Sparprogramm Turbine 2013 Air Berlin - Flug ins Ungewisse

Die ersten Details des neuen Sparprogramm von Air Berlin sind bekannt. Der neue Konzernchef Wolfgang Prock-Schauer muss die trudelnde Linie komplett erneuern und sie entweder an den arabischen Großaktionär Etihad ketten – oder weit von ihm lösen.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Wolfgang Prock-Schauer hat es eilig. Kaum eine Woche im Amt hat der 56-jährige gebürtige Österreicher, der am Montag voriger Woche Knall auf Fall den bisherigen Cheflenker Hartmut Mehdorn ablöste, Einzelheiten des noch von Mehdorn angekündigten Sparprogramms „Turbine“ präsentiert.

Es ist mit radikalste Programm, dass sich derzeit eine Fluglinie verordnet. Die Kosten sollen bis 2014 um 400 Millionen Euro oder fast zehn Prozent vom Umsatz sinken. Dafür sollen 900 der gut 4300 Mitarbeiter gehen und die Flotte von heute 158 auf 136 aktive Flugzeuge schrumpfen.

Für die Linie ist das eine Art letzter Aufruf. Sie braucht sofort einen Komplettumbau. Doch dabei muss sie nicht nur mehr sparen, sondern auch ihre Strategie und besonders das Verhältnis zum Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi überdenken, der knapp 30 Prozent an Air Berlin hält.

Ein paar Kennziffern zu Air Berlin

Mag Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber Mehdorns Amtszeit auch positiv werten: In den beiden Geschäftsjahren unter dem Ex-Bahn-Chef schmolz das Eigenkapital weiter, und trotz aller Sparprogramme decken die Ticketverkäufe weniger denn je die Kosten. Der für 2012 versprochene Gewinn rührt aus dem Verkauf des Vielfliegerprogramms an Etihad für großzügige 184,4 Millionen Euro. „Wäre Air Berlin ein Flugzeug, würde sie trudeln“, vergleicht ein Konzernkenner die Lage mit einem gefährlichen Strömungsabriss.

Zu billige Tickets und unklare Strukturen

Denn an den Gründen für die Misere hat Mehdorn wenig geändert. Obwohl die Linie mit der Übernahme der Billigflieger DBA und Gexx oder der Feriengesellschaft LTU zum Milliardenkonzern gewuchert ist, arbeitet sie noch zu sehr mit unklaren mittelständischen Strukturen. Wegen der veralteten Preissteuerung verkauft sie mehr billige Tickets als nötig. Und die Geschäftsfelder Flüge für Reiseveranstalter, europäische Städteverbindungen und Langstrecke arbeiten eher neben- als miteinander.

Zu schlechter Letzt fordert Etihad mehr Zubringer zu seinen Langstreckenflügen, obwohl Air Berlin beim Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld mehr Kooperation mit British Airways versprochen hat. "Das zu ändern ist fast ein Himmelfahrtskommando", sagt ein Manager, der den Berliner Chefposten dankend abgelehnt hat.

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