Stuttgart 21 Bahn-Rendite sinkt unter zwei Prozent

Exklusiv

Die neuerlichen Kostensteigerungen beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 gefährden die betriebswirtschaftliche Bilanz des Neubaus weitaus stärker als bislang bekannt.

Ein Mann arbeitet am Stuttgarter Hauptbahnhof Quelle: dpa

Mitte der Neunzigerjahre sollte der Tiefbahnhof Stuttgart 21 einmal rund 4,9 Milliarden D-Mark kosten. Seit vergangener Woche ist klar, dass diese Summe nicht einmal in Euro reichen wird, um das Projekt zu realisieren.

Nach monatelangen Prüfungen der Deutschen Bahn gibt es einen neuen Kostenrahmen: Mindestens 5,626 Milliarden Euro soll der aufwendige Bau nun kosten, also 1,1 Milliarden zusätzlich – unvollständiger Planungen und falscher Preisprognosen sei Dank. Und weitere Risiken von bis zu 1,2 Milliarden, etwa für die Flughafen-Anbindung, sind darin noch nicht einmal eingeplant.

Diese neuerlichen Kostensteigerungen gefährden die betriebswirtschaftliche Bilanz des Neubaus weitaus stärker als bislang bekannt. „Die Wirtschaftlichkeit geht massiv in die Knie“, gab Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer öffentlich zu. Wie massiv, präsentierte Kefer dem Aufsichtsrat vergangene Woche nur hinter verschlossenen Türen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche muss sich die Bahn im Falle von S21 von ihrer üblichen internen Verzinsung der investierten Eigenmittel in Höhe von 7,5 Prozent deutlich verabschieden.

Die beliebtesten Bahnhöfe 2012
Der Bremer Hauptbahnhof erhält den Titel "Großstadtbahnhof des Jahres 2012". Quelle: dapd
Für Städte bis zu 100.000 Einwohner gibt es den Titel "Kleinstadtbahnhof". Gewinner in diesem Jahr: Der Hauptbahnhof Aschaffenburg. Die Allianz Pro Schiene hat 2012 auch den "Sonderpreis Tourismus" ausgelobt - diesen Titel erhielt der Bahnhof in Bad Schandau, in der Sächsischen Schweiz. Um die Preisträger zu ermitteln, wurden die Bahnkunden aufgerufen, ihre Lieblingsbahnhöfe zu nominieren. Eine fünfköpfige Jury der Allianz pro Schiene hat die Bahnhöfe schließlich anhand einer Checkliste geprüft und so den Sieger ermittelt. Quelle: dapd
Im vergangenen Jahr ging der Titel an den Hauptbahnhof Leipzig (im Bild) und Halberstadt. Quelle: AP
Im Jahr 2010 ging der Titel an die Hauptbahnhöfe in Darmstadt (im Bild) und Baden-Baden. Quelle: dpa
Die Sieger des Jahres 2009: Die Hauptbahnhöfe in Erfurt und Uelzen.
Die Sieger im Jahr 2008: Der Hauptbahnhof in Karlsruhe. Quelle: dpa
Im gleichen Jahr erhielt auch der Hauptbahnhof in Schwerin den Titel Bahnhof des Jahres in der Kategorie " Städte unter hunderttausend Einwohner". Quelle: dpa
Die Sieger im Jahr 2007: Die Hauptbahnhöfe in Berlin (im Bild) und Landsberg. Seit 2004 verleiht die Allianz pro Schiene den Preis.

Bei Kosten von 5,6 Milliarden und Bahn-Eigenmitteln von rund 2,85 Milliarden sinke die Verzinsung knapp unter zwei Prozent, offenbarte Kefer den Kontrolleuren. Die Aufsichtsräte wollen alle Kalkulationen nun erst einmal detailliert prüfen, bevor sie überhaupt grünes Licht für die Vorstandspläne geben. Die Bahn will zumindest die auf ihre eigenen Fehler zurückzuführenden 1,1 Milliarden Euro alleine stemmen.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte schon vor dem Treffen klargemacht, dass er Stuttgart 21 in jedem Fall weiterbauen möchte. Kefers Berechnungen machen allerdings eines deutlich: Sollten in Zukunft noch weitere Kostensteigerungen auftauchen, für die die Bahn alleine aufkommen muss, dürfte der Bau endgültig aufs Abstellgleis rollen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%