Smartphones Nokia am Tiefpunkt

Nokias Wechsel zu Microsoft hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz. Auch das hoch gelobte Lumia 800 kann den Absturz des einstigen Weltmarktführers im Smartphone-Geschäft nicht stoppen.

Nokias geplantes Comeback ist offenbar schwerer als erwartet - Trotz des hochgelobten Lumia 800 Quelle: Reuters

Die Extreme könnten kaum größer sein. Auf der einen Seite der phänomenale Siegeszug der Kultmarke Apple, die mit dem iPhone von einem Verkaufserfolg zum nächsten eilt und allein im Weihnachtsquartal 2011 den Absatz auf 37 Millionen Geräte mehr als verdoppeln konnte. Auf der anderen Seite der fortschreitende Niedergang des entthronten Marktführers Nokia.

Auch die vielen Lobeshymen der Fachwelt auf das neue Lumia 800, das erste gemeinsam mit Microsoft entwickelte Smartphone, konnten nicht verhindern, dass die Finnen im Weihnachtsgeschäft weiter an Bedeutung verloren. Nur noch 19,6 Millonen Smartphones, also etwa halb so viel wie Apple, konnte Nokia zwischen Oktober und Dezember 2011 verkaufen. Die Folgen sind gravierend: Während Apple Gewinnrekorde meldet, stürzt Nokia ab und rutscht mit einem Verlust von über eine Milliarde Euro in die roten Zahlen.

Die besten Smartphones im Überblick
Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone "nur" die überarbeitete Version des iPhone 4 ist, rissen die Kunden es den Händlern nur so aus den Händen - sowohl in den USA als auch im Rest der Welt. In den ersten 24 Stunden gingen bei Apple mehr als eine Million Vorbestellungen für das 4S ein, die Deutsche Telekom warnte die Kunden schon vor Verzögerungen. Äußerlich ist das 4S nicht vom Modell 4 zu unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Inneren. Wichtigste funktionale Verbesserung ist die Funktion Siri - ein persönlicher digitaler Assistent, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird. Der neue A5-Doppel-Kern-Prozessor macht das Handy gegenüber den Vorgängern deutlich schneller. Allerdings sinkt die maximale Standby-Zeit des Gerätes um ein Drittel von 300 auf 200 Stunden. Die Kamera wurde deutlich verbessert und soll Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Die Antenne ist nun ebenfalls deutlich leistungsfähiger. Technik, Preis:Apple iOS 5 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 640 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera mehr als 425.000 Apps Preis: 629 - 849 Euro (ohne Vertrag) Quelle: Pressefoto
Sony Xperia S Quelle: dapd
Motorola Atrix: Duales SystemMit dem Top-Modell Atrix markiert Motorola den Anspruch, an alte Technikstärken anzuknüpfen. So liefert der Prozessor mit rekordverdächtigen zwei Gigahertz Leistung Rechenpower satt. Trotz des extrem hellen Displays hält das wegen der umfangreichen Ausstattung etwas klobig geratene Telefon rund acht Stunden durch. Wer will, der verwandelt das Handy über ein Erweiterungsmodul mit Akku und integrierter Tastatur in eine Art Laptop light. Technik, Preis:Google Android 2.2 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 540 Bildpunkte WLAN-Hotspot Fingerabdrucksensor Preis (online, ohne Vertrag): ab 350 Euro Quelle: Pressefoto
HTC Sensation: Das Block-KraftwerkDas Gehäuse aus dem Alublock gefräst, das Touch-Display aus gehärtetem Spezialglas – HTCs High-End-Handy präsentiert sich als robustes, opulent ausgestattetes Büro- Werkzeug, das dafür mit 150 Gramm etwas schwerer wiegt. Neben E-Mail- und Web-Zugriffen ermöglicht das Gerät auch Zugriffe auf HTCs Online-Filmverleih „Watch“. Die Ausdauer allerdings ist mit vier Stunden Dauergespräch eher mittelmäßig. Technik, Preis:Google Android 2.3 Doppelkern-Prozessor Elf-Zentimeter-Display 960 x 540 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 425 Euro Quelle: Pressefoto
Sony Ericsson Xperia arc: Der Bogen-FunkeÜber das Design lässt sich streiten, nicht aber darüber, dass Sony Ericsson mit dem elegant geschwungenen und nur 117 Gramm schweren Top-Modell ein echter Hingucker gelungen ist, der sich von der Masse der Android-Boliden deutlich abhebt. Der integrierte HDMI-Anschluss macht deutlich, dass das Gerät auch als Zuspieler für Flachbild-Fernseher gedacht – und dank der integrierten Acht-Megapixel-Kamera mit HD-Ready-Auflösung auch geeignet ist. Allerdings reicht auch hier die Qualität der Handy-Optik nur numerisch an die regulärer Digitalkameras heran. Technik, Preis:Android 2.3 10,8-Zentimeter-Display 854 x 480 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera HDMI-Anschluss und Adapter Preis (online, ohne Vertrag): ab 320 Euro Quelle: Pressefoto
Samsung Omnia 7: Das Fenster-FonSamsungs Edel-Handy Omnia 7 gehörte zum Start der neuen Microsoft-Handysoftware "Windows Phone 7" vor Jahresfrist zum Besten, was die Windows-Handywelt zu bieten hatten. Das Display des Omnia W. ist mit knapp 9,5 Zentimetern für ein Top-Handy zwar knapp unterdurchschnittlich groß, glänzt aber wegen der Amoled-Technologie mit besonders leuchtstarken Farben und guten Kontrasten. Technik, Preis:Windows Phone 7.5 Mango 1,4 Gigahertz-Prozessor 9,5-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte Fünf-Megapixel-Kamera Preis (online, ohne Vertrag): ab 385 Euro Quelle: Pressefoto

