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Sky gegen Telekom Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

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Plötzliche Kehrtwende der Liga

Der US-Medienunternehmer Rupert Murdoch ist größter Anteilseigner des Bezahlsenders Sky, der die Bundesliga live zeigt. Sky ist im aktuellen Rechtepoker größter Konkurrent der Telekom. Quelle: dapd

Doch diese Zeiten sind vorbei. Heitzer wechselte ein Jahr später als Staatssekretär ins Bundeswirtschaftsministerium, und sein Nachfolger Andreas Mundt vollzog zur Freude der Liga einen 180-Grad-Schwenk. Anders als Heitzer setzt Mundt auf Markt und Wettbewerb – die Liga betont nicht umsonst immer wieder, dass ihr neues Vermarktungskonzept in sehr enger Zusammenarbeit mit den Kartellhütern entstanden ist. Zwar hat sich in der TV-Landschaft nichts Grundsätzliches geändert. Noch immer stehen sich öffentlich-rechtliche und Privatsender gegenüber. Und der Bezahlsender Sky, an dem der umstrittene US-Medienmogul Rupert Murdoch fast die Hälfte der Anteile hält, ist nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Doch „das wettbewerbliche und technologische Umfeld ist heute ein ganz anderes“, sagt Mundt, „auch ich habe zum Beispiel ein Smartphone in der Tasche.“

Tatsächlich machen nicht länger nur die etablierten Sender das Rennen unter sich aus. Längst sind neue Spieler hinzugekommen – Internet-Anbieter wie Google und Gerätehersteller wie Apple, die Medieninhalte anbieten und weltweit attraktive Rechte kaufen. Sie brauchen Inhalte, um Dienste, Werbeflächen und Geräte zu verkaufen. In immer mehr Hosentaschen steckt inzwischen ein Mobiltelefon, mit dem man im Internet surfen kann, in immer mehr Bürotaschen ein Tablet-Rechner, und in immer mehr Wohnzimmern steht ein internetfähiges Fernsehgerät.

Die wichtigsten Web-TV-Anbieter
Screenshot Webseite tape.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Live.tv Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sevenload Quelle: Screenshot
Screenshot Zattoo-Webseite Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Sendungverpasst.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite Qtom.de Quelle: Screenshot
Screenshot der Webseite TV-Stream.to Quelle: Screenshot

Tricks und Gerüchte

„Zwei Drittel aller Internet-Nutzer“, sagt Medien-Berater Goldhammer, „schauen sich bereits Web-Videos an.“ Eine Steilvorlage für Liga-Chef Seifert: „Die Zahl der Fans, die eine Internet-Sportschau schon heute nutzen würden, ist erheblich.“ Auf diese Weise erhöht er nicht zuletzt den Druck auf die ARD, mehr Geld für die Rechte lockerzumachen als die 75 Millionen Euro aus der derzeit noch laufenden Rechteperiode.

Gleichzeitig gilt für die ARD wie für die übrigen Bieter: Neben den einzelnen Spielepaketen für Liveübertragungen im Bezahlfernsehen gibt es zwei große Körbe mit verschiedenen Formen von Zusammenfassungen und Aufzeichnungen. Diese beiden Körbe – von der Liga „Szenarien“ genannt – sind miteinander verbunden wie kommunizierende Röhren.

Beispiel: der Korb für klassische Sendungen. Hierzu gehören Sendungen wie die „Sportschau“ samstags um 18.30 Uhr, vier weitere Sendungen zu anderen Zeiten sowie eine Bezahlsendung ab 18.15 Uhr im Web-TV und Mobil-TV. Dieser Korb steht rechnerisch in Konkurrenz zum Korb „Neue Medien“, zu dem erste Zusammenfassungen ab 19 Uhr im Internet sowie erste Bilder in frei empfangbaren Sendungen im Fernsehen ab 21.45 Uhr gehören. Ist die Summe der Angebote im Korb Klassische Sendungen höher, kommen die Bieter für die darin enthaltenen Sendungen zum Zuge. Die Sendungen im Korb „Neue Medien“ fallen dann unter den Tisch.

Dass die Bieter bis zum Zuschlag hinter und vor den Kulissen mit allerlei Gerüchten gegen ihre Wettbewerber arbeiten, darauf hat sich DLF-Chef Seifert eingestellt. Wenn es etwa um die drei größten Konkurrenten um die Liveübertragungsrechte geht, das sind Hahns alte Kirch-Firma KF15, die Telekom und Sky, schwant dem Vermarktungsprofi: „Über die einen werden wir hören, dass sie keine Bonität haben. Über die anderen, dass es juristisch nicht funktionieren wird, weil der Bund Anteile an der Telekom hat und sie deshalb keinen Rundfunk betreiben dürfe.“ Und über Sky, meint Seifert, „werden wir hören, dass sie sich aus Deutschland zurückziehen, wenn das mit den Zeitungen in England nicht funktioniert“.

Dabei schmeißt sich der Bezahlsender aus Unterföhring bei München, der die aktuellen Rechte für die Liveübertragungen der Bundesliga und im Web besitzt und dafür pro Saison 250 Millionen Euro zahlt, gegenwärtig besonders heftig ins Zeug. So durfte Deutschland-Chef Brian Sullivan pünktlich zum Auftakt des Rechtepokers eine Reihe guter Nachrichten verkünden: Die Zahl der Abonnenten sei auf mehr als drei Millionen gestiegen, und es kämen 300 Millionen Euro frisches Kapital zur Stärkung des Kerngeschäfts. Zuvor hatte Sky beim Neujahrsempfang der DFL im Januar in Frankfurt ordentlich Prominenz aufgefahren. Chase Carey persönlich, hinter Murdoch wichtigster Mann beim US-Medienkonzern News Corp. und einer der mächtigsten Medienmanager weltweit, machte der DFL und Seifert seine Aufwartung.

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