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Sportwetten "Livewetten fördern die Spielmanipulation"

Spielmanipulation auf dem Platz. Quelle: imago images

Sportwetten boomen. Der Suchtforscher Jens Kalke erklärt, warum er Torwartlegende Oliver Kahn als Werbefigur höchst problematisch findet und was der Einstieg von Bwin in die dritte Fußballliga für Spieler bedeutet.

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WirtschaftsWoche: Herr Kalke, Sportwetten nehmen rasant zu. Sie arbeiten mit Nachwuchsmannschaften im Fußball und untersuchen deren Verhalten beim Glücksspiel. Tippen Fußballer anders als Sie und ich?
Jens Kalke: Ich bin mit meinen Kollegen tätig bei den Nachwuchsmannschaften des FC St. Pauli, Hertha BSC, HSV und SC Freiburg. Diese Mannschaften haben wir schriftlich befragt, was sie über Glücksspiele wissen und ob sie auch selber Glücksspiele spielen. Die Ergebnisse zeigten, dass 32 Prozent der Jugendspieler zumindest einmal im Monat ein Glücksspiel um Geld spielen und 19 Prozent mindestens einmal im Monat eine Sportwette abschließen. Das liegt eindeutig über dem Durchschnitt in dieser Altersklasse in Deutschland. Interessant sind diese Zahlen auch deshalb, weil unter 18-Jährige in Deutschland eigentlich gar nicht um Geld spielen dürften.

Wo können die Jungkicker dann diese illegalen Wetten abschließen?
Das haben wir nicht erhoben. Aber offenbar geht das sowohl im Internet als auch bei unseriösen stationären Wettanbietern.

Wetten die Fußballer auch auf eigene Spiele?
Das ist verboten und wir gehen davon aus, dass die Spieler das nicht machen, weil es enorme Konsequenzen für sie hat. Aber es gibt natürlich immer wieder Einzelfälle, wo das passiert. Denken Sie etwa an Rene Schnitzler, einen Profi des FC St. Pauli, der in Spielmanipulation verstrickt war. Fußballer sind eine spezielle Risikogruppe für das Glücksspiel um Geld. Und Glücksspiel und Spielmanipulation gehen häufig Hand in Hand. Verschuldete Spieler sind eine interessante Beute für die Wett-Mafia, die Spieler anspricht, um Spiele zu manipulieren.

Bwin kündigte an, in der dritten Fußballliga werben zu wollen. Was bedeutet das für die Nachwuchskicker?
Was mich irritiert, ist die Ankündigung von Bwin, dass sie Präventionsmaßnahmen in deren Nachwuchszentren bezahlen wollen. Ich sehe das als ziemlich problematisch an, wenn Anbieter von Sportwetten potentiell auf die Schulungen Einfluss nehmen können. Besonders gefährlich ist aus Sicht der Forschung ein breites Angebot von Livewetten, weil man dort innerhalb kürzester Zeit viel Geld verlieren kann. Und ich glaube nicht, dass Sportwettanbieter sich wirklich das eigene finanzielle Wasser abgraben bei solchen Schulungen.

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