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Sportrechtevermarkter Chinesischer Investor Dalian Wanda kauft Infront

Die chinesische Dalian-Wanda-Gruppe hat den Fußball-WM-Vermarkter Infront gekauft. Der Schweizer Sportrechtevermarkter will damit seine Expansionsstrategie finanzieren.

Erst im Januar ist Jianlin Wang mit 45 Millionen Euro bei Atletico Madrid eingestiegen Quelle: REUTERS

Die chinesische Wanda-Gruppe hat den Schweizer Sportrechtevermarkter Infront für 1,05 Milliarden Euro übernommen. Das Konglomerat unter Kontrolle des Magnaten Wang Jianlin wird 68,2 Prozent der Infront-Anteile halten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Wanda-Vertreter, dass drei bislang unbekannte chinesische und globale Investoren die restlichen Anteile übernehmen.

Die Dalian Wanda Group ist Chinas größter Immobilienkonzern und hält die größte Kino-Kette der Welt. "Dieser Zukauf ermöglichte es Wanda, mit einem Zug zu einem globalen Führer in der Sportindustrie zu werden", sagte der Vorstandsvorsitzende Wang Jianlin nach der Vertragsunterzeichnung in Peking. "Neben Infront wird Wanda noch zwei weitere Kulturgesellschaften übernehmen." Weitere Details zu den geplanten Zukäufen nannte er nicht.

Die umsatzstärksten Fußballclubs

Experten schätzen Wangs Vermögen auf 15 Milliarden Euro, womit er zu den reichsten chinesischen Unternehmern gehört. Derzeit investiert Wang vor allem außerhalb Chinas, um sein Konglomerat breiter aufzustellen. Im vergangenen Jahr erwarb eine Dalian-Tochter das Madrider Wahrzeichen "Edificio Espana", ein 117 Meter hohes Hochhaus in Madrid. Zudem zählt Wang mit einer Beteiligung von 45 Millionen Euro zu den Großaktionären des Fußballklubs Atletico Madrid.

Seit Monaten auf Käufersuche

Die Kultur-Sparte von Wanda, zu der auch der US-Kinobetreiber AMC gehört, hatte den Umsatz im vergangenen Jahr auf umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro verdoppelt. Für 2015 rechnet Wang mit einer Umsatzsteigerung auf 6,3 Milliarden Euro. Einen Großteil des Wachstums wird Infront ausmachen, das im vergangenen Jahr 800 Millionen Euro umgesetzt hat.

