WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Streikwelle Fast 40 Prozent der Ryanair-Flüge in Deutschland annulliert

Fluggäste stehen an einem Ryanair-Schalter am Flughafen an. Quelle: dpa

Der Streik beim Billigflieger Ryanair läuft an. Reisende trifft es härter als gedacht. 133 Verbindungen von und nach Deutschland wurden gestrichen. Und ein Ende der Streikwelle ist nicht in Sicht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der erneute Streik der Flugbegleiter und Piloten trifft den Billigflieger Ryanair stärker als angekündigt. Nach einer Flugplan-Auswertung des Portals „Airliners.de“ hat die irische Fluggesellschaft bis zum Freitagvormittag 133 Verbindungen von und nach Deutschland gestrichen. Das wären knapp 40 Prozent des üblichen Angebots.

Ryanair hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass wegen der Streikbeteiligung der deutschen Crews weniger als 100 Flüge abgesagt werden mussten. Die Gewerkschaften Verdi und VC hatten diese Ansage als zu niedrig eingeschätzt.

Allein an den Berliner Flughäfen wurden 56 Verbindungen gestrichen, in Frankfurt waren es 10, in Weeze 9 und in Hamburg 8. Keine Flugstreichungen wurden für Memmingen, München, Nürnberg, Stuttgart und Baden-Baden registriert. Dazu kommen noch ausgefallene Flüge aus dem Ausland mit deutschen Zielen, da auch in anderen europäischen Ländern gestreikt wird. Die Zahlen könnten sich im Laufe des Tages noch erhöhen.

Weitere Streiks sind möglich

Die Ryanair-Piloten drohen dem irischen Billigflieger unterdessen mit einem anhaltenden Arbeitskampf. „Solange das Unternehmen nicht zumindest mit uns in einen Schlichtungsprozess geht, wird es auch weitere Streiks geben“, sagte der Tarifexperte der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Ingolf Schumacher, am Freitag am Frankfurter Flughafen. „Wenn es sein muss, dann muss es weitere Streiks geben.“ Die Piloten hätten keine andere Lösung. „Wir wollen den Wandel des Unternehmens.“ Neben den Ryanair-Piloten aus Deutschland streikt derzeit auch das Kabinenpersonal europaweit in sechs Ländern.

Der Billigflieger rechnet damit, dass am Freitag europaweit rund 250 von 2400 Flügen ausfallen. Das irische Unternehmen liegt seit Monaten im Clinch mit Gewerkschaften und musste bisher bereits mehrere Streiks verkraften. Die Arbeitnehmervertreter fordern nicht nur mehr Geld, sondern vor allem auch bessere Arbeitsbedingungen – so etwa Lohnfortzahlung oder Regeln zu Versetzungen.

Kritiker werfen Ryanair vor, Mitarbeiter in den einzelnen Ländern oft nicht mit lokalen Verträgen auszustatten und nationales Arbeitsrecht nicht anzuwenden. Minister Heil sagte am Hauptstadtflughafen, der Streik habe einen Grund - „schlechte Arbeitsbedingungen und tatsächlich auch schlechte Löhne. Und deshalb stehe ich heute auch an der Seite der Beschäftigten“. Der SPD-Politiker verwies auf geltende Arbeitnehmerrechte wie Mitbestimmung und das Recht zu streiken. „Deutschland ist keine Bananenrepublik.“ Auch Verdi-Chef Frank Bsirske kritisierte die Lage der Beschäftigten. „Ich bin einigermaßen fassungslos unter welchen Bedingungen hier gearbeitet wird.“ Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO drohte Ryanair mit Streiks, sollte der Konzern nicht zusichern, dass für Kabinenmitarbeiter in Deutschland deutsches Recht gelte.

Das Ryanair-Management hat wiederholt erklärt, man wolle in Deutschland weiter wachsen. Allerdings drohte zuletzt O'Leary erneut damit, in Deutschland Kapazitäten abzubauen, sollten die Gewerkschaften sich weiter unnachgiebig zeigen. Am Samstag sollte das Flugprogramm von 3.00 Uhr an aber wieder normal laufen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%