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Sympathisch – und manchmal langsam Was taugt das Sammeltaxi Moia wirklich?

Die Vans können bis zu sechs Passagiere aufnehmen. Quelle: dpa

In dieser Woche hat Volkswagen seinen Fahrdienst Moia in Hamburg gestartet – elektrisch und per Algorithmus gesteuert soll das System den Stadtverkehr entlasten. Die Wiwo hat Moia getestet. Nicht immer ging es schnell.

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Mit Moia ging in dieser Woche der nächste app-basierte Fahrdienst in Betrieb. 100 Elektro-Kleinbusse sammeln Fahrgäste in ganz Hamburg ein und bringen sie an ihr Ziel. 10.000 Haltepunkte sorgen für kurze Wege für die Fahrgäste, die dort wie an einer Bushaltestelle auf ihr Bustaxi warten. Das kommt aber nur nach vorheriger Bestellung über die App. Die WirtschaftsWoche hat getestet, wie die Fortbewegung mit der VW-Tochter klappt.

Zum Kindergarten – oder nicht

8.50 Uhr. Ich möchte meine beiden Kinder zum vier Kilometer entfernten Kindergarten bringen. Zum Fahrradfahren ist es noch zu kalt. Also lade ich die Moia-App herunter, die Registrierung ist sehr einfach. Die App will meinen Start -und Zielpunkt wissen, die Zahl der Passagiere. Auch Kindersitze gibt es. Doch dann das erste Ärgernis: Es gibt nur einen Kindersitz – ich brauche aber zwei. So muss ich selbst noch eine Sitzerhöhung mitnehmen. Nun soll ich angeben, ob ich jetzt, in mehr als fünf oder in mehr als zehn Minuten bereit bin, aufzubrechen. Wir sind jetzt bereit – und wie! Bei meinen Kindern steigt die Vorfreude darauf, mit dem „Elektro-Bus“ vor der Kita vorzufahren. Doch dann die Enttäuschung: „Sorry, unsere Bewegung ist gerade in vollem Gange!“ verkündet die App. Alle Moias seien gerade ausgebucht. Ich probiere es eine viertel Stunde lang. Zwischenzeitlich zeigt mir die App sogar eine Fahrtmöglichkeit an, zum Preis von 8 Euro. Aber als ich das Angebot annehmen will, kommt wieder die Überlastungs-Nachricht. Wir geben auf und steigen grummelnd ins eigene Auto.

Das Innere der Elektrobusse ist hell und freundlich. Quelle: Privat

Zum Flughafen

10 Uhr, zurück aus dem Kindergarten. Eine Taxi-Fahrt zum Hamburger Flughafen würde mich mindestens 20 Euro kosten, mit einem Car2Go sind es um die 10 Euro. Mit dem ÖPNV wäre ich für einen Preis von 3,30 Euro insgesamt 48 Minuten unterwegs – dreimal so lang wie mit einem Auto. Ich gebe die Strecke in die Moia-App ein – wieder findet sich kein Bus, der mich mitnimmt. Erst als ich eingebe, dass ich erst in mehr als 10 Minuten losfahren will, bekomme ich für 10.25 Uhr eine Fahrt angeboten, zum unschlagbar günstigen Preis von fünf Euro. Erst jetzt übrigens muss ich die Daten meiner Kreditkarte eingeben, von der später der Betrag automatisch abgebucht wird. Die fünf Euro sind übrigens der Maximalpreis, den Moia in der Anfangsphase verlangt.

Der Hamburg-Plan auf der App zeigt mir an, wo sich der goldene E-Bus gerade befindet. Dass Moia seine Gäste vor der Haustür abholt, ist nicht sicher, manchmal muss man bis zu 250 Meter zu einem Ein- oder Ausstiegspunkt gehen. Ich habe aber Glück: Um 10.21 steht der goldene Bus vor meiner Tür, die Seitentür öffnet sich elektrisch. „Hallo Volker“, sagt die Fahrerin, sie heißt Saskia und ist 51 Jahre alt.

