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Sportwetten Wie Tipico in Deutschland Geschäfte macht

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Kein Hacker soll das Geschäft verderben

Der Eindruck des Halbseidenen ist in Karlsruhe ganz weit weg. Der Himmel wölbt sich wolkenlos über der alten Nähmaschinenfabrik im Stadtteil Durlach, im Inneren verteilen sich die charakteristischen roten Tipico-Logos neben denen von Restaurants und dem eines Fitnessstudios über mehrere Gebäudeteile und Stockwerke. Das soll bald anders werden. Hinter dem Komplex wächst in einer Baugrube ein neues Gebäude nach oben. Wenn es fertig ist, soll es die deutschen Aktivitäten bündeln und, wie es sich für einen Digitalkonzern gehört, dann auch Campus heißen. Begrünte Dachterrasse inklusive.

Noch aber stapeln sich Wettterminals in einer Halle in einem Hinterhof, Techniker nehmen letzte Handgriffe vor, bevor sie die Geräte in Kartons stecken und in die Läden schicken. Bis zu 2000 Terminals liefere Tipico jedes Jahr aus, sagt Cheftechniker Albrecht von Senden, der in Jeans und weißem Hemd durch die Wettwelt führt. Im nächsten Raum begrüßt er Callcenter-Mitarbeiter, an die sich die Betreiber der Wettlokale wenden können, wenn es Probleme gibt. „Vor vier Jahren mussten hier wegen der Zeitverschiebung nach Brasilien einige Teams nachts arbeiten“, sagt von Senden. Das Problem gibt es mit Russland nicht.

Trotz des nahenden Großereignisses wirkt der Technikchef entspannt. Die WM sei gar keine so große Herausforderung, sagt er, schließlich konzentrierten sich die Einsätze auf eine sehr überschaubare Zahl von Spielen, die zudem auch noch zeitlich versetzt stattfinden. Ein gewöhnliches Wochenende mit parallelen Spielen in allen möglichen europäischen Ligen sei technisch deutlich anspruchsvoller. Vor allem die Sicherheit der eigenen Systeme hat das Unternehmen zuletzt noch mal gründlich überprüft. Es soll schließlich kein Hacker das Geschäft verderben.

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Heißes TeilDer schlichte Holzkohlegrill von Yron steht auf drei Beinen aus Eichenholz. Rost und Schale sind aus Eisen gegossen. Die halbrunden Aussparungen an den Seiten erleichtern das Anzünden, da der Grill so permanent belüftet wird. 396 Euro. yron.de Quelle: PR
Brillante SichtEpsons Beamer EH_TW5400 eignet sich perfekt fürs Public Viewing. Die Farben sind natürlich, der Kontrast stark, die Leuchtkraft zaubert auch tagsüber im Freien ein passables Bild an die Wand. Am Abend ist die Optik selbst bei Bilddiagonalen von drei Metern brillant. Gewicht: 3,2 Kilo. Preis: rund 700 Euro. epson.de Quelle: PR
Individueller TischMit diesem hochwertigen Tischkicker aus Stahl geht die Feier nach dem Abpfiff noch weiter. Der Clou: Er lässt sich im Onlineshop von Designkicker individualisieren. Wer möchte, kann sogar das Firmenlogo auf die Trikots der Figuren pinseln lassen. Ab 3390 Euro. designkicker.de Quelle: PR
Schönes GefäßDie Biergläser des italienischen Designers Daniele Semerano sind nicht nur schick, sondern auch den üblicherweise ausgeschenkten Mengen verschiedener Biersorten angepasst, vom Pilsener bis zum Pint. Das Monti Taste Set kostet 86 Euro und besteht aus vier mundgeblasenen Kristallgläsern. store.moma.org Quelle: PR
Historisches LeibchenDie Trikots der Champions von 1954 sind Klassiker unter den Sportleibchen. Gegen einen Aufpreis können Spielernamen der Weltmeister von damals ergänzt werden. Ohne Aufdruck kosten die Trikots 29,95 Euro. fanshop.dfb.de Quelle: PR

Ein Angriff auf die IT könnte das Unternehmen mitten ins Herz treffen. „Auf unseren Servern finden jede Sekunde Tausende Transaktionen statt. Gleichzeitig unterliegen alle Wetten einer Sicherheitsprüfung, ähnlich wie bei einer Versicherung“, erklärt von Senden. Zusätzlich kompliziert wird die Technik durch Angebote wie das sogenannte Live-Cash-Out, über das sich Kunden ihre Wettergebnisse schon vor Ende eines Spiels auszahlen lassen können. Doch von Senden will alles möglich machen, was Kunden an das Unternehmen bindet. Besonders stolz ist er auf die „Customer-Card“, die das Onlinegeschäft mit den stationären Niederlassungen verbindet. „Mit ihr können Kunden dann über die App spielen, sich den Gewinn aber im Wettbüro auszahlen lassen“, sagt von Senden.

Ganz am Schluss der Tour führt von Senden in eine Zwischenetage. Die Wände sind nackt, die Büros wirken fast altbacken. Trotzdem ist der Trakt wichtig. Denn hier hat vor Jahren alles begonnen. Wie es genau losging, lässt das Unternehmen im Dunkeln. Bekannt ist nur, dass sich Mitte der Neunzigerjahre drei Studenten aufmachten, den deutschen Glücksspielmarkt mit einem neuen Angebot für Pferdewetten aufzumischen. Selbst die Namen der Gründer hält das Unternehmen geheim.

Sie finden sich jedoch im Handelsregister von Malta. 2004 haben dort vier Deutsche eine Gesellschaft namens „Tipiko“ angemeldet. Oliver V., Dieter P. und Mladen P. sind damals Anfang 30, neben den Gründern ist auch der 20 Jahre ältere Anwalt Wolfgang K. aus Karlsruhe an der Gesellschaft beteiligt. Oliver V. und Mladen P. sind in den folgenden Jahren in führenden Positionen für Tipico tätig. Dieter P. arbeitet bis 2014 in der Kanzlei von Wolfgang K. als Anwalt mit der Spezialität Glücksspielrecht – und tritt bei vielen Prozessen in eigener Sache auf.

In Deutschland ist privates Glücksspiel 2004 verboten, von Malta aus ist es dank europäischer Dienstleistungsfreiheit möglich und hat sich dort mittlerweile zu einer der größten Branchen entwickelt. Tipico betont, dass der Standort auf der Mittelmeerinsel mehr ist als eine Briefkastenfirma. Im Portomaso Business Tower in der Stadt St. Julians beschäftigt die Firma rund 250 Mitarbeiter.

Einer der wichtigsten ist gerade über einen Videobildschirm in einen schmalen Konferenzraum in Karlsruhe zugeschaltet. Benjamin Speckenbach trägt Poloshirt und Mehrtagesbart, trotz des legeren Looks redet der Chef von insgesamt 150 Buchmachern wie ein Banker. Er spricht von „liquiden Märkten“, vom „Traden“, von „Risikomanagement“ und „Margen“. Sein Job ist es, im Spiel mit dem Zufall möglichst wenig dem Zufall zu überlassen.

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