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Studie der Verbraucherzentralen Vergleichsportale helfen Nutzern kaum weiter

Vergleichsportale sollen Nutzern helfen, für Strom, Gas, Telefon, Internet oder Flüge weniger zu bezahlen. In der Praxis ist teilweise das Gegenteil der Fall, zeigt eine neue Studie der Verbraucherzentralen.

Vergleichsportale wie Check24 stehen derzeit in der Kritik. Quelle: dpa

Es erscheint logisch: Vergleichsportale im Internet nehmen Verbrauchern die lästige Arbeit des Vergleichens von Konditionen und Preisen ab. So bekommen Nutzer den günstigsten Preis. 72 Prozent der Internetnutzer setzen laut einer Umfrage von TNS Infratest auf Buchungs- und Vergleichsportale, um Preise zu vergleichen. Die bekanntesten Portale in den Bereichen Telekommunikation und Energie sind Check24 und Verivox, bei Flugreisen sind es Expedia und Check24.

Doch in der Praxis bringt der Preisvergleich im Internet wenig. Teilweise zahlen Verbraucher sogar drauf - weil die Preise der Portale höher sind als die der Anbieter selbst. Das zeigt eine neue Studie der Verbraucherzentralen im Rahmen des Projektes "Marktwächter Digitale Welt", die in München vorgestellt wurde. Das Projekt wird unterstützt vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Zwischen Juni und September des vergangenen Jahres haben die Verbraucherschützer die Preise von 27 bekannten und beliebten Buchungs- und Vergleichsportalen untereinander und mit den Anbieterpreisen verglichen. Der Vergleich umfasst die Bereiche Energie (Strom und Gas), Telekommunikation (Telefon/Internet und Mobilfunk) und Flugreisen. Insgesamt dokumentierten die Verbraucherschützer 770 einzelne Preise. Sie wollten herausfinden, ob Verbraucher dank der Portale wirklich den günstigsten Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung bekommen. Außerdem überprüften sie das Gerücht, dass die Nutzer bestimmter Endgeräte, also zum Beispiel von iPhone oder iPad, höhere Preise als andere angezeigt bekommen, etwa weil ihre Markenwahl auf eine höhere Zahlungsbereitschaft hindeutet.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollten Verbraucher aufmerken lassen: "Zur Identifikation des günstigsten Preises scheinen Buchungs- und Vergleichsportale nicht geeignet", schreiben die Autoren. So brächten die Portale "bei Telekommunikationstarifen und Flügen kaum einen relevanten Nutzen für das Auffinden des günstigsten Preises". Einzig im Energiebereich könnten Nutzer einen Vorteil haben.

Anbieter der Vergleichsportale wehren sich gegen die Kritik. „In der Untersuchung ist allgemein von Portalen die Rede und es wird sehr pauschal Kritik geübt“, sagt Daniel Friedheim vom Portal Check24. Die Studie gehe aber nicht auf die positiven Ergebnisse der Portale ein und verunsichere die Verbraucher so mehr, als dass sie Orientierung und Aufklärung biete.

Die Kritik der Studie beruht unter anderem darauf, dass Nutzer sich nie sicher sein könnten, auf einem einzelnen Portal den günstigsten Preis angezeigt zu bekommen. Denn bei Telekommunikation und Flügen schwankten die Preise schon sehr stark zwischen einzelnen Portalen.

Außerdem zeigten die Ergebnisse "dass die Preise auf den Anbieterseiten günstiger sein können oder sich im Falle der Flugportale während des Buchungsprozesses erheblich ändern", sagt Tatjana Halm, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern. So berücksichtigten angezeigte Preise von Flugreisen auf den Vergleichsportalen oft nicht alle Service- und Zahlungsgebühren. Damit müsste der Verbraucher erst jeden einzelnen, vermeintlich günstigen Preis auf der Seite der Fluggesellschaft überprüfen - wozu braucht er dann noch die Portale?

Besonders erschreckend war das Ergebnis im Bereich Telekommunikation. "Bei den untersuchten Tarifen zeigt sich, dass der Weg über ein Portal sogar mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem höheren Preis führt als zu einem günstigeren. Die Suche auf einem Buchungs- und Vergleichsportal sicherte somit bei den vorliegenden Vergleichen nicht den günstigsten Preis, sondern erhöhte die Wahrscheinlichkeit, mehr zu bezahlen", heißt es in der Studie in aller Deutlichkeit.

Beispiel: Mobilfunk. Der Tarif "Magenta Mobil M" der Deutschen Telekom wurde auf den Portalen für 35,11 Euro bis 49,95 Euro im Monat gelistet. Bei der Telekom selbst mussten Neukunden 35,95 Euro zahlen. Die mögliche Ersparnis durch die Portale war also gering - nur Nutzer die durch Glück das richtige Portal nutzten, konnten maximal 0,84 Euro im Monat sparen. Wer auf dem Portal mit dem teuersten Angebot landete, zahlte hingegen 14 Euro drauf - jeden Monat. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch bei den Mobilfunk-Tarifen anderer Anbieter.

