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Sky gegen Telekom Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

Der Kampf um die Bundesligaspiele im Fernsehen geht in die heiße Phase. Heute endet die Bieterfrist für Sky und Rivalen. Wer am Ball bleiben will, könnte den Anbieter wechseln und mehr bezahlen müssen.

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Um die Übertragungsrechte der Bundesliga für die nächsten Jahre wird momentan noch gerungen - Fußballfans können sich jedoch schon darauf einstellen, dass sie für ihr Hobby zukünftig tief in die Tasche greifen müssen. Quelle: gms

Samstagnachmittag, 15.30 Uhr. Draußen regnet’s, die Familie ist verräumt, die Kumpels sitzen auf dem Sofa, Bier fließt. Alles wirkt wie gewohnt. Dennoch ist etwas Entscheidendes anders als früher.

Borussia Dortmund gegen Schalke 04 läuft zwar wie bisher beim Bezahlsender Sky. Zeitgleich spielt aber auf „Liga Total“, dem Internet-Sender der Deutschen Telekom, Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach. Und bereits am Vorabend flimmerte das Nord-Derby HSV gegen Werder Bremen über die Mattscheibe, ebenfalls nicht bei Sky, sondern bei Kabel Deutschland. Wer alle Spiele sehen will, muss dreimal zahlen: für ein Abo bei Sky, bei „Liga Total“ und bei Kabel Deutschland.

Kostenspieliges Hobby

Wenn Deutschlands Fußballanhänger solche Albträume plagen, dann liegt das an dem Bietergefecht um die Übertragungsrechte der Bundesliga für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17. Am Montag um 15.30 Uhr endet die Frist für die erste Bieterrunde. Bis dahin müssen die Angebote für eben diese Spielzeiten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingegangen sein.

Kommt es ganz dicke, wird danach kaum noch etwas so sein wie zurzeit. Der Livekick in der Glotze kostet dann im Extremfall locker 100 Euro im Monat statt heute mindestens 33,90 Euro im Monat bei Sky. Anstelle der ARD-Sportschau samstags ab halb sieben könnte es ab 19 Uhr eine Sportsendung im Internet auf YouTube geben. Und wenn die Kinder im Trikot ihres Lieblingsvereins längst im Bett liegen, zeigt Sat.1 gegen 22 Uhr als erster kostenlos empfangbarer Fernsehsender Bilder des Spieltages, gespickt mit Werbung und Extra-Reklame-Clips – am liebsten haarscharf vor dem Torschuss.

Nie zuvor zog die Deutsche Fußball-Liga so viele Register, um ihre Ware möglichst vielen unterschiedlichen TV-Sendern, Telefongesellschaften, Kabelanbietern, Internet-Riesen und Spartenkanälen zum Kauf anzubieten – und die Einnahmen nach oben zu jagen. Denn je mehr Schnipsel und Filetfetzen einzeln durch Äther und Kabel schwirren, so das Kalkül, desto mehr Geld können die insgesamt 36 Proficlubs der ersten und zweiten Bundesliga an der Übertragung ihr Glanz- oder Minderleistung auf dem Rasen verdienen.

Wie die Deutsche Fußball-Liga die Spiele zu Geld machen will

Zehn Prozent mehr

Im Gegenzug muss ein Sender, der möglichst viel Fußball zeigen will, nun die Summe der anderen Bieter deutlich übertreffen. Beinahe 90 Minuten, die Länge eines Fußballspiels, brauchte Anfang Februar der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, um im lichten Saal Tokyo des Japan Centers in Frankfurt die Vermarktung der mehr als 600 Matches pro Saison im Fernsehen zu erklären.

Mindestens zehn Prozent mehr Einnahmen als bisher erhoffen sich die Proficlubs als Profiteure des Pokers, die in den Spielrunden 2009/10 bis 2012/13 mehr als 1,6 Milliarden Euro von den Sendern einsackten. Keine andere Sportliga in Deutschland kassiert mehr als die Elitekicker. Die Voraussetzungen dafür schuf nicht zuletzt das Bundeskartellamt durch eine fundamentale Änderung seiner Meinung im vergangenen Jahr.

