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Sky gegen Telekom Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

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Killerapplikation Liga

Wer als Bieter dabei ist, spekuliert darauf, die Gewichte auf dem Medienmarkt, also bei den erreichten Zuschauern sowie den Abo- und vor allem den Werbeinnahmen, zu seinen Gunsten zu verschieben. „Die Bundesliga ist einer der aufmerksamkeitsstärksten Inhalte, die man sich vorstellen kann“, sagt Klaus Goldhammer, Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia.

Tatsächlich verfolgen rund 18 Millionen Menschen in Deutschland jede Woche live oder als Zusammenfassung das Liga-Treiben. Damit sei Fußball „die Killerapplikation schlechthin“, sagt Hartmut Zastrow, Geschäftsführer der Kölner Beratungsfirma Sport + Markt. Das heißt, so manchem, der bei dem angezettelten Milliardenspiel leer ausgeht, droht der Absturz: „Wenn Sky den Fußball verliert, gibt es in Deutschland kein starkes Pay-TV mehr“, glaubt der Düsseldorfer Medienexperte Werner Lauff, „denn einen neuen Veranstalter wie Sky aufzubauen, das schafft niemand.“

„Wir wollen mit der Bundesliga nicht für die nächsten zwei, drei Jahre kooperieren, sondern für die nächsten 20, 30 Jahre“, sagt Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan. Doch auch für die Telekom hätte ein Verlust der Rechte, Fußball im Internet zu zeigen, spürbare Folgen. Dass die Ausschreibung der Fußballrechte einmal zur überlebenswichtigen Strategieentscheidung für einen der Bieter werden könnte, beschert der DFL eine komfortable Position. Doch um so weit zu kommen, brauchten die Funktionäre der inzwischen zig Millionen Euro schweren Fuballclubs langen Atem und viel Chuzpe.

Welche Fußballclubs ihre Sponsoren glücklich machen
Platz 20Die Wolfsburger landeten auf Platz 20. Auch Sponsor VW kann dem VfL offenbar nicht dabei helfen, über sein dauerhaft mieses Image hinwegzukommen. In einer weiteren Studie des Marktforschungsinstut mafo.de verbanden die Befragten den Verein mit Schlagworten wie „Söldnerverein“ und „Geld“. Markenindex: 39,82 Quelle: dpa
Platz 24Für den FC Augsburg wird es schwer, hochzukommen. Trotz Aufstieg in die erste Liga reicht es für die Augsburger nur für den vorletzten Platz. Keine Überraschung also, dass Augsburgs Marcel De Jong sich schon vor Scham auf den Boden wirft. Auch Sponsor AL-KO wird sich darüber kaum freuen können. Markenindex: 38,22 Quelle: dapd
Platz 16Der FC Freiburg hat die Wende geschafft. In der Hinrunde noch Tabellenletzter liegen die Freiburger jetzt im Mittelfeld. Das gilt auch für das Ranking der bekanntesten und beliebtesten Fußballvereine Deutschlands. Markenindex: 43,32 Quelle: dapd
Platz 13Der 1. FC Kaiserslautern hat den Abstiegskampf verloren. Bei der Markenmeisterschaft landet der Verein trotzdem noch im Mittelfeld. Dort tümmeln sich auch andere erfolgslose Vereine. Markenindex: 44,72 Quelle: dpa
Platz 14Kein Grund zur Freude auch bei Maskottchen Herthinho und Roman Hubnik: Die Hertha hätte sich wohl einen besseren Platz erhofft. Da ist vielleicht auch für Trikotsponsor Deutsche Bahn der Zug bald abgefahren. Markenindex: 44,48 Quelle: dpa
Platz 18Vielleicht hatte 1899 Hoffenheim einfach noch nicht genug Zeit, sich ein gutes Image zu erarbeiten. Mit dem „Retortenklub“-Ruf im Rücken ist das aber auch nicht einfach. Der Schriftzug des Solarherstellers Suntech brachte die Spieler bisher auch noch nicht zum strahlen. Da hilft nur: Am Ball bleiben. Markenindex: 41,96 Quelle: dpa
Platz 15Torjubel bei den Hannoveranern Jan Schlaudraff (l.) und Karim Haggui. In der Bundesliga liegt Hannover 96 aktuell auf Platz 7, auf das Markenranking färbte das jedoch nicht ab. Markenindex: 44,35 Quelle: dpa

Feinkost Fussball

Erbsensuppe kostet drei Euro, Brathering mit Senfsoße 4,30 Euro. Für Rinderroulade werden 5,70 Euro fällig, mit Kartoffeln. „Feinkost Hedtstück“ aus dem Städtchen Gevelsberg am Südrand des Ruhrgebiets, weiß, was richtig satt macht.

Danach stand jenen Herren in den teuren Anzügen allerdings nicht der Sinn, die sich im November 2008 unter dem Code-Namen „Feinkost Hedtstück“ für eine Woche im Salon 3 der Nobelherberge Frankfurter Hof einmieteten. DFL-Chef Seifert und seine Führungsriege hatten sich vielmehr im Seitenflügel des Frankfurter Hotels eine Art Kommandozentrale mit Computern, Faxgeräten und einem interaktiven Bildschirm eingerichtet, einen „War Room“. In ihm grübelten sie, wie sich die Fernsehsender wohl am besten melken ließen.

Ihr Plan war brillant. Der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch, der 2002 eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte hingelegt hatte, und seine rechte Hand Dieter Hahn sollten die Liga-Rechte für 500 Millionen Euro pro Saison bekommen und sie dann an alle anderen Interessenten weiterverkaufen.

Doch der Deal wäre praktisch das Todesurteil für die „Sportschau“ im Ersten gewesen, die im Samstagvorabendprogramm mit Ausschnitten aus den wichtigsten Spielen noch immer fünf bis sechs Millionen Zuschauer anzieht. Dagegen legte der damalige Kartellamts-Chef Bernhard Heitzer sein Veto ein: Eine zeitnahe Zusammenfassung im freien Fernsehen müsse bestehen bleiben, so seine Argumentation, sonst würden die treuen Fans zum Bezahl-Abo praktisch gezwungen. Die Liga schäumte – das Kartellamt hatte der „Sportschau“ mangels Konkurrenz quasi eine Bestandsgarantie ausgestellt. Aus formalen Gründen zog die Vertretung der Proficlubs – erfolglos – gegen die Kartellwächter bis vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht.

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