Die zehn wertvollsten Sportmarken der Welt
Platz 10: UFCMarkenwert 2014: 440 Millionen US-Dollar Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat die jährlich erscheinenden „The Forbes Fab 40“-Ranglisten veröffentlicht. In vier Kategorien – Unternehmen, Events, Teams und Athleten – werden jeweils die zehn aktuell wertvollsten Marken aufgelistet. In diesem Jahr neu dabei: Die Ultimate Fighting Championship, die in der Kategorie „Unternehmen“ auf dem zehnten Platz ist. UFC ist der weltweit größte Veranstalter von verschiedenen Kampfsportarten und der derzeitige Marktführer. Im Jahr 2001 kauften Lorenzo und Frank Fertitta die am Boden liegende UFC für knapp zwei Millionen US-Dollar und bauten die Organisation zusammen mit Dana White zu einem Milliarden-Unternehmen auf. Laut White schreibt die UFC erst seit 2007 wieder schwarze Zahlen. Quelle: Forbes.com Quelle: AP
Platz 9: MLBAMMarktwert 2014: 520 Millionen US-Dollar (2013: 480 Millionen US-Dollar)MLBAM, der Mediendienst der US-amerikanischen Baseball-Liga, ist auf den neunten Platz in der Kategorie „Unternehmen“ gelandet. Ein schnelles Wachstum, ein bestes Kundenportfolio und satte Gewinne haben MLBAM zu einer großen und wertvollen Marke im amerikanischen Sport gemacht. Quelle: AP
Platz 8: NESNMarktwert 2014: 525 Millionen US-Dollar (2013: 510 Millionen US-Dollar)Nachdem die Boston Red Sox unter dem neuen Manager John Farrell die World Series erreichte, erhöhte sich schlagartig die monatliche Abo-Gebühr des regionalen Sportkanals des Teams von 3,91 US-Dollar auf 4,22 US-Dollar. Der Wert von NESN wird auf stolze 525 Millionen US-Dollar geschätzt. Quelle: AP
Platz 7: YESMarktwert 680 Millionen US-Dollar (2013: 625 Millionen US-Dollar)Der New Yorker Regional-Sportsender Yes gilt als gut etablierter Sender, nachdem Goldman Sachs und Providience dem Sportsender bei seiner Entstehung im Jahr 2011 finanziell geholfen haben. Die New York Yankees spielen in Amerikas größtem Medienmarkt, wobei die Spiele der Yankees in der Regel höher bewertet werden als die Spiele anderer lokaler Teams in den USA. Das wirkt sich auch positiv auf den Sender aus. Quelle: AP
Platz 6: ReebokMarktwert 2014: 880 Millionen US-Dollar (2013: 1,1 Milliarden US-Dollar)Seit 2006 gehört Reebok zur Adidas AG und ist im Bereich Hockeyausrüstungen Weltmarktführer. Allerdings ist der Umsatz durch Sportartikel wie Schuhe und Bekleidung in den vergangenen zwei Jahren um 15 Prozent eingebrochen, von 3,36 Milliarden US-Dollar auf 2,85 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 5: Under ArmourMarktwert 2014: 4,1 Milliarden US-Dollar (2013: 3,7 Milliarden US-Dollar)Under Armour hat bereits Adidas umsatzseitig in den USA überholt. Der US-amerikanische Sportartikel-Hersteller hat sich in nur wenigen Jahren im Vollsprint zur Nummer zwei hinter US-Marktführer Nike Nike geschoben. Auch in Deutschland ist die Marke sehr erfolgreich: Under Armour war unter anderem von der Saison 2008/09 bis 2011 offizieller Ausrüster von Hannover 96. Quelle: Screenshot
Platz 4: Sky SportsMarktwert 2014: 4,5 Milliarden US-Dollar (2013: 4,1 Milliarden US-Dollar)Sky Sports gehört zu den Top-Sportkanälen in Großbritannien und Irland. Mittlerweile hat der Sender die Übertragungsrechte auf europäische Fußballligen und -Wettbewerbe sowie andere Sportarten wie die Formel 1 und ist mit einem Marktwert von 4,5 Milliarden US-Dollar Marktführer unter den Sport-Fernsehsendern. Quelle: REUTERS

Infront vermarktet neben Fußball-Großveranstaltungen vor allem Wintersport-Events und ist unter anderem auch im Handball und Volleyball aktiv. Erst kürzlich hat Infront zwei große Aufträge an Land gezogen: Ende Januar hatte der DFB bekannt gegeben, dass Infront den DFB-Pokal ab der Spielzeit 2016/2017 komplett vermarkten wird. Zudem werden die Schweizer auch die Vermarktung der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC übernehmen. Bei dem Sportrechtevermarkter ist seit Jahren auch Ex-Nationalspieler Günter Netzer tätig. Er ist Executive Director und Mitglied der Geschäftsführung.

Infront ist im Jahr 2002 als Ableger des dem zerfallenden Kirch-Imperium entstanden und sich vor allem auf den Rechte-Verkauf für große Fußball-Turniere konzentriert. Vor drei Jahren hatte der britische Finanzinvestor Bridgepoint das Unternehmen für geschätzte 550 Millionen Euro gekauft.

Im vergangenen September hatte Infront-Chef Philippe Blatter, Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter, angekündigt, für seine Expansionsstrategie frisches Geld und neue Investoren zu benötigen – der jetzt mit Wang gefunden ist. Blatter wird das Unternehmen laut einer Mitteilung weiterhin führen.

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