Um die erhofften Einnahmen zu erzielen, schnürte Seifert die Matches zu 19 einzelnen Paketen, die Interessenten jedoch auch im Bündel kaufen können. Um diese bewerben sich 15 Bieter, von denen jeder 20.000 Euro Schutzgebühr bezahlen musste und die der Liga-Chef nun mit allen Mitteln geheim hält. Mit großer Sicherheit sind die ARD und der Bezahlsender Sky, die Telekom und Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland mit von der Millionenpartie, Letztere womöglich im Tandem mit dem Münchner Medienunternehmer Dieter Hahn und seiner Firma KF15.

Bieten werden wohl auch Privatsender wie Sat.1 und der Sportspartensender Sport1. Spekuliert wird in der Branche zudem über neue Bieter wie den Internet-Riesen Google, den deutschen Medienkonzern Axel Springer („Bild“) oder den US-Sportsender ESPN. Liga-Manager Seifert hatte schon vor einiger Zeit der WirtschaftsWoche gesagt: „Sicherlich ist es vorstellbar, dass sich große internationale Internet- oder Medienunternehmen für unsere Rechte interessieren.“ Ausgestiegen dagegen ist bereits der lange als Interessent gehandelte Telekom-Konkurrent Vodafone.

Killerapplikation Liga

Wer als Bieter dabei ist, spekuliert darauf, die Gewichte auf dem Medienmarkt, also bei den erreichten Zuschauern sowie den Abo- und vor allem den Werbeinnahmen, zu seinen Gunsten zu verschieben. „Die Bundesliga ist einer der aufmerksamkeitsstärksten Inhalte, die man sich vorstellen kann“, sagt Klaus Goldhammer, Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia.

Tatsächlich verfolgen rund 18 Millionen Menschen in Deutschland jede Woche live oder als Zusammenfassung das Liga-Treiben. Damit sei Fußball „die Killerapplikation schlechthin“, sagt Hartmut Zastrow, Geschäftsführer der Kölner Beratungsfirma Sport + Markt. Das heißt, so manchem, der bei dem angezettelten Milliardenspiel leer ausgeht, droht der Absturz: „Wenn Sky den Fußball verliert, gibt es in Deutschland kein starkes Pay-TV mehr“, glaubt der Düsseldorfer Medienexperte Werner Lauff, „denn einen neuen Veranstalter wie Sky aufzubauen, das schafft niemand.“

„Wir wollen mit der Bundesliga nicht für die nächsten zwei, drei Jahre kooperieren, sondern für die nächsten 20, 30 Jahre“, sagt Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan. Doch auch für die Telekom hätte ein Verlust der Rechte, Fußball im Internet zu zeigen, spürbare Folgen. Dass die Ausschreibung der Fußballrechte einmal zur überlebenswichtigen Strategieentscheidung für einen der Bieter werden könnte, beschert der DFL eine komfortable Position. Doch um so weit zu kommen, brauchten die Funktionäre der inzwischen zig Millionen Euro schweren Fuballclubs langen Atem und viel Chuzpe.

Welche Fußballclubs ihre Sponsoren glücklich machen
Platz 20Die Wolfsburger landeten auf Platz 20. Auch Sponsor VW kann dem VfL offenbar nicht dabei helfen, über sein dauerhaft mieses Image hinwegzukommen. In einer weiteren Studie des Marktforschungsinstut mafo.de verbanden die Befragten den Verein mit Schlagworten wie „Söldnerverein“ und „Geld“. Markenindex: 39,82 Quelle: dpa
Platz 24Für den FC Augsburg wird es schwer, hochzukommen. Trotz Aufstieg in die erste Liga reicht es für die Augsburger nur für den vorletzten Platz. Keine Überraschung also, dass Augsburgs Marcel De Jong sich schon vor Scham auf den Boden wirft. Auch Sponsor AL-KO wird sich darüber kaum freuen können. Markenindex: 38,22 Quelle: dapd
Platz 16Der FC Freiburg hat die Wende geschafft. In der Hinrunde noch Tabellenletzter liegen die Freiburger jetzt im Mittelfeld. Das gilt auch für das Ranking der bekanntesten und beliebtesten Fußballvereine Deutschlands. Markenindex: 43,32 Quelle: dapd
Platz 13Der 1. FC Kaiserslautern hat den Abstiegskampf verloren. Bei der Markenmeisterschaft landet der Verein trotzdem noch im Mittelfeld. Dort tümmeln sich auch andere erfolgslose Vereine. Markenindex: 44,72 Quelle: dpa
Platz 14Kein Grund zur Freude auch bei Maskottchen Herthinho und Roman Hubnik: Die Hertha hätte sich wohl einen besseren Platz erhofft. Da ist vielleicht auch für Trikotsponsor Deutsche Bahn der Zug bald abgefahren. Markenindex: 44,48 Quelle: dpa
Platz 18Vielleicht hatte 1899 Hoffenheim einfach noch nicht genug Zeit, sich ein gutes Image zu erarbeiten. Mit dem „Retortenklub“-Ruf im Rücken ist das aber auch nicht einfach. Der Schriftzug des Solarherstellers Suntech brachte die Spieler bisher auch noch nicht zum strahlen. Da hilft nur: Am Ball bleiben. Markenindex: 41,96 Quelle: dpa
Platz 15Torjubel bei den Hannoveranern Jan Schlaudraff (l.) und Karim Haggui. In der Bundesliga liegt Hannover 96 aktuell auf Platz 7, auf das Markenranking färbte das jedoch nicht ab. Markenindex: 44,35 Quelle: dpa

