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Sir Martin Sorrell "Digitale Medien haben Sexy-Phase hinter sich"

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Rabattwettbewerb unter Agenturen


WPP ist der (noch) größte Werbekonzern der Welt. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Quelle: Presse

Und, was macht man?

Man hält das Geld beisammen. Die durchschnittliche Amtszeit eines Vorstandschefs beträgt drei bis fünf Jahre. Die eines Marketingvorstands in den USA im Schnitt bloß zwei. Wenn man sich das vor Augen führt, kommt man schnell darauf, dass das Verhältnis zwischen Risiko und Belohnung aus der Balance geraten ist. Managern wird sehr schnell nahegelegt: Baut jetzt bloß keinen Mist. Das erklärt auch, warum Unternehmen weltweit gerade auf 4,2 Billionen Dollar Cash sitzen und sich nicht trauen, damit etwas anzufangen.

Gleichzeitig klagten Sie: „Die Kunden verlangen immer mehr Leistung von uns, wollen dafür aber immer weniger bezahlen.“ Ist das nicht in allen Branchen so?

Auf der Agenturseite sehen wir einen ruinösen Rabattwettbewerb. Das schafft ernste Probleme. Wenn etwa eine Mediaagentur einem Werbekunden, den sie unbedingt gewinnen will, beim Einkauf von Werbezeiten Reichweiten garantiert, bei denen sie selbst womöglich draufzahlt, dann holt sie sich das Geld letztlich bei einem anderen Kunden zurück. Das kann man ein paar Jahre so treiben. Mit derartigen Methoden zerstört man aber den eigenen Ruf. Denn am Ende fragen sich doch alle anderen Klienten, warum sie nicht auch so einen Preisnachlass bekommen.

WPP in Kürze

Wie geht WPP mit diesem Problem um?

Wir machen da nicht mit. Wer solche Verpflichtungen eingeht, der muss das eigentlich als Eventualverbindlichkeit in der Bilanz buchen.

Lieber verlieren Sie ein Geschäft?

Nein, wir verlieren nichts, sondern verzichten auf ein unprofitables Geschäft. Solche Praktiken entsprechen den Lockvogelangeboten im Einzelhandel, sie sind Verlustbringer. Wir wachsen trotzdem. 2013 haben wir den Umsatz um 6,2 Prozent auf knapp elf Milliarden Pfund gesteigert, das sind rund 13,3 Milliarden Euro.

Und 2014?

Wir erwarten ein raues, aber passables Jahr mit Umsatzsteigerungen von mehr als drei Prozent. Im Januar haben wir bereits um 5,7 Prozent zugelegt. Und Olympia in Sotschi übertraf unsere Erwartungen. Traditionell wachsen Werbeausgaben in Jahren mit Winterspielen, Fußball-WM und US-Kongresswahlen um 0,5 Prozent. In Jahren mit Sommer-Olympia, US-Präsidentschaftswahlen und Fußballeuropameisterschaften liegt das Plus sogar bei einem Prozent.

WPP konzentriert sich auf schnell wachsende Märkte wie Osteuropa, hat aber auch in Deutschland Agenturen gekauft. Ist das für Sie ein Wachstumsmarkt?

Ich bin optimistisch, was die Aussichten für Deutschland betrifft, es ist für uns ein „quasi-schnell wachsender Markt“. Der deutschen Wirtschaft geht es spektakulär gut. Und unser Geschäft läuft hier so erfolgreich, dass ich aus dem Stand unsere Größe verdoppeln würde, wenn mir jemand einen Zaubertrick zeigt, wie das schnell geht.

Planen Sie größere Zukäufe?

Nein. Wir wollen unsere Marktposition aber Stück für Stück weiter verbessern. Für Zukäufe haben wir weltweit 2014 zwischen 300 und 400 Millionen Pfund eingeplant.

Sind Sie zufrieden damit, wie sich Ihre deutsche Werbeagentur Grey schlägt, nachdem dort vor einem Jahr die komplette Spitze ausgetauscht wurde?

Zufrieden bin ich nie. Unsere Agenturen in Deutschland haben sich aber im Vergleich zum Vorjahr gut geschlagen. Ogilvy hatte ein gutes Jahr, auf jeden Fall beim Umsatz, JWT hatte ein Okay-Jahr, genau wie Young& Rubicam. Und Grey hatte ein gutes Jahr, sie sind besser und stärker geworden. Comarco mit der Agentur Scholz & Friends lief nicht fantastisch, aber solide. Alles in allem habe ich wenig Grund zur Klage.

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