Scheitert das Comeback?
Das von Nokia-Chef Stephen Elop für dieses Jahr angekündigte Comeback ist offenbar schwerer als erwartet. Während Mobilfunkbetreiber wie die Deutsche Telekom und O2 offiziell verkünden, dass sich das neue Smartphone Lumia 800 seit der Premiere Anfang November „sehr gut verkauft hat“ beziehungsweise „zu den bestverkauften Geräten in unserem Weihnachtsgeschäft“ zählte, bleiben die echten Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück. Gerade mal knapp über eine Million verkaufte Lumia-Geräte meldet Nokia in seinem Quartalsbericht.

Optimistische Analysten hatten mit deutlich höheren Absatzzahlen gerechnet. Erste Analysen in den Shops zeigen, dass sich Nokias Werbeoffensive nicht ausgezahlt hat. Viele Interessenten schauen sich zwar neugierig den neuen Nokia-Hoffnungsträger an. Doch die meisten ändern ihre schon vorher getroffene Kaufentscheidung zugunsten von Apple und Samsung nicht mehr, die deshalb weiter Marktanteile hinzugewinnen.

Nokias Ladenhüter
Besonders schlimm für Nokia-Chef Elop ist, dass die alten Smartphones mit dem auslaufenden Betriebssystem Symbian heute bereits Ladenhüter sind und schneller als erwartet vom Markt verschwinden. „Wir glauben inzwischen, dass wir weniger Symbian-Geräte verkaufen als wir ursprünglich planten“, gibt Elop kleinlaut zu und spricht sogar offiziell von einem „verstärkten Druck auf Symbian“. Um das erste Lumia-Smartphone in der Rekordzeit von sechs Monaten auf den Markt bringen, hatte Elop die besten Entwicklerteams von Symbian abgezogen.

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Das rächt sich jetzt: Nutzer von Symbian-Geräten beklagen technische Mängel, die es früher nicht gab und die auch durch Updates beim Betriebssystem nicht beseitigt werden können. Ein Stammkunde, der Hamburger Unternehmer Andreas Damm, reichte sogar Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Betrug und falscher Werbeaussagen ein, wie die WirtschaftsWoche exklusiv berichtete. Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft nun, ob sie Ermittlungen aufnimmt.

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