Feinkost Fussball

Erbsensuppe kostet drei Euro, Brathering mit Senfsoße 4,30 Euro. Für Rinderroulade werden 5,70 Euro fällig, mit Kartoffeln. „Feinkost Hedtstück“ aus dem Städtchen Gevelsberg am Südrand des Ruhrgebiets, weiß, was richtig satt macht.

Danach stand jenen Herren in den teuren Anzügen allerdings nicht der Sinn, die sich im November 2008 unter dem Code-Namen „Feinkost Hedtstück“ für eine Woche im Salon 3 der Nobelherberge Frankfurter Hof einmieteten. DFL-Chef Seifert und seine Führungsriege hatten sich vielmehr im Seitenflügel des Frankfurter Hotels eine Art Kommandozentrale mit Computern, Faxgeräten und einem interaktiven Bildschirm eingerichtet, einen „War Room“. In ihm grübelten sie, wie sich die Fernsehsender wohl am besten melken ließen.

Ihr Plan war brillant. Der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch, der 2002 eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte hingelegt hatte, und seine rechte Hand Dieter Hahn sollten die Liga-Rechte für 500 Millionen Euro pro Saison bekommen und sie dann an alle anderen Interessenten weiterverkaufen.

Doch der Deal wäre praktisch das Todesurteil für die „Sportschau“ im Ersten gewesen, die im Samstagvorabendprogramm mit Ausschnitten aus den wichtigsten Spielen noch immer fünf bis sechs Millionen Zuschauer anzieht. Dagegen legte der damalige Kartellamts-Chef Bernhard Heitzer sein Veto ein: Eine zeitnahe Zusammenfassung im freien Fernsehen müsse bestehen bleiben, so seine Argumentation, sonst würden die treuen Fans zum Bezahl-Abo praktisch gezwungen. Die Liga schäumte – das Kartellamt hatte der „Sportschau“ mangels Konkurrenz quasi eine Bestandsgarantie ausgestellt. Aus formalen Gründen zog die Vertretung der Proficlubs – erfolglos – gegen die Kartellwächter bis vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Plötzliche Kehrtwende der Liga

Der US-Medienunternehmer Rupert Murdoch ist größter Anteilseigner des Bezahlsenders Sky, der die Bundesliga live zeigt. Sky ist im aktuellen Rechtepoker größter Konkurrent der Telekom. Quelle: dapd

Doch diese Zeiten sind vorbei. Heitzer wechselte ein Jahr später als Staatssekretär ins Bundeswirtschaftsministerium, und sein Nachfolger Andreas Mundt vollzog zur Freude der Liga einen 180-Grad-Schwenk. Anders als Heitzer setzt Mundt auf Markt und Wettbewerb – die Liga betont nicht umsonst immer wieder, dass ihr neues Vermarktungskonzept in sehr enger Zusammenarbeit mit den Kartellhütern entstanden ist. Zwar hat sich in der TV-Landschaft nichts Grundsätzliches geändert. Noch immer stehen sich öffentlich-rechtliche und Privatsender gegenüber. Und der Bezahlsender Sky, an dem der umstrittene US-Medienmogul Rupert Murdoch fast die Hälfte der Anteile hält, ist nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Doch „das wettbewerbliche und technologische Umfeld ist heute ein ganz anderes“, sagt Mundt, „auch ich habe zum Beispiel ein Smartphone in der Tasche.“

