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Studie zu Fernreisen Bahn und Fernbusse schlagen das Auto

Die meisten Fernreisenden sind nach einer Studie mit Bahn und Bus am besten unterwegs. Was Zeit, Kosten und Umweltbilanz angeht, schneiden diese deutlich besser ab als das Auto.

Mal Schnecke, mal Windhund
Die Tabellen zeigen die schnellsten Verbindungen im Stundentakt (auf einzelnen Strecken verkehren dazwischen noch andere Fernzüge, die aber in der Regel langsamer sind). Quelle: Deutsche Bahn; Stand: 9.10.2013 Quelle: obs
Entfernung bis 100 km.
Entfernung bis 200 km. * Durchschnittswert
Entfernung bis 300 km. ** wegen Hochwasserschäden bis 4. November 2:09 Std.
Mehr als 300 km.

Rund 80 Prozent der Deutschen sind auf Fernstrecken mit dem eigenen Auto unterwegs − obwohl der Pkw längst nicht das optimale Verkehrsmittel ist. Bezogen auf die Faktoren Zeit-, Kosten- und Umweltbilanz fällt der Pkw weit zurück hinter die Bahn und den Fernlinienbus. Das ist eines der Ergebnisse des VCD-Bahntest 2014/2015.

Im Vergleich zwischen Bahn und Fernbus wurden 540 Verbindungen auf zehn ausgesuchten Strecken innerhalb Deutschlands getestet. Ergebnis: Der Fernlinienbus ist in 94,4 Prozent der Fälle preisgünstiger als die Bahn. Jedoch behält die Bahn die Nase vorn, wenn Zeit, Kosten und CO2-Ausstoß zusammen betrachtet werden.

Zu 60 Prozent ist die Reise mit der Bahn im Fernverkehr die optimale Wahl, der Fernlinienbus ist es zu 40 Prozent. Der Pkw ist auf allen zehn Strecken zu null Prozent das ideale Fernverkehrsmittel − unter Berücksichtigung der Pkw-Vollkosten - also inklusive Steuer und Versicherung.

So teuer ist der ÖPNV in Deutschland

Die höchste durchschnittliche Ersparnis ist auf der Fernlinien-Strecke Freiburg-München möglich: Bei der Tagesreise mit dem Bus sind es rund 30 Euro, bei der Wochenendreise rund 26 Euro − gegenüber der Bahn. Grundsätzlich gelte jedoch bei beiden Verkehrsmitteln: Je früher gebucht wird, desto günstiger wird es.

Günstiger Bus, bequeme Bahn

Bei einer repräsentativen Befragung von 2.178 Personen nach den Gründen für die Verkehrsmittelwahl lautet das Ergebnis: 77 Prozent der Befragten schätzen am Fernbus die geringen Kosten, die Bahn bevorzugte die Hälfte der Reisenden wegen ihrer Bequemlichkeit. Die Erreichbarkeit von Orten und Zielen und die Flexibilität der Nutzung waren für fast 90 Prozent der Autofahrer und -fahrerinnen entscheidend.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Platz 7 – Deutsche TouringBis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 5 – City2CityAuch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer. Quelle: dpa
Platz 4 – PostbusAn vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent. Quelle: dpa
Platz 3 – FlixbusEbenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen. Quelle: dpa
Platz 2 – Deutsche BahnSchon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Quelle: dpa
Platz 1 – Mein FernbusDer mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche. Quelle: dpa

Die Umfrageteilnehmer sollten außerdem ihre letzte Reise mit dem Fernlinienbus beurteilen. Hier gab es einen Kritikpunkt, nämlich die Verspätungen, die sonst der Bahn zugeschrieben werden. In über 52 Prozent der Fälle betrugen die Verspätungen mit dem Fernlinienbus mehr als sechs Minuten. Die Gründe dafür sind zu 60 Prozent Staus und in 33 Prozent der Fälle eine verspätete Abreise.

In Arbeit
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"Obwohl die Bahn durch hohe Trassenpreise gegenüber dem Fernbus benachteiligt ist, bleibt sie die erste Wahl im Fernverkehr", so das Fazit des VCD-Bundesvorsitzenden Michael Ziesak. Damit jedoch langfristig beide Verkehrsmittel attraktiv bleiben, müsse es endlich eine Gleichbehandlung der Verkehrsträger geben.

"Es kann nicht sein, dass Fernbusse komplett von einer Gebühr für die Abnutzung der Straßen befreit sind, während die Bahn und deren Kunden für immer höhere Trassenpreise aufkommen müssen", so Ziesak.

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