Stellenabbau bei DB Schenker Rail Das Versagen des Managements

Die Deutsche Bahn streicht bei Schenker Rail radikal Stellen. Grund ist Missmanagement. Und es gibt noch keinen Plan, wie es bei der Güterbahn besser werden kann.

Ein Güterzug der DB Schenker Rail. Quelle: obs

Es klingt, als sei ein Schuldiger gefunden. Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ (WamS) sagte Konzernchef Rüdiger Grube, nach den Streiks der Lokführer seien acht bis zehn Prozent der Kunden bei der Güterbahntochter nicht mehr zurückgekehrt. Die Deutsche Bahn streicht nun Stellen. Die Gewerkschaften gehen von bis zu 5000 Jobs aus - das wären knapp 16 Prozent der Belegschaft bei Schenker Rail. 

Die Lokführer wären nach dieser Lesart also die Buhmänner. Monatelang haben sie den Personen- und Güterverkehr malträtiert. Nun folgt die Quittung: Die Güterbahn schreibt in diesem Jahr Verluste. 

Doch die Wahrheit ist eine andere: Die Probleme bei Schenker Rail sind hausgemacht, besser: managementgemacht. Dass jeder zehnte Unternehmenskunde nicht mehr zurück kommt, liegt nicht an den vorübergehenden Auszeiten durch die Lokführerstreiks, sondern an der miserablen Qualität der Güterbahntochter des Staatskonzerns. Die Pünktlichkeit der Güterzüge der Deutschen Bahn lag im vergangenen Jahr bei 68 Prozent.

Die größten Pannen der Deutschen Bahn
Juli 2015Wegen der großen Hitze sind die Luftkühlungen mehrerer IC-Züge ausgefallen. Anders als im Sommer 2010 reagierte die Bahn diesmal schnell: Sie stellte für die besonders betroffene Linie Berlin-Amsterdam zwei Ersatzzüge bereit. Sie sollen eingesetzt werden, wenn die Luftkühlung in anderen IC auf der Strecke versagt, wie ein Sprecher mitteilte. Außerdem wurden in Osnabrück mehrere Busse stationiert. Dort mussten insgesamt mehrere Hundert Fahrgäste in nachfolgende Züge umsteigen, weil in ihren Zügen die Klimaanlage ausgefallen war. Es habe aber kein Fahrgast gesundheitliche Probleme bekommen, so der Sprecher. Bei etwa einem Dutzend älterer Intercitys auf der Linie Berlin-Amsterdam hatten die Klimaanlagen ihre Arbeit eingestellt. Quelle: dpa
Oktober 2014Ein Warnhinweis sorgt für Lacher, Spott und eine Entschuldigung der Deutschen Bahn: „Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen“ ist am Samstag auf den Anzeigetafeln an mehreren Bahnhöfen in der Region Stuttgart zu lesen gewesen, wo das Volksfest an seinem letzten Wochenende in diesem Jahr wieder Tausende Besucher anlockte. „Wir entschuldigen uns dafür“, sagte eine Bahn-Sprecherin am Sonntag und bestätigte Online-Berichte der „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“. Ein Mitarbeiter habe den Text entgegen aller Vorgaben verfasst. Er werde Anfang der Woche zum Rapport bestellt. Dann solle auch der gesamte Vorgang aufgeklärt werden. Quelle: dpa
August 2013Ein ungewöhnlich hoher Krankenstand in der Urlaubszeit sorgte im August 2013 für ein Fahrplanchaos am Mainzer Hauptbahnhof - und für massiven Ärger bei den Fahrgästen. Die Deutsche Bahn hat für das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof wegen massiver Personalprobleme auf Facebook um Entschuldigung gebeten. „Für die derzeitigen Einschränkungen möchte ich mich entschuldigen“, antwortete ein Mitarbeiter in dem Sozialen Netzwerk auf Beschwerden einer Nutzerin. Die Situation sei „wahrlich nicht schön“. Quelle: dpa
August 2013Um dem Problem der häufig verstopften und verdreckten Zugtoiletten Herr zu werden, setzt die Bahn ab sofort neue Reinigungskräfte, sogenannte Unterwegsreiniger, in ICE-Zügen ein. Die Reinigungskolonne, die auf der Fahrt die Toiletten putzt, wird um 50 Beschäftigte auf 250 aufgestockt, wie der Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr, Berthold Huber, ankündigte. Die Mitarbeiter sollen zugleich stärker entsprechend der Zugauslastung eingesetzt werden. Damit würden die Toiletten in besonders gefragten Bahnen mindestens zweimal und damit doppelt so oft auf der Fahrt gereinigt wie bisher. Der Fahrgastverband Pro Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) lobten die Initiative, wiesen aber zugleich auf andere Probleme hin. „Neben den kaputten oder dreckigen Toiletten gibt es tagtägliche Kundenbeschwerden vor allem über die Klimaanlagen und Verspätungen“, sagte Pro-Bahn-Bundessprecher Gerd Aschoff. Und das sind nicht die einzigen Pannen der Deutschen Bahn... Quelle: dpa
November 2011Nach der persönlichen Anmeldung im neuen elektronischen Ticketsystem „Touch & Travel“ waren für nachfolgende Nutzer die Kundendaten sichtbar. Quelle: dpa
Juli 2010Am einem Wochenende fallen in mehreren ICE-Zügen die Klimaanlagen aus. Fahrgäste kollabierten, Schüler mussten dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im Zuge der Panne wurde bekannt, dass die Klimaanlagen der Bahn nur bis 32 Grad funktionieren. Damals fielen in Dutzenden Zügen die Klimaanlagen aus. Quelle: dpa
April 2010 - ICE verliert TürBei voller Fahrt verliert ein ICE auf dem Weg von Amsterdam nach Basel eine Tür. Das Stahlteil schlägt in einen entgegenkommenden ICE ein. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln werden sechs Menschen leicht verletzt. Ursache für den Unfall ist eine lose Stellmutter an der Verriegelung. Foto: dpa