Tatsächlich machen nicht länger nur die etablierten Sender das Rennen unter sich aus. Längst sind neue Spieler hinzugekommen – Internet-Anbieter wie Google und Gerätehersteller wie Apple, die Medieninhalte anbieten und weltweit attraktive Rechte kaufen. Sie brauchen Inhalte, um Dienste, Werbeflächen und Geräte zu verkaufen. In immer mehr Hosentaschen steckt inzwischen ein Mobiltelefon, mit dem man im Internet surfen kann, in immer mehr Bürotaschen ein Tablet-Rechner, und in immer mehr Wohnzimmern steht ein internetfähiges Fernsehgerät.

Die wichtigsten Web-TV-Anbieter
Screenshot Webseite tape.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Live.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sevenload Quelle: Screenshot
Screenshot Zattoo-Webseite Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sendungverpasst.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Qtom.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite TV-Stream.to Quelle: Screenshot

Tricks und Gerüchte

„Zwei Drittel aller Internet-Nutzer“, sagt Medien-Berater Goldhammer, „schauen sich bereits Web-Videos an.“ Eine Steilvorlage für Liga-Chef Seifert: „Die Zahl der Fans, die eine Internet-Sportschau schon heute nutzen würden, ist erheblich.“ Auf diese Weise erhöht er nicht zuletzt den Druck auf die ARD, mehr Geld für die Rechte lockerzumachen als die 75 Millionen Euro aus der derzeit noch laufenden Rechteperiode.

Gleichzeitig gilt für die ARD wie für die übrigen Bieter: Neben den einzelnen Spielepaketen für Liveübertragungen im Bezahlfernsehen gibt es zwei große Körbe mit verschiedenen Formen von Zusammenfassungen und Aufzeichnungen. Diese beiden Körbe – von der Liga „Szenarien“ genannt – sind miteinander verbunden wie kommunizierende Röhren.

Beispiel: der Korb für klassische Sendungen. Hierzu gehören Sendungen wie die „Sportschau“ samstags um 18.30 Uhr, vier weitere Sendungen zu anderen Zeiten sowie eine Bezahlsendung ab 18.15 Uhr im Web-TV und Mobil-TV. Dieser Korb steht rechnerisch in Konkurrenz zum Korb „Neue Medien“, zu dem erste Zusammenfassungen ab 19 Uhr im Internet sowie erste Bilder in frei empfangbaren Sendungen im Fernsehen ab 21.45 Uhr gehören. Ist die Summe der Angebote im Korb Klassische Sendungen höher, kommen die Bieter für die darin enthaltenen Sendungen zum Zuge. Die Sendungen im Korb „Neue Medien“ fallen dann unter den Tisch.

Dass die Bieter bis zum Zuschlag hinter und vor den Kulissen mit allerlei Gerüchten gegen ihre Wettbewerber arbeiten, darauf hat sich DLF-Chef Seifert eingestellt. Wenn es etwa um die drei größten Konkurrenten um die Liveübertragungsrechte geht, das sind Hahns alte Kirch-Firma KF15, die Telekom und Sky, schwant dem Vermarktungsprofi: „Über die einen werden wir hören, dass sie keine Bonität haben. Über die anderen, dass es juristisch nicht funktionieren wird, weil der Bund Anteile an der Telekom hat und sie deshalb keinen Rundfunk betreiben dürfe.“ Und über Sky, meint Seifert, „werden wir hören, dass sie sich aus Deutschland zurückziehen, wenn das mit den Zeitungen in England nicht funktioniert“.

Dabei schmeißt sich der Bezahlsender aus Unterföhring bei München, der die aktuellen Rechte für die Liveübertragungen der Bundesliga und im Web besitzt und dafür pro Saison 250 Millionen Euro zahlt, gegenwärtig besonders heftig ins Zeug. So durfte Deutschland-Chef Brian Sullivan pünktlich zum Auftakt des Rechtepokers eine Reihe guter Nachrichten verkünden: Die Zahl der Abonnenten sei auf mehr als drei Millionen gestiegen, und es kämen 300 Millionen Euro frisches Kapital zur Stärkung des Kerngeschäfts. Zuvor hatte Sky beim Neujahrsempfang der DFL im Januar in Frankfurt ordentlich Prominenz aufgefahren. Chase Carey persönlich, hinter Murdoch wichtigster Mann beim US-Medienkonzern News Corp. und einer der mächtigsten Medienmanager weltweit, machte der DFL und Seifert seine Aufwartung.