Viele Portale miteinander verbunden

Wer den Portalen trotzdem treu bleiben will, sollte vielleicht dieses Detail beachten: Im Festnetz- und Internetbereich zeigten laut Studie vor allem teltarif.de und smartchecker.de überdurchschnittlich hohe Preise an. Im Mobilfunkbereich wären Kunden auf preis24.de, sparhandy.de und bei teltarif.de überwiegend schlecht gefahren und hätten mehr als nötig bezahlt.

Check24 moniert aber auch methodische Mängel der Studie, etwa im Bereich Telekommunikation. So hätten die Verbraucherschützer zum Beispiel bei DSL-Tarifen nur die monatliche Grundgebühr in ihrer Untersuchung angesetzt. Check24 weise auf seinem Portal hingegen einen Effektivpreis aus, der alle über 24 Monate anfallenden Kosten und Boni berücksichtige. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Friedheim von Check24.

Zur Vorsicht bei der Auswahl der Portale raten die Verbraucherschützer noch aus einem anderen Grund. Viele Portale sind miteinander verbunden oder haben die gleiche Muttergesellschaft. Dies sei für Nutzer kaum ersichtlich. So stünde zum Beispiel hinter den Portalen verivox.de, billigstrom.de, energie-vergleich.de, billigertelefonieren.de und toptarif.de immer die Verivox Holding GmbH. Anteilseigner der Verivox Holding GmbH sei zu 80 Prozent wiederrum die ProSiebenSat.1 Media AG, die selbst noch 85 Prozent an preis24.de halte. Derart verbandelte Portale würden oft identische Preise anzeigen, haben die Studienautoren ermittelt. Wollen Nutzer sich also gezielt auf verschiedenen Portalen informieren, müssten sie voneinander unabhängige Portale wählen - keine leichte Aufgabe.

Check 24: Die wichtigsten Antworten zum Prozess

Im Energiebereich bringen die Portale Nutzern am ehesten einen Vorteil. Denn in der Untersuchung der Verbraucherzentralen waren die Preise von Strom- und Gastarifen zwischen verschiedenen Portalen meist identisch. Nutzer müssen also keine übertriebene Angst davor haben, auf einem Portal mit schlechten, ergo zu hohen, Preisen zu landen. Außerdem lagen die Preise der Portale gleichauf oder sogar unterhalb der Anbieterpreise. Genau das versprechen sich Nutzer ja von den Vergleichsportalen. Die Portale selbst versuchen zudem mit weiterem Service, über den reinen Preisvergleich hinaus, zu punkten. So bietet Verivox etwa einen Regionalfilter an, mit dem Interessenten Stromangebote aus ihrer Region angezeigt bekommen, ähnlich wie es bei Lebensmitteln üblich ist. Fünf bis zehn Prozent der Nutzer würden diesen Filter schon einsetzen, sagt Dagmar Ginzel, Mitglied der Geschäftsleitung von Verivox.

Ein Problem bleibt trotzdem: Längst nicht jeder Tarif war auf jedem Portal zu finden. Die Portale entscheiden selbst, welche Anbieter sie listen. So wird kein umfassender Marktüberblick sichergestellt. Welchen Einfluss die Portale auf dem Strommarkt haben und warum sie nur kurzfristig günstige Preise fördern und damit nicht den Kundeninteressen dienen, hat ein Insider der Strombranche der WirtschaftsWoche geschildert .

Was Sie bei der Preisjagd auf Vergleichsportalen beachten sollten

Immerhin: Am Gerücht, dass die Wahl von Handy, Tablet oder Computer die angezeigten Preise auf den Portalen beeinflusst, ist wohl nichts dran. Zumindest fanden die Verbraucherschützer keine Anhaltspunkte dafür. In ihren Tests waren die Preise stets gleich. Es spielte auch keine Rolle, ob sie Portale mehrmals aufriefen und immer wieder die gleichen Preise verglichen.

Die Verbraucherzentralen reihen sich nun in die Reihe derer ein, die von den Betreibern der Vergleichsportale mehr Transparenz einfordern. Jüngst hatte der Bundesrat eine solche Initiative gestartet. Das Portal Check24 muss sich zudem derzeit vor dem Münchner Landgericht verantworten. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute fordert, dass das Portal seinen Status als Versicherungsvermittler gegen Provision deutlich transparenter machen müsse.

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Die Forderungen der Verbraucherschützer: Wirtschaftliche Verflechtungen sollten für Verbraucher klar erkennbar sein. Eine Kennzahl könnte Nutzern der Portale zeigen, wie viele Anbieter das jeweilige Portal abdeckt. Sollten Provisionen der Anbieter an die Portale irgendeinen Einfluss auf Ergebnis, Ranking oder Darstellung von Ergebnissen haben, müsste dies transparent gemacht werden. Werbeanzeigen sollten nicht in die Ergebnisauflistung der Portale eingebunden werden, sondern seien optisch abzugrenzen und als Werbung kenntlich zu machen.

Eins ist wohl klar: Nach der neuen Studie der Verbraucherzentralen wird die Debatte um die Vergleichsportale erst richtig losgehen. 

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