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Strafzinsen für Unternehmen Kein flächendeckendes Phänomen

Einzelne Banken verlangen Strafzinsen für Einlagen von Unternehmen. Betroffene sollten möglichst rasch das Institut wechseln.

Die Skyline der Bankenstadt in Frankfurt. Einige Banken verlangen Strafzinsen für Einlagen von Unternehmen. Quelle: REUTERS

Banken sind Herdentiere, meistens grasen sie alle zur selben Zeit auf der gleichen Wiese. Seit ein paar Jahren umgarnen sie besonders eifrig die deutschen Unternehmen, vor allem den gehobenen Mittelstand. Sie locken ihn wahlweise mit günstigen Konditionen, mit ihrer internationalen Präsenz und stellen sich in aufwändigen Medienkampagnen als verlässliche Finanzpartner dar. Dabei ist ein nahezu ruinöser Wettbewerb entbrannt. 

Dazu passt es wenig, wenn Banken die derart Umworbenen verschrecken, indem sie von ihnen Gebühren dafür fordern, dass sie ihr Geld überhaupt annehmen. In Einzelfällen passiert das jedoch: So berichtet laut "FAZ" der Finanzvorstand der Baumarktkette Hornbach, Roland Pelka, dass Unternehmen für kurzfristige Einlagen bei einigen Instituten Strafzinsen zahlen müssten. Damit gäben die Institute die negativen Einlagenzinsen weiter, die sie selbst an die EZB zahlen müssen, wenn sie dort Geld parken. 

Die stabilsten Banken der Welt
Bank of China Holdings, Hong Kong Quelle: REUTERS
Skandinaviska Enskilda Banken Quelle: REUTERS
Platz 8: Pohjola Bank, FinnlandNeben asiatischen Banken dominieren Institute aus Nord-Europa das Ranking. Die finnische Pohjola Bank kommt mit 28,5 Punkten auf Platz 8. Die Geschäftsbank hat in Finnland einen Marktanteil von fast einem Viertel bei Unternehmenskrediten. In der Untersuchung liegen die Finnen besonders bei der Absicherung von Problem-Krediten international weit vorne.
DBS-Bank Quelle: REUTERS
BayernLB Quelle: dpa
Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor al Thani Quelle: dpa
OCBC-Bank Quelle: Reuters

Ein flächendeckendes Phänomen ist das nicht. "Die Firmenkunden der HypoVereinsbank zahlen derzeit keine negativen Zinsen auf Sichteinlagen", heißt es bei dem Institut in München. "Die Deutsche Bank plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen", lautet eine Auskunft in Frankfurt.

"Selbstverständlich haben Banken und Sparkassen ein hohes Interesse an einer langfristigen, stabilen Beziehung mit ihren Firmenkunden", lassen die einzelnen Branchenverbände unter dem Dach der Deutschen Kreditwirtschaft verkünden. Um zu ergänzen, dass "insbesondere am Geldmarkt aktive Institute aufgrund der EZB-Zinspolitik objektiv unter Druck stehen." Letztlich bleiben die Konditionen jedem einzelnen Institut überlassen.

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die "New York Times" berichtet, droht der Commerzbank wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Die Commerzbank hatte bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der US-Behörden steht. Wann die Verhandlungen mit den US-Behörden abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. Quelle: dpa
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für "System-und Kontrollfehler" bestraft. Zugleich wurden der UBS durch die Schweizer Finanzmarktbehörde FINMA scharfe Kontrollen im Investmentbanking auferlegt. Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden. Quelle: REUTERS

In Ausnahmefällen, so heißt es in der Branche, kommen Strafzinsen allerdings tatsächlich vor. Für die betroffenen Unternehmen ist das ein Signal, möglichst rasch die Bank zu wechseln.  Denn die Politik der EZB macht das Geschäft für Banken zwar schwierig. Letztlich demonstriert ein Institut, das die Konditionen einfach weitergibt, damit aber eindrucksvoll, dass es seine Kunden nicht versteht und sie auch nicht beraten kann, was sie mit dem Geld Sinnvolleres anfangen können. Die Konkurrenz ist groß, ein anderer Anbieter dürfte sich schnell finden.

Deshalb dürften auch Privatkunden auf absehbare Zeit kein Geld dafür zahlen müssen, dass Banken ihr Geld verwahren, ist kaum vorstellbar. Der Imageschaden für das erste Institut, das sich mit einer solchen Initiative vorwagt, wäre kaum reparabel. Massenabhebungen wären umgehend die Folge.

In Arbeit
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Stattdessen werden Banken versuchen auf ihre Kosten zu kommen, indem sie etwa Gebühren anheben. Und sie werden Kunden verstärkt zu anderen Anlagen als dem Tagesgeldkonto raten. Solange ihm bewusst ist, dass diese immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist, spricht nichts dagegen. Am aktuellen Zinsumfeld jedenfalls dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

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