Schwerste Entscheidung

Mitten drin statt nur dabei - 18 Millionen TV-Zuschauer verfolgen Woche für Woche die Spiele der ersten und zweiten Fußballbundesliga entweder live oder in den Zusammenfassungen, die auf unterschiedlichen Sendern laufen. Quelle: dapd

Auch der Start des Senders Sky Sport News HD im vergangenen Dezember, der 24 Stunden am Tag Sportnachrichten sendet und für den der Konzern eigens 200 Mitarbeiter anheuerte, passt in die Strategie: „Sky will zum Funkhaus mit Senderfeeling werden“, sagt Medienexperte Lauff, „und endlich mehr machen als Marketing, Vertrieb und Kundenpflege.“

Und schließlich filmten sich die Sky-Macher in die Herzen derer, die über die Vergabe der Übertragungsrechte entscheiden. „Die haben gefühlt in den vergangenen Wochen noch den kleinsten Zweitligisten für Reportagen besucht und dabei viele Bäuche gepinselt“, sagt ein Liga-Kenner. Liegen am Ende des Bieterverfahrens Gebote nah beieinander, entscheidet der DFL-Vorstand. Und dort hat jeder Verein eine Stimme.

Doch auch die Telekom als größter Sky-Konkurrent hat ihr Budget für den Erwerb der Liga-Rechte aufgestockt. Der Magenta-Riese hatte 2009 die Rechte für das Internet- und Mobile-TV für 25 Millionen Euro pro Saison ersteigert und damit das wichtigste Zugpferd für das konzerneigene Liveprogramm „Liga Total“ quasi aus der Portokasse bezahlt. Dieses Mal greift Deutschland-Chef Niek Jan van Damme auch nach den viel teureren Übertragungsrechten via Kabel, Satellit und Antenne. Seit dem Sommer gibt es das Telekom-eigene TV-Produkt Entertain auch in einer für den Satellitenempfang abgewandelten Version. Und die verkauft sich deutlich besser als die ursprüngliche Lösung für schnelle DSL- und VDSL-Anschlüsse, die es nur in größeren Städten gibt.

Runde Sache - Einnahmen der Bundesliga 2010/2011

Kunden bleiben aus

Van Damme steht vor einer seiner schwersten Entscheidungen. Auf der einen Seite benötigt er attraktive Inhalte wie die Bundesliga, um im TV-Geschäft zu wachsen und den Siegeszug der Kabelgesellschaften zu stoppen. Auf der anderen Seite verkauft sich das Fußballprogramm „Liga Total“ so schwach, dass ihm eine Fehlinvestition droht. Nur zehn Prozent der 1,6 Millionen Entertain-Kunden haben „Liga Total“ (ab 14,95 Euro pro Monat) zu ihrem bestehenden Entertain-Paket dazugebucht. Und nur etwa 100.000 Kunden der Konzerntochter T-Mobile verfolgen die Spiele live auf ihrem internetfähigen Smartphone und zahlen dafür weitere fünf Euro pro Monat.

Schlimmer noch – auch die Hoffnung, dass Entertain mit „Liga Total“ ein Selbstläufer wird, hat sich als Trugschluss herausgestellt. Die Verkaufszahlen brachen im vergangenen Jahr sogar so stark ein, dass der Telekom-Vorstand seine Mittelfristplanung verfehlte. Statt – wie ursprünglich vorgesehen – bis Ende 2011 bei der Zahl der Entertain-Nutzer die wichtige Zwei-Millionen-Marke zu überspringen, bleibt die Telekom weit hinter ihren selbst gesteckten Planvorgaben zurück. Selbst eine Preissenkung um weitere fünf Euro konnte dem Angebot kein neues Leben einhauchen.

