von Leben und Tod. Es ist mehr als das.

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