Seit Jahren fährt die Konzernsparte planlos in die Zukunft. Und dafür ist vor allem das Management verantwortlich. Der Spartenvorstand rühmt sich zwar seit Jahren damit, die einzige Güterbahn in Europa zu sein, die annähernd an die schwarzen Zahlen heranfahre. Der europäische Marktanteil liegt bei 24 Prozent. Doch Wachstum und eine positive Entwicklung ist nicht erkennbar, wurde allenfalls blümerant angekündigt, aber nie eingehalten.

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn brodelt es deshalb schon seit Jahren. Vor zwei Jahren bereits zürnten die Kontrolleure, die Sparte zeichne sich vor allem durch eines aus: Planzahlen in aller Regelmäßigkeit zu verfehlen. Jedes Jahr wurden Gewinne in Aussicht gestellt und jedes Jahr wurden sie gerissen. Oft lagen Plan- und Ist-Zahlen im zweistelligen Prozentbereich auseinander. Das war „Management by Wolkenkuckucksheim“.

Die wichtigsten Firmenübernahmen der deutschen Bahn

Die Unzufriedenheit über die Konzeptlosigkeit auf der Führungsebene setzt sich bis heute fort. Der Aufsichtsrat hat seit langem keine Mittelfristplanung mehr erhalten, in der die Bahn normalerweise ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre skizziert. Ein Grund dafür sind die rigoros verpassten Prognosen der Güterbahntochter. „Die Unruhe im Aufsichtsrat wächst", sagt eine Kontrolleurin. 

Eine Strategie für die Güterbahntochter ist die Deutsche Bahn bis heute schuldig geblieben. Der Transport von Waren und Schuttgütern gehört zum Kerngeschäft der Eisenbahn, er erwirtschaftet rund 4,9 Milliarden Euro pro Jahr. Doch die Fixkosten laufen hier gnadenlos aus dem Ruder. Grube verwies in dem WamS-Interview auf den Zusammenhang, dass 20 Prozent der Verladestationen nur ein Prozent des Umsatzes generieren. „Wir stellen derzeit das Geschäftsmodell des Schienengüterverkehrs explizit auf den Prüfstand.“.

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