„Statt mit satten Pluszahlen einen neuen Wachstumsmarkt zu erschließen, fällt der Neukundenzuwachs sogar hinter die Vorjahre zurück“, sagt ein Telekom-Manager, der ungenannt bleiben will. Die Geschäftszahlen jedenfalls, welche die Telekom am vergangenen Donnerstag in Bonn vorlegte, untergraben ein weiteres Mal ihre Wachstumsstrategie. Seit Jahren drosselt der Ex-Monopolist seine Investitionen beim Ausbau zukunftsfähiger Glasfaseranschlüsse, weil es mangels Kunden kaum noch Regionen gibt, in denen sich ein Ausbau lohnt. Ein Schwächeanfall im TV-Geschäft wirkt sich noch dramatischer aus. Wenn die Zuschauer der Telekom zu wenige Fernseh-Pakete abkaufen, fehlt eine weitere Einnahmequelle zur Refinanzierung des teuren Glasfaserausbaus. Die Telekom müsste ihre ohnehin schon abgespeckten Ausbaupläne dann noch einmal überarbeiten.

Ohne die Aussicht auf schnelle Glasfaseranschlüsse könnten bald aber noch mehr Kunden zu den Kabelfirmen wechseln. Denn deutlich besser als dem Ex-Monopolisten gelingt es den beiden Marktführern Kabel Deutschland und Unitymedia Telefon, Internet und Fernsehen (im Fachjargon: Triple Play) im Paket zu verkaufen. Zwei Drittel aller Neukunden buchen einen schnellen Internet-Anschluss bei den beiden TV-Kabelgesellschaften.

Der Super-GAU

Die Rekord-Transfers der Fußball-Bundesliga
2002 wechselte Zé Roberto (Mitte) gemeinsam mit Michael Ballack von Bayer Leverkusen zu Bayern München. Der deutsche Rekordmeister zahlte für den Brasilianer 9,5 Millionen Euro*.* Ablösesummen sind zum Teil geschätzt, bzw. können sich durch Zusatzvereinbarungen nachträglich erhöhen. Quelle: Reuters
Auch Lukas Podolski wechselte 2006 an die Isar. Bayern München zahlte für den Nationalspieler 10 Millionen Euro an den 1. FC Köln. Mit den Geißböcken hatte er zuvor ein turbulentes Auf und Ab erlebt. Nachdem die Mannschaft 2003/04 abgestiegen war, gelang ihr das Comeback in die erste Liga schon eine Saison später. Doch nur ein Jahr später stiegen die Kölner wieder ab. Für Podolski der Hauptgrund, zum FC Bayern zu wechseln. Doch wofür ihn die Kölner liebten, mochte in München nicht so recht klappen - das Tore schießen. Quelle: dpa
Deshalb wechselte Podolski 2009 - noch vor Vertragsende - zurück zum 1. FC Köln. Sein alter und neuer Verein zahlte den Bayern dafür ebenfalls 10 Millionen Euro. Quelle: Reuters
Auch der Brasilianer Lúcio hatte es Bayern München angetan. Doch zunächst ließ ihn Bayer Leverkusen trotz exorbitanter Angebote nicht gehen. 2004 wechselte der Verteidiger für eine Ablösesumme von 12 Millionen in den Süden, wo er hinter Oliver Kahn und Mark van Bommel Ersatzkapitän war. Als der neue Trainer Louis van Gaal ihm keinen Stammplatz garantierte, unterschrieb er einen Vertrag bei Inter Mailand. Quelle: dpa
Zur Saison 2007/08 warben die Bayern erfolgreich um Marcell Jansen. Seinem Verein Borussia Mönchengladbach zahlten sie dafür 14 Millionen Euro. Doch nach nur einem Jahr wechselte der Nationalspieler zum Hamburger SV. Quelle: dpa
Und auch Miroslav Klose umwarb Bayern München erfolgreich. Werder Bremen erhielt für den Stürmer 15 Millionen Euro Ablösesumme vom Rekordmeister. 2011 wechselte Klose ablösefrei zu Lazio Rom. Quelle: dpa
Seinen ersten Auftritt in Deutschland hatte Luiz Gustavo (rechts) 2007 beim damaligen Zweitligisten TSG 1899 Hoffenheim. Nach Ende der Saison stieg er mit seiner Mannschaft in die Bundesliga auf. Für viel Trubel sorgte sein Wechsel zum FC Bayern München. Ralf Rangnick, der damalige Trainer Hoffenheims, wurde darüber schlichtweg nicht informiert. Bayern zahlte eine Ablösesumme von 17 Millionen Euro. Quelle: dapd

