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Sky gegen Telekom Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

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Schwerste Entscheidung

Mitten drin statt nur dabei - 18 Millionen TV-Zuschauer verfolgen Woche für Woche die Spiele der ersten und zweiten Fußballbundesliga entweder live oder in den Zusammenfassungen, die auf unterschiedlichen Sendern laufen. Quelle: dapd

Auch der Start des Senders Sky Sport News HD im vergangenen Dezember, der 24 Stunden am Tag Sportnachrichten sendet und für den der Konzern eigens 200 Mitarbeiter anheuerte, passt in die Strategie: „Sky will zum Funkhaus mit Senderfeeling werden“, sagt Medienexperte Lauff, „und endlich mehr machen als Marketing, Vertrieb und Kundenpflege.“

Und schließlich filmten sich die Sky-Macher in die Herzen derer, die über die Vergabe der Übertragungsrechte entscheiden. „Die haben gefühlt in den vergangenen Wochen noch den kleinsten Zweitligisten für Reportagen besucht und dabei viele Bäuche gepinselt“, sagt ein Liga-Kenner. Liegen am Ende des Bieterverfahrens Gebote nah beieinander, entscheidet der DFL-Vorstand. Und dort hat jeder Verein eine Stimme.

Doch auch die Telekom als größter Sky-Konkurrent hat ihr Budget für den Erwerb der Liga-Rechte aufgestockt. Der Magenta-Riese hatte 2009 die Rechte für das Internet- und Mobile-TV für 25 Millionen Euro pro Saison ersteigert und damit das wichtigste Zugpferd für das konzerneigene Liveprogramm „Liga Total“ quasi aus der Portokasse bezahlt. Dieses Mal greift Deutschland-Chef Niek Jan van Damme auch nach den viel teureren Übertragungsrechten via Kabel, Satellit und Antenne. Seit dem Sommer gibt es das Telekom-eigene TV-Produkt Entertain auch in einer für den Satellitenempfang abgewandelten Version. Und die verkauft sich deutlich besser als die ursprüngliche Lösung für schnelle DSL- und VDSL-Anschlüsse, die es nur in größeren Städten gibt.

Runde Sache - Einnahmen der Bundesliga 2010/2011

Kunden bleiben aus

Van Damme steht vor einer seiner schwersten Entscheidungen. Auf der einen Seite benötigt er attraktive Inhalte wie die Bundesliga, um im TV-Geschäft zu wachsen und den Siegeszug der Kabelgesellschaften zu stoppen. Auf der anderen Seite verkauft sich das Fußballprogramm „Liga Total“ so schwach, dass ihm eine Fehlinvestition droht. Nur zehn Prozent der 1,6 Millionen Entertain-Kunden haben „Liga Total“ (ab 14,95 Euro pro Monat) zu ihrem bestehenden Entertain-Paket dazugebucht. Und nur etwa 100.000 Kunden der Konzerntochter T-Mobile verfolgen die Spiele live auf ihrem internetfähigen Smartphone und zahlen dafür weitere fünf Euro pro Monat.

Schlimmer noch – auch die Hoffnung, dass Entertain mit „Liga Total“ ein Selbstläufer wird, hat sich als Trugschluss herausgestellt. Die Verkaufszahlen brachen im vergangenen Jahr sogar so stark ein, dass der Telekom-Vorstand seine Mittelfristplanung verfehlte. Statt – wie ursprünglich vorgesehen – bis Ende 2011 bei der Zahl der Entertain-Nutzer die wichtige Zwei-Millionen-Marke zu überspringen, bleibt die Telekom weit hinter ihren selbst gesteckten Planvorgaben zurück. Selbst eine Preissenkung um weitere fünf Euro konnte dem Angebot kein neues Leben einhauchen.

„Statt mit satten Pluszahlen einen neuen Wachstumsmarkt zu erschließen, fällt der Neukundenzuwachs sogar hinter die Vorjahre zurück“, sagt ein Telekom-Manager, der ungenannt bleiben will. Die Geschäftszahlen jedenfalls, welche die Telekom am vergangenen Donnerstag in Bonn vorlegte, untergraben ein weiteres Mal ihre Wachstumsstrategie. Seit Jahren drosselt der Ex-Monopolist seine Investitionen beim Ausbau zukunftsfähiger Glasfaseranschlüsse, weil es mangels Kunden kaum noch Regionen gibt, in denen sich ein Ausbau lohnt. Ein Schwächeanfall im TV-Geschäft wirkt sich noch dramatischer aus. Wenn die Zuschauer der Telekom zu wenige Fernseh-Pakete abkaufen, fehlt eine weitere Einnahmequelle zur Refinanzierung des teuren Glasfaserausbaus. Die Telekom müsste ihre ohnehin schon abgespeckten Ausbaupläne dann noch einmal überarbeiten.

Ohne die Aussicht auf schnelle Glasfaseranschlüsse könnten bald aber noch mehr Kunden zu den Kabelfirmen wechseln. Denn deutlich besser als dem Ex-Monopolisten gelingt es den beiden Marktführern Kabel Deutschland und Unitymedia Telefon, Internet und Fernsehen (im Fachjargon: Triple Play) im Paket zu verkaufen. Zwei Drittel aller Neukunden buchen einen schnellen Internet-Anschluss bei den beiden TV-Kabelgesellschaften.

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