Der Innenraum ist hell und luftig, ich nehme auf dem bequem gepolsterten Sessel Platz und freue mich über die Beinfreiheit. Sechs Passagiere haben Platz – ich bin der einzige. Saskia fährt los, das Fahrgeräusch des Elektro-Busses ist das Rauschen des Fahrtwindes. Neben mir: ein USB-Anschluss zum Handy-Aufladen und der Knopf für eine Leselampe. Sogar W-LAN hat jedes Moia-Gefährt, sagt Saskia. Ein Bildschirm zeigt, dass wir in 15 Minuten am Flughafen sein sollen.

Mir fällt auf, dass für die Beine zwar ausreichend Platz ist – für Gepäck aber nicht. Wer also mit vielen Koffern zum Flughafen will, sollte Moia lieber nicht nutzen, für Handgepäck ist jedoch ausreichend Platz.

Dass Moia in Hamburg sehr nachgefragt ist, freut Saskia. Nicht erfreut seien hingegen die Taxi-Fahrer, die über die neue Konkurrenz gar nicht begeistert seien. Kein Wunder, bei dem Preisvorteil. Pünktlich um 10.35 lässt mich Saskia am Flughafen raus.

Fazit der ersten Testfahrten

In die Innenstadt

10.40 Uhr, ich möchte vom Flughafen in die Hamburger Innenstadt. Es klappt auf Anhieb: Die Moia-App dirigiert mich zu einem Treffpunkt im Ankunftsbereich, wo schon ein Bus auf mich wartet. Um 10.42 geht es los. In 25 Minuten soll ich vor dem Alsterhaus an der Binnenalster stehen, verkündet die Anzeigentafel, ich bin zunächst der einzige Passagier. Der Fahrer ist ebenfalls sehr nett, er biegt jedoch gleich falsch ab und muss noch einmal durch den überfüllten Flughafen-Bereich fahren, er entschuldigt sich. Offenbar kennt er sich am Flughafen nicht so gut aus. Ich bringe unterdessen mein Fachwissen aus der ersten Moia-Fahrt von vorhin an. „Hier drinnen gibt’s W-LAN?“, fragt mich der Fahrer verblüfft. „Gut zu wissen.“ Naja, vielleicht auch nicht: Als ich ausprobiere, ob das W-LAN in seinem Bus überhaupt funktioniert, zeigt mein Handy eine Fehlermeldung an.

Plötzlich taucht auf der Anzeigentafel noch ein weiterer Stopp auf: Die Software hat dem Fahrer einen weiteren Fahrgast vermittelt, wohin ihn sein Navigationsgerät jetzt lotst. Es ist nur ein kleiner Schlenker, der die Fahrt höchstens um zwei Minuten verlängert. Aber das ist ja genau die Idee: Dass mehrere Fahrgäste sich eine Fahrt teilen und dadurch den Verkehr entlasten und den Umsatz von Moia erhöhen. Um 11.15 Uhr lässt mich der Fahrer am Alsterhaus raus. Aus den 25 Minuten Fahrtzeit sind 33 Minuten geworden – nicht so tragisch. Der Preis für die Fahrt: wieder fünf Euro. In der gleichen Zeit wäre ich – wenn auch nicht so komfortabel – auch mit der S-Bahn vor Ort gewesen – zum Preis von 3,30 Euro.

Nach Hause

11.50 Uhr, ich möchte zurück nach Hause. Wieder sind alle Fahrzeuge belegt, ich probiere es, bis mir schließlich eine Fahrt für 12.13 Uhr angeboten wird. Doch mein Sammeltaxi verspätet sich um weitere zehn Minuten. „Sorry, wir sind spät dran“, steht auf der Anzeige der App. Der Fahrer begründet die Verspätung mit dem zähen Innenstadtverkehr. Dieses Mal sitzt schon ein anderer Fahrgast im Bus – der Moia-Algorithmus hat unsere Fahrten kombiniert. Wir fahren nicht den direkten Weg zu mir, sondern machen einen Umweg von etwa zehn Minuten. Der Fahrer sagt, dass er noch mit seinem Navigationsgerät hadere - es streike ab und zu. Immerhin: Das W-LAN funktioniert einwandfrei. Um 12.53, also über eine Stunde, nachdem ich meine Rückfahrt antreten wollte, bin ich wieder zuhause. Ich zahle wieder fünf Euro, die U-Bahnfahrt hätte mich 3,30 Euro gekostet – ich hätte dafür etwa zehn Minuten laufen müssen – wäre aber insgesamt 20 Minuten schneller gewesen.

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