Die größte Katastrophe, quasi der Super-GAU, wäre für die Deutsche Telekom, wenn ihr nun die Kabelgesellschaften die Live- und Internet-Übertragungsrechte bei der laufenden Auktion wegschnappen würden. Die Chefs von Kabel Deutschland und Unitymedia, Adrian von Hammerstein und Lutz Schüler, führen derzeit Gespräche mit dem Ziel, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. „Ziel ist die Abgabe eines gemeinsamen Angebots“, sagt ein Kabel- Manager. Vor allem der US-Kabelriese Liberty Media, Eigner von Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg, liebäugelt mit einer Kombination aus Premium-TV und Premium-Internet, um noch stärker im Kundenstamm der Telekom wildern zu können. Mit Livebundesliga in Eigenregie als weiterem Zugpferd, so ein Szenario, ließe sich die Wechselbereitschaft schneller steigern.

Der Milliarden-Kick - Wer sich für die Rechte der Deutschen Bundesliga interessiert

Verbündet haben sich die Kabeler, wie sie in der Branche genannt werden, offenbar mit einem ausgewiesenen Kenner der Materie, dem früheren Kirch-Manager Hahn. Der ist Geschäftsführer der Münchner Rechte-Firma KF15, die auch Anteile hält am Münchner Medienunternehmen Constantin. Hahn, heißt es, sei auf der Suche nach Investoren. Mal ist die Rede von reichen Männern aus Dubai. Mal soll der frühere ProSiebenSat.1-Vorstandschef Urs Rohner, heute Verwaltungsratspräsident der Schweizer Bank Credit Suisse, ihm zur Seite stehen. Zupass kommen dürfte Hahn jedenfalls sein Anteil aus dem Vergleich in Höhe von 800 Millionen Euro, den die Deutsche Bank mit den Kirch-Erben plant.

Solar-Sponsoring in der Bundesliga
Solarpanel
Mannschaftsfoto von Borussia Dortmund
Fans von Mainz 05
Lukas Podolsko vor dem Vereinsheim des 1. FC Köln
Fans von Hertha BSC Berlin
Mannschaftsbus von Schalke 04
Mannschaftsfoto vom Hamburger SV

Gut möglich, dass Hahn für die Liverechte im sogenannten Broadcast-Paket mitbietet, das die Verbreitung der Spiele per Kabel, Satellit und Antenne beinhaltet. Erhielte er den Zuschlag, könnte er – Ziehvater Kirch selig lässt grüßen – die Übertragungsrechte anschließend jeweils je nach Bedarf an die Telekom einerseits und die Kabelanbieter andererseits weiterverkaufen. Schließlich, so ein Insider, könne die Telekom mit den Kabelrechten so wenig anfangen wie die Kabeler mit den Satellitenrechten.

Mehr Werbung

Im Poker um die Rechte an der frühesten Zusammenfassung des Spieltages nach dem Abpfiff hat indes die ARD laut Experten die besten Karten, erneut das Rennen zu machen. Dank der sicheren Gebührenmilliarden ist das Erste schon jetzt in der Lage, 75 Millionen Euro für die Rechte zu bezahlen. Da dürfte den Öffentlich-Rechtlichen auch diesmal kein Privatsender in die Quere kommen. Denn mit Werbung allein, sind sich Experten einig, lasse sich der Rechtepreis nicht verdienen. „Es gibt kein Sportrecht, das refinanzierbar ist“, sagt ARD-Sportvermarkter Michael Lina.

