WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Strategie 2020 - Expansion Post-Chef reizen Indien, Tschechien und die USA

Die Deutsche Post will mit ihrem Paketgeschäft auch im Ausland wachsen. Das E-Commerce-Geschäft soll für Milliardengewinne sorgen.

Im Rahmen seiner „Strategie 2020“ kündigte Konzernchef Frank Appel an, in den Benelux-Ländern, Polen, der Tschechischen Republik, den USA und Indien stärker zu expandieren. Quelle: dpa

 

Erstmals hat die Deutsche Post in Deutschland  im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als eine Milliarde Pakete zugestellt und hofft in den nächsten Jahren weiter auf Milliardengewinne. Jährlich will sie den operativen Gewinn um acht Prozent steigern und 2020 rund fünf Milliarden Euro Gewinn erzielen. „Wir wollen bis 2020 die weltweit treibende Kraft in der Logistik werden“, kündigte Konzernchef Frank Appel an.

Im Rahmen seiner „Strategie 2020“ will er in den Benelux-Ländern, Polen, der Tschechischen Republik und den USA weiter expandieren. Auch die Schwellenländer sollen zum Wachstum beitragen. In Brasilien, Indien, China und Mexiko will die Deutsche Post ihren Umsatzanteil auf 30 Prozent steigern. 2013 lag er bei 22 Prozent.

Die Stärken und Schwächen der Deutschen Post
QuartalsgewinneDer vom Internetboom profitierende Paketversand in Deutschland und das florierende Expressgeschäft haben der Deutschen Post einen deutlichen Gewinnzuwachs beschert. Das operative Ergebnis des Konzerns stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 619 Millionen Euro. Der Konzerngewinn fiel mit 422 Millionen Euro sogar mehr als doppelt so hoch aus wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zu der Verbesserung trugen allerdings auch Einmaleffekte bei. Gleichzeitig hob die Deutsche Post DHL die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht nach oben an. Der Umsatz des Logistikkonzerns ging von April bis Juni um 0,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro zurück. Quelle: dpa
Stärke: ProfitabilitätAlle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte. Quelle: REUTERS
Stärke: Monopol-Stellung im BriefmarktDie Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen. Quelle: AP
Stärke: Paket-GeschäftDie Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online - und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück. Quelle: dpa
Schwäche: E-PostbriefUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft. Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten. Quelle: dapd
Schwäche: Cashflow Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung  von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: dpa
Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt. Quelle: dpa

Europas größter E-Commerce Markt, Großbritannien, steht derzeit nicht auf Appels Liste. Hier hatte sich die Post im Jahr 2010 zurückgezogen und überlässt es der Hamburger Otto-Tochter Hermes, der britischen Royal Mail Konkurrenz zu machen. „Wir sind glücklich, dass wir uns von dem französischen und britischen Geschäft getrennt haben. Wir müssen nicht überall mit allem sein“, so der Postchef. Auch aus den USA hatte sich die Post im Jahr 2008 weitestgehend aus dem Paketgeschäft zurückgezogen. „Wir wollen nicht die Nummer eins in den USA werden, aber es gibt Nischen, die sich lohnen“, sagte Appel.

Große Übernahmen sind für das Wachstum allerdings nicht geplant. Den E-Commerce-Boom wollen die Bonner selbst für ihr Paketgeschäft nutzen und  noch etwas ankurbeln. Sie betreiben bereits den Onlinemarktplatz meinpaket.de und den Lebensmittel-Online-Shop Allyouneed. Wann der schwarze Zahlen schreiben wird, dazu wollten sich Konzernchef Appel und Briefvorstand Jürgen Gerdes nicht äußern. Dafür ist Allyouneed bereits international aufgestellt: „Mehr als ein Prozent der Umsätze werden in China generiert“, sagte Gerdes. „Chinesische Mütter bestellen über Allyouneed deutsches Milchpulver.“

Damit Kunden zukünftig ihre Pakete einfach empfangen können, beginnt die Post gerade, Paketboxen aufzustellen. Ab Mai will Gerdes Paketkästen – überdimensionale Briefkästen, in die Pakete passen –  anbieten, die sich Hauseigentümer in den Vorgarten stellen können. Gerdes könnte sich auch vorstellen, die Paketboxen demnächst im Ausland aufzustellen.

Wettbewerber wie Hermes, UPS oder TNT bleiben allerdings außen vor. Für jede Paketbox gibt es nur zwei Schlüssel – einen für den Besitzer und einen für die Post. „Die Sicherheit muss gewährleistet bleiben“, sagte Gerdes.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Auch beim elektronischen Brief, dem ePostbrief, will die Post wachsen. Machten die Bonner im vergangenen Jahr mit ihm 100 Millionen Euro Umsatz, sollen es in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro werden.

Die Bedeutung des Paketgeschäfts findet sich auch in der Umstrukturierung des Briefbereichs, zu dem bislang das Briefgeschäft und inländische Paketgeschäft zählten, wieder. Künftig heißt der Geschäftsbereich „Post-eCommerce-Parcel“ – kurz „Pep“. Gerdes übernimmt damit zusätzlich die Verantwortung für das Paketgeschäft in den fünf wichtigsten Auslandsmärkten und das e-Commerce-Geschäft.

Mit Material von Reuters

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%