Fußball für die junge Zielgruppe

Robben und Barrios im Sinkflug
Der aktuelle Marktwert von Lucas Barrios (BVB) liegt bei etwa 13 Millionen Euro. Damit büßt der Superstürmer der Meistersaison 4 Millionen Euro ein. Quelle: dapd
Der Preis von Bayern-Star Arjen Robben befindet sich im Sinkflug, jedoch auf hohem Niveau. Derzeit erreicht der Mittelfeldspieler mit dem Verletzungspech einen Marktwert von 32 Millionen Euro und verliert damit 3,5 Millionen. Quelle: dapd
Der Bremer Marko Marin hat derzeit mit Verletzungen zu kämpfen. Nachdem er Anfang Januar eine Beckenverletzung auskuriert hatte, meldete er sich nur 14 Tage später wegen Leistenproblemen wieder ab. Wenig Chancen, seinen Marktwert zu verteidigen. So sank dieser auch um 3 Millionen auf 11 Millionen Euro. Quelle: dpa
Obwohl er 3 Millionen Euro eingebüßt hat, ist Christian Träsch (rechts) mit einem Marktwert von 9 Millionen Euro immer noch einer der am teuersten gehandelten Spieler bei Wolfsburg. Quelle: Reuters
Auch René Adler, kurzzeitiger Stammkeeper der deutschen Nationalmannschaft, verliert an Wert. Derzeit liegt sein Marktwert bei 7,5 Millionen Euro - 2,5 Millionen Euro weniger als bei früheren Schätzungen. Allerdings setzt der Leverkusener auch schon seit Juli 2011 verletzungsbedingt aus. Quelle: ap
Auch Bremens Torwart Tim Wiese verliert 2 Millionen Euro an Wert. Sein neuer Marktwert ist jetzt bei 7 Millionen Euro angesetzt. Quelle: dpa
Ähnlich sieht es bei Leverkusens Stürmer Stefan Kießling aus. Auch sein Wert fällt um 2 Millionen auf 7 Millionen Euro. Quelle: dapd

Zwar gibt es ligainterne Planspiele, neue Sonderwerbeformen außerhalb der Werbeblöcke einzuführen, damit die Sender mehr Geld rund um den Fußball verdienen könnten. DFL-Geschäftsführer Seifert deutete dies jüngst an. Details sind noch nicht bekannt. Kenner der Szene erwarten, dass beispielsweise Einzelspots während laufender Spielberichte ab der Saison 2013/14 eingeführt werden könnten. Zehn Millionen Euro Mehreinnahmen seien durch solche Extras pro Saison durchaus drin, sagt ein Werbeexperte.

Doch das dürfte vornehmlich die ARD animieren, mehr Geld für die Rechte auf den Tisch zu legen. Denn für das Erste hat der Fußball immense strategische Bedeutung: „Die Bundesliga ist für uns ein Vehikel, um junge Zuschauer an das Gesamtprogramm heranzuführen“, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Geht die ARD leer aus, fürchten zudem viele Intendanten ein erneutes Anschwellen der ewigen Gebührendebatte. Und auch Sky-Chef Sullivan hatte im vergangenen Herbst zu verstehen gegeben, mittlerweile ganz gut mit der „Sportschau“ leben zu können. Er setzt inzwischen selbst auf das Internet. Dort käme ein starker Konkurrent ungelegen.

Mit Abstand

Für Sat.1 und womöglich auch den TV-Marktführer RTL könnten dagegen die Rechte für den Samstagabend nach 21.45 Uhr interessant sein. Dort ist die Liga ohnehin nicht wirklich glücklich mit dem aktuellen Rechteinhaber ZDF. Das Zweite zeichnet sein „Aktuelles Sportstudio“ nur auf und strahlt es frühestens ab 23 Uhr aus. Nachdem die Mainzer Sat.1 im vergangenen Jahr für 54 Millionen Euro bereits die Rechte an der Champions League ab der kommenden Saison vor der Nase weggekauft hatten, könnte nun der Privatsender zum Zuge kommen.

Weitere Interessenten sind die Münchner Sportsman Media Group, die Partner der DFL bei der Auslandsvermarktung ist, den Online-Sportsender Laola1.tv betreibt und als einer der 15 Bieter gehandelt wird, sowie der Online-Ableger der „Bild“-Zeitung aus dem Berliner Springer Verlag. Ihnen blieben zum Beispiel die Spiele der zweiten Liga oder ein neues Online-Paket, in dem die Zusammenfassung gegen Bezahlung bereits am Samstag ab 18.15 Uhr angeboten wird. Der Internet-Riese Google, der mit seinem Angebot Google-TV einen Neustart versucht, hält sich wie gewohnt völlig bedeckt.

In Arbeit
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Vodafone-Chef Friedrich Joussen verfolgt das Geschacher um die Kicker-Rechte mit großem Abstand von seinem weitläufigen Büro im elften Stock der Unternehmenszentrale im Düsseldorfer Gewerbegebiet Seestern. „In Deutschland“, sagt er, nachdem er sich aus dem Bieterkampf zurückgezogen hat, „schafft es derzeit kein Anbieter, eine Rendite für den Erwerb seiner Fußballrechte zu bekommen.

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